Medizintechnik-Standort Schweiz

Know-how und eine innovative Start-up-Szene stärken den Medtech-Standort Schweiz

Landwasser viaduct
Von den Gletschern bis zu den Palmen zeigt der legendäre Bernina Express die schönsten Seiten der Schweiz bei seiner Alpenüberquerung. Entlang seiner Strecke finden sich auch zahlreiche Unternehmen der Medizintechnik-Branche Bild: Swisshippo/Fotolia
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Der Medizintechnik-Markt Schweiz ist vielfältig, die Produkte sind hochwertig und innovativ. Dafür sorgt auch eine dynamische Start-up-Szene, die in der Eidgenossenschaft mit knapp 8,5 Millionen Einwohnern besonders aktiv ist.

Susanne Schwab
susanne.schwab@konradin.de

Die Schweiz ist ein Start-up-Land. Rund 300 Start-ups werden hier pro Jahr gegründet, viermal mehr als noch vor 15 Jahren. Aber anders als in den meisten westeuropäischen Ländern, so das Ergebnis des aktuellen Swiss Startup Radar, dominieren bei der Standortwahl nicht die pulsierenden Hauptstädte, sondern die Gründungslust verteilt sich über die gesamte Schweiz und betrifft alle 26 Kantone. Und ebenso besonders: Überproportional viele Start-ups finden sich in den Bereichen Medizintechnik, Biotechnologie und Healthcare. Hier ist der Anteil der Neugründungen um ein Mehrfaches höher als in Deutschland, Frankreich, Spanien oder Großbritannien.

Ein Grund, warum das Schweizer Start-up-Ökosystem floriert, ist die Unterstützung und Förderung, die junge Gründer von Organisationen und Initiativen aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Gesellschaft bekommen. Dazu gehören auch die Informationsplattform Startup-
ticker.ch oder der Bundesverband Swiss Medtech, der regelmäßig für seine Mitglieder junge Unternehmen wie die Naviswiss AG porträtiert, um die Brücke zwischen etablierten und aufstrebenden Unternehmen zu schlagen.

Mini-Navigationssystem unterstützt bei der Hüft-OP

Das Start-up aus Brugg hat eines der kleinsten Navigationssysteme für den Einsatz in der Orthopädie auf den Markt gebracht. Es soll dem Operateur helfen, ein künstliches Hüftgelenk genauso wie geplant zu implantieren. Mit dem Handgerät lassen sich Abweichungen beim Eingriff auf ein Minimum reduzieren, was die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen und Spätfolgen verringert. Das senkt nicht nur die Heilungskosten, sondern erhöht auch die Lebensdauer des Hüftimplantats und die Lebensqualität der Patienten. Seit 2018 trgät das System das CE-Kennzeichen. Anwender in Europa und Australien setzen das System bereits routinemäßig ein, so Jan Stifter, der als CEO das Naviswiss-Team führt. Als nächstes stehe die Markteinführung in den USA gegen Ende 2019 sowie in Japan im Jahr 2020 an, und auch ein Navigationssystem für Knie-Operationen sei geplant.

Schweizer Industrie profitiert von innovativen Start-ups

Start-ups wie Naviswiss leisten mit ihren Innovationen laut Swiss Startup Radar einen volkswirtschaftlich wichtigen Beitrag für den Wohlstand der Schweiz und das Wachstum wichtiger Hochtechnologie–Branchen wie der Medizintechnik. Traditionell präsentiert sich das Alpenland seit Jahren mit einer starken Medtech-Industrie: Sie erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von 15,8 Mrd. SFR oder 14,2 Mrd. Euro – ein Plus von gut 6,4 % im Vergleich zum Vorjahr. Die wichtigsten Produktionsgüter der Branche sind Prothesen, Implantate und orthopädische Erzeugnisse.

Trotz einer Einwohnerzahl von lediglich knapp 8,5 Millionen hat die Schweiz einen erheblichen Bedarf an Medizintechnik. Die Käufer legen dabei Wert auf Technologien und Produkte, die qualitativ hochwertig und langlebig sind. Die stark exportorientierten lokalen Hersteller decken aber nur einen geringen Teil der Nachfrage. Das bedeutet, dass der Inlandsverbrauch zum großen Teil durch Importe bedient wird. Die wichtigsten Export- und Importmärkte sind die USA und Deutschland.

EU-Regulierungen beschäftigen die Medtech-Unternehmen

Hauptabnehmer von Medizintechnik sind nach Angaben der Gtai die 283 schweizerischen Krankenhäuser, von denen etwas mehr als die Hälfte in öffentlicher Trägerschaft ist. Insbesondere die fünf Universitätskrankenhäuser haben einen ausgezeichneten internationalen Ruf und sind sehr gut ausgestattet. Kantonale, städtische und private Krankenhäuser folgen häufig diesen Trendsettern bei der Wahl ihrer Anschaffungen. Privatkliniken und -praxen repräsentieren laut Gtai nur ungefähr 15 bis 20 % der gesamten Medizintechniknachfrage. Sie unterliegen jedoch seltener finanziellen Beschränkungen und können daher eher in hochpreisige Ausrüstungen investieren.

Um Kosten zu senken, beziehen Abnehmer ihre Produkte verstärkt über Einkaufsgesellschaften (GPO) beziehungsweise über – immer weniger – ausgewählte, größere Anbieter, bemängelt auch Peter Biedermann, Geschäftsführer des Branchenverbands Swiss Medtech. Kleine Hersteller werden damit zu zweitrangigen Zulieferern zurückgestuft. Ein weiteres Thema, das die Hersteller aktuell beschäftigt, sind die neuen EU-Regulierungen MDR und IVDR die 2020 rechtskräftig werden und auf die sich auch die Schweizer Medtech-Unternehmen einstellen müssen (siehe Interview auf der Seite 20).


Schweizer Medtech-Branche auf einen Blick

  • Mit rund 58 500 Mitarbeitenden stellt die Medizintechnikindustrie 1,1 % der Beschäftigten und damit etwas mehr als jeden 100. Arbeitsplatz in der Schweiz. Die Zahl der Beschäftigten ist damit seit 2012 durchschnittlich um 2,6 % pro Jahr und 2017 sogar um rund 4,6 % gestiegen.
  • Der von den rund 1400 Schweizer Medtech-Unternehmen – davon 25 % Hersteller, 35 % Zulieferer, 15 % Händler und 25 % Dienstleister – erwirtschaftete Umsatz betrug 2017 15,8 Mrd. SFR. Dies entspricht 2,3 % des Bruttoinlandprodukts (BIP). Das von der Branche erzielte Umsatzwachstum von 6,4 % übertrifft das durchschnittliche Schweizer BIP-Wachstum von 1,1 % deutlich.
  • Ihre Schlüsselstellung als Exportnation konnte die Schweiz im weltweiten Vergleich weiter festigen: Mit 11,3 Mrd. SFR stiegen die Ausfuhren seit 2015 um 0,7 Mrd. SFR und decken somit 5,1 % der gesamten Schweizer Exporte ab. Wichtigste Absatzmärkte sind neben dem Heimmarkt nach wie vor die USA (3 Mrd. SFR) und Deutschland (2,2 Mrd. SFR) gefolgt von den Niederlanden (0,8 Mrd. SFR), Belgien und Frankreich (beide 0,6 Mrd. SFR).

Quelle: SMTI 2018

www.swiss-medtech.ch

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