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Künstliche Intelligenz verwaltet Blutkonserven

Künstliche Intelligenz in der Medizin
Mit KI weniger Blutkonserven verschwenden

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Etwa 800 Blutkonserven sind jeden Tag in Deutschland ein Fall für den Mülleimer. Mit Daten und KI-Systemen wollen FH Dortmund und Uniklinikum Essen das ändern (Bild: pixabay / Sabin Urcelay)
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Gespendetes Blut kann nur für kurze Zeit gelagert werden. Künstliche Intelligenz soll nun helfen, die Blutkonserven schnell dahin zu leiten, wo sie als nächstes gebraucht werden.

Jeden Tag müssen in Deutschland etwa 800 Blutkonserven entsorgt werden, weil sie nicht rechtzeitig verbraucht wurden. Bei den nur wenige Tage haltbaren Thrombozytenkonzentraten liegt die Verlustrate bei über 10 %. Gemeinsam mit dem Uniklinikum Essen arbeitet die Fachhochschule Dortmund an KI-gestützten Systemen, die eine effizientere Blutkonserven-Logistik ermöglichen sollen.

Der finanzielle Schaden ist dabei nur ein Aspekt. Es ist auch ethisch bedenklich, wenn zu viele Blutspenden von Menschen auf dem Müll landen. „Daten und KI können helfen, die Bedarfe in den Kliniken besser zu prognostizieren, Blutspenden gezielter nachzufragen“, sagt Prof. Dr. Britta Böckmann vom Lehrstuhl medizinische Informatik der FH Dortmund. Böckmann betreut das Projekt „Autopilot“, mit dem sich Spender und Patient auch passgenauer zusammenzubringen lassen sollen. Das Projekt ist as auf zweieinhalb Jahre angelegt und wird vom Bund gefördert. Partner sind das Institut für Transfusionsmedizin und das Institut für Künstliche Intelligenz (KI) in Essen.

Künstliche Intelligenz sagt Bedarf für Blutkonserven vorher

Der Autopilot soll unter anderem historische Daten auswerten und damit Vorhersagen treffen können, wann in welchem Krankenhaus wie viele Blutkonserven benötigt werden. „Mittels KI hoffen wir, in diesen Daten Muster erkennen zu können“, sagt Böckmann. Zugleich soll eine bessere Zuordnung der Blutspende erfolgen: Neben Blutgruppe und Rhesusfaktor gebe es zahlreiche weitere Kriterien, wie etwa Antikörper im Blut, die vor einer Transfusion mittels aufwendiger Kreuzproben abgeklärt werden müssen.

Mehr Daten und KI-gestützte Analysen können hier helfen. „Neben der erhöhten Qualität der Transfusion erhalten wir so eine schnellere Entscheidung, was gut für Patienten und Arbeitskräfte ist“, erklärt Matthias Becker, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt.

Digitales Expertensystem soll die Bestellung von Blutkonserven besser steuern

Der Schwerpunkt der FH Dortmund liegt bei diesem Projekt darin, ein digitales Expertensystem für die schnelle und vor allem leitlinienkonforme Bestellung von Blutkonserven zu entwickeln. Damit lassen sich Anfragen effizienter steuern. Zudem entwickeln die FH-Informatiker eine Blutspende-App. So etwas gibt es bereits, doch die die neue App soll mehr können: Neben Spender-Information und digitaler Terminvereinbarung wird die App an das Autopilot-System gekoppelt. „Wir wollen gezielt dort Spender motivieren, wo die Bedarfe sein werden, und gezielt nach den Bluteigenschaften fragen, die gebraucht werden“, erklärt Böckmann. Je besser die gelieferten Blutspenden zur Nachfrage passten, desto weniger Blutkonserven müssten entsorgt werden. Erste Klick-Tests der App laufen bereits.

Kontakt zu den Forschern

Prof. Dr. Britta Böckmann
Medizinische Informatik
Emil-Figge-Straße 42
44227 Dortmund
E-Mail: britta.boeckmann@fh-dortmund.de


Zum Projekt Autopilot:

Autopilot steht für Automatisierte leitlinienkonforme patientenindividuelle Blutproduktezuordnung und smartes Logistikmanagement in der Transfusionsmedizin und ist eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Kooperation des Uniklinikums Essen und der Fachhochschule Dortmund.

Das Projekt ist bis September 2022 bewilligt. Die Fördersumme des Bundes beträgt 1,8 Mio. Euro. Ziel des Projekts ist ein unter medizinischen, ethischen und ökonomischen Gesichtspunkten effizienter Umgang mit Blutspendeprodukten.

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