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Digitalisierung im Gesundheitswesen: Alles unter einen Hut

Digitalisierung im Gesundheitswesen
Wie digitale Lösungen und Gesundheit zusammenpassen

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Am Ende sollen alle Daten zusammenfließen, um den Patienten besser zu versorgen. Dabei darf der Datenschutz nicht auf der Strecke bleiben – und manches muss sich vielleicht grundlegend ändern (Bild: Wright Studios/stock.adobe.com)
Das ganz große Konzept für das Was und Wie bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen gibt es für Deutschland noch nicht. Viele Faktoren sind zu berücksichtigen, die nicht alle Akteure gleich gewichten. Einigkeit herrscht beim Ziel: Alles soll dem Wohl der Patientinnen und Patienten dienen.

Digitalisierung im Gesundheitswesen – das ist seit geraumer Zeit ein Ziel, das als erstrebenswert beschrieben wird. Hürden sind zu nehmen, aber dann sollen sich eine Reihe von Möglichkeiten eröffnen, die Kosten senken, die Effizienz steigern und eine individuellere Behandlung erlauben.

Future Health Index 2021: Digitalisierung wichtig für zukunftsfähiges Gesundheitswesen

Aber wie eine Digitalisierung im Gesundheitswesen genau aussehen könnte, steht noch gar nicht fest und wird heiß diskutiert. Eine Vision der Digitalen Gesundheit 2030 hat zum Beispiel der Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V (BVDW) vor einigen Monaten in einem Strategiepapier vorgelegt. Der BVDW mit Sitz in Berlin ist die Interessenvertretung für Unternehmen, die digitale Geschäftsmodelle betreiben oder deren Wertschöpfung auf dem Einsatz digitaler Technologie beruht.

Nicht Krankheiten behandeln, sondern auf Prävention setzen

Um eine Digitalisierung, wie sie der Verband beschreibt, Wirklichkeit werden zu lassen, wären grundlegende Veränderungen erforderlich. Eines der Stichworte im Leitfaden ist die „Scheindigitalisierung“. Damit ist gemeint, dass man zwar digitalisiert, aber nur das, was heute in althergebrachter Form abläuft, eins zu eins überträgt. Das aber würde das System nicht wirklich weiterbringen, betonen die Autoren. Es gebe die Chance, mit Werkzeugen der Digitalisierung Abläufe, Verfahren und Lösungen neu umzusetzen. „Hier müssen sich etablierte Akteure von alten Strukturen lösen“, heißt es im Strategiepapier.

Eine wirklich tiefgreifende Veränderung, die durch Digitalisierung möglich werde, sei aber eine andere Denkweise im Gesundheitssystem. Es gehe darum, sich vom Behandeln einer Krankheit zu lösen und sich auf Prävention zu konzentrieren. Dazu könne digitale Gesundheitsbildung beitragen, die im Kindesalter beginnt und sich bis ins hohe Alter fortsetzt. Für das so erworbene Wissen verwenden die Autoren den Begriff „Gesundheitsführerschein“ – den schon Sechsjährige machen.

Insgesamt 19 Forderungen an die Politik leitet der BVDW aus seinen Positionen ab, von der Verfügungshoheit der Patienten über die eigenen Daten bis hin zur wissenschaftlichen Neuprüfung von Ergebnissen klinischer Studien. Damit soll es möglich sein, künftig die Medizin mittels Digitalisierung besser an das Geschlecht oder Alter der Patienten anzupassen.

E-Health-Allianz: Es braucht ein Zielbild für die Digitalisierung

Aber das ist nur ein Ansatz. Es gibt weitere Ideen dazu, wie das digitale Gesundheitswesen aussehen könnte. Ein Positionspapier haben im vergangenen Sommer acht Verbände erstellt, die sich 2018 zur E-Health-Allianz zusammengeschlossen hatte. Vertreten sind darin der BVMed und Spectaris, der der ZVEI und BVITG, Bio Deutschland, Bitkom und der Verband der Diagnostica-Industrie VDGH sowie der Verband Forschender Arzneimittelhersteller VFA.

Die Forderung der Allianz: Es brauche ein E-Health-Zielbild für Deutschland. Dafür sehen die Verbände fünf wesentliche Handlungsfelder.

  • Digitalisierung dürfe erstens nicht als Selbstzweck verstanden werden, sondern sollte Patienten und Versicherten größtmöglichen Nutzen bringen.
  • Man brauche zweitens eine vernetzte Gesundheitsdateninfrastruktur, auf die alle Akteure über Sektorengrenzen hinweg zugreifen können.
  • Für die industrielle Gesundheitswirtschaft müssten drittens klare Rahmenbedingungen und Raum für Innovationen geschaffen werden.
  • Viertens müssten flächendeckend die Grundlagen geschaffen werden, um Cloud-Computing, Telemedizin sowie Lösungen mit künstlicher Intelligenz zu nutzen.
  • Und – zuletzt genannt, aber wichtig – müssen auch verschiedene Gesundheitssysteme mittels internationaler Standards zusammenarbeiten können.

Durch Gesetzesinitiativen seien zwar in der vergangenen Legislaturperiode wichtige Grundsteine für eine digitalisierte Gesundheitsversorgung gelegt worden. Die Zielgerade sei aber noch weit entfernt, denn bisher gebe es weder einen übergreifenden Kontext noch eine strategische Richtung.

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Zwei neue Gesetze für Daten aus Forschung und Gesundheit

Was die Politik nach dem Regierungswechsel in Deutschland bisher in Aussicht stellt, haben im Dezember die Teilnehmer des Nationalen Digital Health Symposiums 2021 diskutiert. Veranstalter des Symposiums ist die TMF – Technologie und Methodenpattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. Das Symposium, das 2019 erstmals stattfand, versteht sich als Vernetzungs- und Austauschforum und soll den digitalen Kulturwandel beschleunigen. Kurz gesagt, wünschten sich die dort vertretenen Experten, dass es schneller und nachhaltiger vorangehen möge mit der Digitalisierung.

In der laufenden Legislaturperiode sollen zwei Gesetze entstehen, die das ermöglichen: das Forschungsdatengesetz und ein Gesundheitsdatennutzungsgesetz. Beide sollen eine bessere wissenschaftliche Datennutzung im Einklang mit der DSGVO ermöglichen.

Daten aus dem Gesundheitswesen sind für die Digitalisierung ein zentraler Punkt. Sie sollen, so die Experten, zukünftig besser für die Forschung genutzt werden können. Das setze voraus, dass sie für die öffentliche und privatwirtschaftliche Forschung einfacher zugänglich gemacht werden. Dazu sind schon Dinge im Fluss. So arbeitet die Medizininformatik-Initiative MII seit 2018 daran, eine bundesweite Forschungsdateninfrastruktur an Unikliniken zu schaffen – gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die MII soll mit Datenintegrationszentren (DIZ) den Grundstein für die Digitalisierung der medizinischen Forschung und Versorgung in Deutschland legen.

Die DIZ entstehen an 29 universitätsmedizinischen Standorten. Sie führen Daten aus der Routineversorgung der Unikliniken und der biomedizinischen Forschung einrichtungsübergreifend zusammen und stellen sie datenschutzgerecht für die medizinische Forschung bereit. Ein externes Audit belegte im November 2021, dass die Dinge gut vorangeschritten sind. Für die nächste anstehende Förderphase von 2023 bis 2026 stellt das BMBF weitere Mittel in Höhe von rund 200 Mio. Euro zur Verfügung.

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Digitalisiertes Gesundheitswesen: Was heißt das für Medtech und Pharma

Was die Veränderungen im Gesundheitswesen zum Beispiel für die Medizintechnik und Pharmaindustrie sowie andere Beteiligte bedeuten, versucht eine Studie zu beantworten, die das Forschungsteam des „Atlas Digitale Gesundheitswirtschaft“ der Universität Witten/Herdecke (UW/H) erstellt hat. Zu Wort kommen Industrie, Krankenkassen und Leistungserbringer im Gesundheitswesen. Projektleiterin Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko fasst zusammen: „Die Trendstudie beschreibt eine Aufbruchsstimmung im deutschen Gesundheitswesen.“

Aus dem Bereich Medizintechnik zum Beispiel nennt die Studie Produktinnovationen wie Digitale Gesundheitsanwendungen (Diga) oder Medizinprodukte für die Reha, wie den intelligenten Daten-Handschuh eines Aachener Start-ups. In der Studie aufgeführt sind aber auch Stimmen, die zum Beispiel darauf hinweisen, dass die Digitalisierung den Vertrieb von Medizinprodukten auf den Kopf stellen könnten.

So hält es Prof. Dr. Jochen A. Werner, ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Essen, für möglich, dass künftig eine KI entscheidet, wann und wo wie viele Einmalhandschuhe für die Klinik beschafft werden – „wie an der Börse“. Und digitales Monitoring könne zeigen, wie stark angeschaffte Geräte tatsächlich ausgelastet sind, was wiederum die Investitionsplanung einer Klinik beeinflusst.

Medizintechnik einbinden im Zuge der Digitalisierung

Ohne die Unternehmen der Medizintechnik wird es aber bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens nicht gehen. Oder, wie es der BVMed mit Blick auf die „forschungsstarke und leistungsfähige Branche“ formuliert hat: „Med-Tech-Unternehmen sind ein entscheidender Partner, um die schlummernden Potenziale eines digitalen Gesundheitssystems in Deutschland zu realisieren“. (op)


Weitere Informationen

Download des BVDW-Leitfadens:
http://hier.pro/UmmXZ

Positionspapier der E-Health Allianz:
http://hier.pro/J0o10

Zur Studie der Uni Witten Herdecke:
http://hier.pro/7nLrq

Zum Digital Health Symposium:
https://digital-health-symposium.de/

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