Deutsche Gesellschaft wird digitaler – das gilt aber nicht für alle

Studie D21-Digital-Index 2017 / 2018

Die deutsche Gesellschaft wird digitaler

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Der Hang zum Digitalen ist ungleich verteilt: insbesondere unter den Menschen über 50 gibt es viele, die bei der aktuellen Entwicklung nicht mitmachen Bild: Fotolia.com / Goodluz
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Der Digitalisierungsgrad steigt in Deutschland, aber es gibt weiterhin eine digitale Spaltung und Skepsis gegenüber intelligenten Geräten. Das sind zwei Aspekte, die eine aktuelle Studie zur Digitalisierung ergeben hat.

Die Ergebnisse des D21-Digital-Index 2017 / 2018 hat die Initiative D21 e. V. am 23. Januar gemeinsam mit Staatssekretär Matthias Machnig im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) vorgestellt.

Demnach ist die deutsche Gesellschaft mit 53 Indexpunkten so digital wie nie zuvor. Der D21-Digital-Index gibt den Digitalisierungsgrad der Gesellschaft auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten wieder und fasst die Komponenten

  • Zugang,
  • Nutzung,
  • Kompetenz und
  • Offenheit

in einer einzigen Kennzahl zusammen. Erstmals seit 2013 steigt nun der Indexwert um 2 Punkte im Vergleich zum Vorjahr an. Verantwortlich dafür sind Steigerungen bei Kompetenz und Offenheit. Trotz Verbesserungen befindet sich der Digitalisierungsgrad der Deutschen aber weiterhin nur auf mittlerem Niveau.

Trotz positiver Entwicklung fühlen sich nicht alle gewappnet

„Wir beobachten zwar eine positive Entwicklung: Immer mehr Menschen bewegen sich souveräner, kompetenter und aufgeschlossener in der digitalen Lebenswelt“, so Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21: „Doch nach wie vor fühlen sich viele nicht für die digitale Welt gewappnet.“ 32 Prozent der Befragten gaben an, dass sie die Dynamik und Komplexität der Digitalisierung überfordere. „Um nicht große Teile der Bevölkerung dauerhaft von der digitalen Teilhabe auszuschließen, sind deutlichere Anstrengungen in allen Bereichen der Bildung notwendig, sei es in der Schule, Berufsausbildung oder auch der Erwachsenenbildung.“

Der D21-Digital-Index zeigt eine Teilung der Bevölkerung in drei Hauptgruppen (die sich wiederum in sieben Nutzertypen unterteilen lassen):

  • 34 % sind den digitalen Vorreitern zuzuordnen, Menschen die sich alltäglich und souverän in der digitalen Welt bewegen und mit den aktuellsten Entwicklungen Schritt halten.
  • Den größten Teil machen mit 41 Prozent die digital Mithaltenden aus, also Personen, die sich gelegentlich in der digitalen Welt bewegen und dort einigermaßen zurechtfinden.
  • Ein ganzes Viertel der Bevölkerung – und damit 16 Millionen Menschen – gehört zu den digital Abseitsstehenden gehört. Diese partizipieren gar nicht oder nur in sehr geringem Umfang an der digitalen Welt.

Die einzelnen Komponenten des D21-Digital-Index (Zugang, Nutzung, Kompetenz und Offenheit) sind bei den Befragten unterschiedlich verteilt, die deutsche Gesellschaft ist bezüglich ihrer digitalen Möglichkeiten in vielerlei Hinsicht gespalten.

Je jünger, desto digitaler

In der Tendenz lassen sich dabei folgende generalisierte Aussagen treffen: Je jünger, desto digitaler sind die Menschen. Gerade die über 65-Jährigen stehen im digitalen Abseits. Menschen mit hoher formaler Bildung haben einen signifikant höheren Digitalisierungsgrad als Menschen mit niedriger Bildung. Männer sind digitaler als Frauen und Berufstätige mehr als nicht Berufstätige.

„Digitalisierung wird Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft grundlegend ändern. Wir müssen dafür sorgen, dass alle Menschen kompetent und souverän an der Digitalisierung teilhaben können – auch im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit unseres Landes“, so Mathias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, mit Blick auf die Ergebnisse des D21-Digital-Index.

Erstmals nutzen über 80 % der Deutschen das Internet. Treibender Faktor ist dabei die fortschreitende Verbreitung des mobilen Internets über Smartphones. Nachdem die jüngeren Generationen bereits seit Längerem nahezu vollständig online sind, gibt es bei den 50 bis 64-Jährigen sowie den über 65-Jährigen Zuwächse von jeweils fünf Prozentpunkten bei der Internetnutzung bzw. 10 und 3 Prozentpunkten bei mobilen Geräten. In dieser Gruppe besteht auch das größte Steigerungspotenzial: 94 % der verbliebenen 19 % Offliner in der deutschen Bevölkerung sind 50 Jahre oder älter.

Vorbehalte gegen intelligente Autos oder Assistenzroboter

Aktuell hat ein Großteil der deutschen Bevölkerung bei intelligenten Techniken, Geräten und Anwendungen noch Berührungsängste – insbesondere, wenn sie viel Vertrauen erfordern wie etwa beim Einsatz von Assistenzrobotern oder selbstfahrenden Autos. Gegenüber digitalen Sprachassistenten zeigen sich die Befragten etwas offener. 14 bis 29-Jährige sind insgesamt deutlich aufgeschlossener für die Nutzung intelligenter Geräte als ältere Generationen.

Es gibt starke Unterschiede, wie sich die Geräte nach Meinung der Befragten verhalten sollen: Beim Einsatz von Pflegerobotern ist ein empathisches, fürsorgliches und beschützendes Verhalten erwünscht. Bei anderen Geräten, wie etwa Sprachassistenten oder Robotern im Job, herrscht größere Uneinigkeit, ob die Maschinen sich eher selbständig / mitdenkend oder gehorsam / assistierend verhalten sollen.

„Die Verbreitung intelligenter Geräte stellt unsere Gemeinschaft vor ganz neue Fragen. Die Studie zeigt, dass sich die Menschen noch uneins beim Umgang mit diesen Fragen sind. Daher ist es notwendig, dass wir eine gesellschaftliche Debatte über ethische Leitplanken für die zunehmend digitalisierte Welt führen und moralische Fragen gemeinsam beantworten“, so Hannes Schwaderer.

Zur Digitalisierung gehören auch flexible Arbeitszeiten

72 % der Befragten betrachten flexible Arbeitszeiten als Teil einer modernen Arbeitswelt. Allerdings arbeitet trotz zunehmender Verbreitung digitaler, tragbarer Arbeitsmittel nur ein Sechstel der Berufstätigen in Deutschland (zumindest teilweise) mobil von unterwegs oder flexibel von zu Hause aus. Gleichzeitig erhält ein Viertel der Berufstätigen ohne Homeoffice oder Telearbeit generell nicht die Voraussetzungen dafür vom Arbeitgeber. Potenziale für flexible Arbeit, moderne Arbeitsstrukturen oder die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben werden dadurch nicht ausgeschöpft. Auch hier zeigt sich eine Spaltung in der Gesellschaft: Am häufigsten bekommen die 30 bis 49-Jährigen vom Arbeitgeber entsprechende Geräte und technische Zugänge gestellt – Männer profitieren davon zwei- bis dreimal so häufig wie Frauen.


Über den D21-Digital-Index

Der D21-Digital-Index ist eine Studie der Initiative D21, durchgeführt von Kantar TNS. Sie erfasst die deutsche Wohnbevölkerung ab 14 Jahren. Mittels persönlich-mündlicher Befragung wurden 20 424 Interviews in Deutschland durchgeführt. Die Studie liefert seit 2013 jährlich ein umfassendes Lagebild zur Digitalen Gesellschaft in Deutschland.

Das Studienprojekt ist gemeinschaftlich finanziert über eine Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie durch Sponsoring.

Premiumpartner sind:

Allianz Deutschland AG

Fujitsu Technology Solutions GmbH

Google Germany GmbH

Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM)

PwC Strategy& (Germany) GmbH

Partner sind:

CHG-MERIDIAN AG

Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Deutsche Telekom AG

Ericsson GmbH.

Unterstützer sind:

Bertelsmann Stiftung

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V.

Capgemini Deutschland

Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V.

Ricoh Deutschland GmbH

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