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Was Bioglas gegen Knochenkrebs ausrichten kann

Werkstoffe in der Medizin
Was Bioglas gegen Knochenkrebs ausrichten kann

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Verschiedene Biogläser wollen die Heidelberger Mediziner Dr. med. Fabian Westhauser (l), Dr. Jörg Fellenberg (m) und Prof. Dr. med. Burkhard Lehner daraufhin testen, ob sie die Entwicklung von Tumorzellen beeinflussen (Bild: Universitätsklinikum Heidelberg)
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Forscher aus Heidelberg prüfen, ob so genannte bioaktive Gläser nicht nur die Neubildung des Knochens anregen, sondern auch Krebszellen am Wachsen hindern. Dann wären sie für die Therapie von Riesenzelltumoren des Knochens interessant.

Bioaktive Gläser sind unscheinbare Substanzen in Pulverform, die aus den Elementen Kalzium, Silizium, Natrium und Phosphor zusammengesetzt sind. Ihre Wirkung im menschlichen Körper aber ist erstaunlich: So fördern bioaktive Gläser beispielsweise das Knochenwachstum und werden in der Medizin bereits seit einiger Zeit bei Knochenbrüchen eingesetzt.

Bioglas: Chancen gegen Riesenzelltumoren des Knochens

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg gehen nun der Frage nach, ob bioaktive Gläser auch in der Therapie von Knochenkrebs genutzt werden können. Konkret untersuchen sie dafür Riesenzelltumoren des Knochens.

Meist sind von dieser Krebsart die Röhrenknochen der Arme und Beine junger Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren betroffen. „Standardmäßig werden diese Patienten zur Entfernung des Tumorgewebes operiert“, erklärt Dr. Jörg Fellenberg vom Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie des Universitätsklinikums Heidelberg. „Durch den Eingriff kommt es jedoch zu einer Knochenschädigung.“

Nachteile bei der bisherigen Behandlung von Knochendefekten

Diese unvermeidbaren Defekte müssen behandelt und aufgefüllt werden – meist mit speziellen Kunststoffen, so genanntem Knochenzement, oder mit körpereigenem Knochengewebe. Beide Verfahren haben jedoch Nachteile: „Knochenzement verbleibt dauerhaft als Fremdkörper im Knochen und körpereigenes Knochengewebe führt zu einer verhältnismäßig hohen Rückfallrate“, so Dr. Fabian Westhauser, der das Projekt zusammen mit Fellenberg leitet.

Bioaktive Gläser könnten diese Nachteile überwinden. Sie gehen starke Bindungen mit dem umgebenden Knochengewebe ein und regen die Neubildung von Knochen aus Vorläuferzellen an. Unter bestimmten Umständen können die Gläser den gesunden Körperzellen aber auch schaden – und nicht nur diesen.

Tumorzellen reagieren besonders empfindlich auf Bioglas

„Interessanterweise konnten wir in Vorarbeiten zeigen, dass Tumorzellen wesentlich empfindlicher auf diese zellschädigenden Effekte reagieren als die Vorläuferzellen des Knochens“, berichtet Fellenberg. Die Wissenschaftler wollen deshalb in Zusammenarbeit mit dem Institut für Biomaterialien der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg unter der Leitung von Prof. Dr. Aldo R. Boccaccini die genaue Wirkung von fünf bioaktiven Gläsern auf die verschiedenen Zelltypen untersuchen.

„Wir werden prüfen, ob die Gläser Krebszellen gezielt abtöten und damit die Neubildung des Tumors hemmen können“, sagt Fellenberg. Gleichzeitig sollen die bioaktiven Gläser die durch die Operation verursachten Knochendefekte regenerieren und die Heilung anregen.

Bioglas: Therapie gegen Knochentumore verbessern

Die Forscher sind überzeugt, dass das Projekt ein Meilenstein in der Verbesserung der Therapie gegen Riesenzelltumoren und andere Knochentumoren, die ähnlich behandelt werden, darstellen kann.

„Nicht immer muss das Rad komplett neu erfunden werden. Dieses Forschungsprojekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse aneinanderreihen können“, kommentiert Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, die das Projekt mit rund 212 000 Euro fördert. „Es macht zudem deutlich, wie wichtig die Krebsforschung ist, um relevante Fortschritte in der Therapie und Versorgung von Krebspatienten zu erzielen.“

Wissenschaftliche Ansprechpartner für dieses Projekt:
Dr. Jörg Fellenberg
Universitätsklinikum Heidelberg
Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie
Forschungszentrum Experimentelle Orthopädie
E-Mail: Joerg.Fellenberg@med.uni-heidelberg.de

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