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Sport mit Hüftprothese erwünscht

Endoprothesen
Sport mit Hüftprothese erwünscht

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Patienten mit modernen Hüftprothesen wird empfohlen, sich täglich zu bewegen. Wer es nicht übertreibt, muss keine Schäden an der Prothese fürchten (Bild: bergringfoto/stock.adobe.com)
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Fortschritte in der Endoprothetik, sowohl bei den Hüftprothesen als auch bei der Opertationstechnik, erlauben nach Ansicht von Medizinern deutlich mehr Bewegung. Nicht zu wenig bewegen ist daher die Devise – allerdings ohne es zu übertreiben.

Yoga, Ballett, Skifahren: Der Anteil an Patienten mit einer Hüftprothese, die sportlich aktiv sein wollen, steigt. Doch wie viel Sport ist erlaubt, ohne dass die Betroffenen erhöhte Lockerungsraten oder Komplikationen wie ein Auskugeln ihres Kunstgelenks befürchten müssen? Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. (AE) hat dazu gute Neuigkeiten: In der Hüftendoprothetik ermöglichen innovative Prothesenmaterialien, vielfältige Implantatmodelle und differenzierte, schonende OP-Techniken mittlerweile einen deutlich aktiveren Lebensstil.

Hüftprothese und Sport: täglich eine Stunde aktiv

Patienten sollten vor dem Eingriff die gewünschten Sportarten mit ihrem Operateur besprechen. So könnte gezielt das im Hinblick auf die zukünftigen Belastungen am besten geeignete Verfahren ausgewählt werden.

Regelmäßige, moderate Bewegung kann vielen Krankheiten vorbeugen und verbessert Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Zudem hilft sie bei der Therapie zahlreicher Erkrankungen und Beschwerden. „Deshalb empfehlen wir unseren Patienten mit Ersatzgelenk heute tägliche körperliche Aktivität von mindestens einer Stunde“, sagt Prof. Dr. med. Carsten Perka, Generalsekretär der AE und Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskelettale Chirurgie, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Charité Berlin. Dies gilt umso mehr, da 27 % der Erwachsenen während der Corona-Pandemie zugenommen haben.

Doch noch dieser Ansatz ist neu: „In der Vergangenheit ist man davon ausgegangen, dass sportliche Betätigung zu vorzeitigem Materialverschleiß und anderen Problemen bei der Prothese führt“, sagt Perka. Verschleißpartikel etwa könnten eine Entzündungsreaktion rund um das Implantat mit Lockerung auslösen. Dann muss das Kunstgelenk vorzeitig ausgetauscht werden.

Große Vorsicht bei Sport mit Prothese: diese Ansicht ist passé

Ärzte rieten ihren Patienten deshalb früher, das künstliche Gelenk möglichst nur zurückhaltend zu belasten. „Viele Patienten haben sich deshalb eher zu wenig bewegt“, so Perka. Doch diese Empfehlung sei überholt: „Die Endoprothetik hat sich in den letzten 20 Jahren weiterentwickelt. Gerade die Hüftprothesen tolerieren heute deutlich mehr Aktivität.“

In der Hüftendoprothetik werden heute bevorzugt modernes hochvernetztes Polyethylen oder neuartige Mischkeramiken als Pfannenersatz verwendet. Das erlaubt einen deutlich aktiveren Lebenswandel, ohne dass erhöhte Lockerungsraten und Komplikationen befürchtet werden müssten. „Hochvernetztes Polyethylen zeigt ebenso wie die Keramik im Belastungs-Simulator extrem geringe Abriebraten“, so Perka. „Von daher können wir davon ausgehen, dass eine angemessene sportliche Betätigung das Risiko für eine abriebinduzierte Lockerung nicht ansteigen lässt.“

Langsames Joggen ist auch mit Hüftprothese kein Problem

So genannte „Low-Impact“-Sportarten wie langsames Joggen, Fahrradfahren oder Ski-Langlauf führen zu einer gleichmäßigen, wenn auch intensiven Belastung der Prothese und sind deshalb laut Perka „sicher unproblematisch“. Dies gelet auch für alpines Skifahren, sofern man diese Sportart schon vor der Operation beherrscht habe. „Denn hier ist es wichtig, zu jedem Zeitpunkt die muskuläre Kontrolle über das Hüftgelenk zu behalten.“ Um sicher zu gehen, werde aber empfohlen, Pisten auszuwählen, deren Schwierigkeitsniveau unter dem liege, das ein Patient vor der Operation absolviert habe.

Aber auch für Sportarten, die einen maximalen Bewegungsumfang erfordern, gibt es mittlerweile Lösungen. Bei Yoga, Ballett oder auch Rudern ist das Risiko erhöht, den Prothesenkopf auszurenken. „Hier können wir heute einen Operationszugang auswählen, der die besonders belasteten Gewebestrukturen rund um das Gelenk intakt lässt“, so Perka. „Weitere Sicherheit gibt uns das Einsetzen eines extra großen Kunstgelenkkopfes.“

Spezielle Gelenkpfann: Langzeitdaten sind noch nicht vorhanden

Erst wenige Jahre auf dem Markt sind auch Gelenkpfannen mit einer so genannten tripolaren Gelenkpaarung („double mobility“). Durch diese Kombination führen selbst extreme Gelenkstellungen nicht zu einem Ausrenken der Prothese. „Hier müssen wir noch Langzeitdaten abwarten, ob diese neuen Gelenkpaarungen auch unter intensivster mechanischer Belastung gleich gute Langzeitergebnisse wie Hüftprothesen mit einer normalen Kopf-Inlay-Situationen erzielen“, räumt Perka ein. Sicherlich seien sie aber schon jetzt eine gute Option für ältere Patienten mit Interesse an Yoga oder Dehnungsübungen oder für Patienten mit koordinativen Einschränkungen.

Ballsportarten können aber auch modernen Prothesen schaden

„Wir müssen unsere Empfehlungen hinsichtlich der sportlichen Betätigung nach Implantation einer Hüftprothese anpassen und moderaten Sport nun nicht nur eindeutig erlauben, sondern empfehlen“, fasst Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, AE-Präsident und Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig zusammen. Wichtige Ausnahmen gibt es aber: So genannte „Stop-and-Go-Sportarten“ wie Ballsportarten, extreme Ausdauerbelastungen und Sportarten mit intensivem Körperkontakt können die Haltbarkeit der Hüftprothese nach wie vor erheblich verkürzen.

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