Medizintourismus Talsohle fast erreicht - medizin&technik - Ingenieurwissen für die Medizintechnik

Medizintourismus

Talsohle fast erreicht

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Behandlung im modernen Umfeld bringt Patienten aus dem Ausland nach Deutschland- Der Medizintourismus bescherte dem deutschen Gesundheitssystem Einnahmen von über 1,2 Milliarden Euro (Bild: Fotolia/Сергей Кошкаров)
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Der Medizintourismus nach Deutschland nimmt ab. Vor allem die sinkende Nachfrage aus GUS- und Golfstaaten ist dafür verantwortlich. Die Gründe sind ökonomische und politische Faktoren in den jeweiligen Ländern. Die Talsohle könnte aber bereits erreicht sein.

Im Jahr 2016 ließen sich mehr als 253 000 Patienten aus 181 Ländern stationär oder ambulant in Deutschland behandeln und bescherten dem deutschen Gesundheitssystem Einnahmen von über 1,2 Milliarden Euro. Der Rückgang der Patientenzahlen gegenüber dem Vorjahr betrug 1,1 %.

Abwärtstrend setzt sich weiter fort

Wie bereits im Vorjahr setzte sich der Abwärtstrend zweier wichtiger GUS-Quellmärkte fort: Russland verzeichnete einen Rückgang von rund 13 % und Kasachstan von 32 %. Allerdings könnte bereits 2017 die Talsohle erreicht sein und vor allem aus Russland wieder mehr Patienten in deutsche Gesundheitseinrichtungen kommen. „Rückmeldungen aus einzelnen Krankenhäusern deuten auf eine Stabilisierung der Nachfrage hin“, meint Jens Juszczak von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS). In der Ukraine kam es bereits zur Trendumkehr, hier stiegen die Patientenzahlen um fast 8 %. Aufgrund der im Jahr 2017 in Kraft getretenen Visafreiheit dürfte sich dies in den Folgejahren fortsetzen.

Weniger finanzielle Mittel in den Golfstaaten

Wie erwartet, brachen die medizinischen Behandlungsreisen aus den Golfstaaten massiv ein: Vereinigte Arabische Emirate (-8 %), Saudi-Arabien (-20 %), Katar (-13 %) und Oman (-36 %). Neben der vorhandenen starken Volatilität der Nachfrage in diesen Märkten zeichnen ökonomische und politische Faktoren für diese Entwicklung verantwortlich. Haushaltsdefizite, die Einführung der Mehrwertsteuer in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Budgetkürzungen in vielen Bereichen weisen darauf hin, dass in vielen Golfstaaten zukünftig eher weniger finanzielle Mittel für Auslandsbehandlungen zur Verfügung gestellt werden. Außenpolitische Krisen in der Golfregion und innenpolitische Strukturveränderungen, insbesondere das Vorgehen gegen Korruption und Veruntreuung in einzelnen Golfstaaten, unterstützen diese Vermutung.

Größter Raub aller Zeiten

Letzteres ist derzeit an Kuwait sehr gut nachvollziehbar: 2016 kamen zwar fast 13 % mehr Patienten aus dem Emirat zur Behandlung nach Deutschland, doch im vergangenen Jahr löste die Abwicklung dieser Medizinreisen einen Skandal aus, kuwaitische Medien sprechen vom „größten Raub aller Zeiten“. Hunderte Millionen Euro an von Staat bewilligten Geldern für Behandlung und Aufenthalt der Patienten sind verschwunden, ins Ausland geflossen oder ohne jegliche Belege ausgezahlt worden. Eine vom Parlament eingesetzte Untersuchungskommission empfahl nach ihrer Deutschlandreise unter anderem die Begrenzung der Behandlungsreisen ins Ausland, den stetigen Einsatz von Wirtschafts- und Rechnungsprüfern sowie die Beendigung der Zusammenarbeit mit Patientendienstleistern, so genannten Patientenvermittlern.

Klare Regeln und Kontrolle sind gefragt

„Die vergleichsweise schlechte Organisation in den eigenen Konsulaten sowie die geringe Transparenz bei der Zusammenarbeit mit Dienstleistern und Kliniken führen zu einer großen Verunsicherung in den arabischen Ministerien“, so Juszczak. Klare Strukturen und Regelungen bei der Zusammenarbeit, geschultes Personal und eine stetige Kontrolle und Zertifizierung der beteiligten Akteure anhand objektiver Kriterien könnten dazu beitragen, wieder Vertrauen auf allen Seiten schaffen.

www.h-brs.de

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