BVMed-Umfrage: Medtech-Branche sorgt sich um Standort Deutschland

BVMed-Herbstumfrage

MDR hemmt Medtech-Standort Deutschland

20171018_BVMed_Herbstumfrage_2017.jpg
Ergebnisse der BVMed-Herbstumfrage zum aktuellen Stand der Medizinprodukteindustrie: Die Unternehmen sind mit der Auslandsnachfrage zufrieden, die Inlandsentwicklung jedoch schwächelt Bild: BVMed/dpa-Infografik
Anzeige
Die Medizintechnik-Branche sorgt sich zunehmend um den Standort Deutschland. Das erwartete Umsatzwachstum der Unternehmen liegt im Inland nach den Ergebnissen der BVMed-Herbstumfrage 2017 nur noch bei 2,8 % und damit deutlich unter den Vorjahreswerten.

Trotz der angespannten Situation im Inland investieren die Unternehmen verstärkt in ihre deutschen Produktionsstandorte. 26 % der befragten BVMed-Unternehmen erhöhen ihre Investitionen, 50 % halten das Investitionsniveau. Ähnlich ist die Situation bei den Forschungsausgaben. 29 % der befragten BVMed-Unternehmen erhöhen ihre Forschungsausgaben gegenüber dem Vorjahr, 45 % halten das Niveau. Derzeit investiert die Branche 9 % ihrer Umsätze in Forschung und Entwicklung.

MDR ist größtes Hemmnis für den Fortschritt

Als größtes Hemmnis für die künftige Entwicklung der Medizintechnologie-Branche sehen die Unternehmen die neue EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) an, die überaus kritisch beurteilt wird. 65 % der Medtech-Unternehmen bezeichnen die zusätzlichen Anforderungen durch die MDR als größtes Hemmnis. 63 % nennen die Pflicht zu umfassenden klinischen Daten durch die MDR als Hürde. Kritisch werden zudem die längeren Zulassungszeiten durch Ressourcendefizite bei den Benannten Stellen gesehen.

Als Folge der MDR-Implementierung befürchten 68 % der Unternehmen, dass Produkte aus ökonomischen Gründen vom Markt genommen oder nicht auf den Markt gebracht werden. Knapp zwei Drittel der Unternehmen erwarten, dass die Kosten und damit auch die Preise der Medizinprodukte durch die MDR-Folgen steigen werden. Der Druck werde dabei insbesondere auf kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) steigen, sagen 56 % der Befragten. Knapp die Hälfte der Unternehmen (47 %) erwartet, dass durch die MDR-Folgen künftig die Patientenversorgung leiden wird.

Als größte Hemmnisse der aktuellen nationalen Rahmenbedingungen werden von den Medtech-Unternehmen der Preisdruck durch Einkaufsgemeinschaften (62 %) sowie innovationsfeindliche Einstellungen von Krankenkassen (50 %) bezeichnet.

Gesundheitspolitische Forderungen der Unternehmen

Bei den gesundheitspolitischen Forderungen wünschen sich die Medtech-Unternehmen vor allem eine „Fortschrittsbeschleunigung“. 49 % fordern eine Verkürzung der Dauer der Bewertungsverfahren, 42 % eine aktive Beteiligung der Industrie an G-BA-Prozessen.

Im Hilfsmittelbereich sprechen sich die Unternehmen für Verhandlungsverträge statt Open-House-Verträge oder Ausschreibungen aus. Die Verbandmittel-Unternehmen fordern zudem geschlossen eine Verbesserung der Versorgung chronischer Wunden.

Jobmotor Medizintechnik stottert

Aufgrund der schwierig werdenden Rahmenbedingungen gerät der Jobmotor Medizintechnik in Deutschland ins Stottern. Nur noch 44 % der Unternehmen schaffen in diesem Jahr zusätzliche Jobs (Vorjahr: 66 %), 12 % müssen sogar Arbeitsplätze abbauen.

Die Berufsaussichten für Fachkräfte in der Medtech-Branche sind dabei nach wie vor glänzend. 91 % der Unternehmen halten die Berufsaussichten für unverändert gut oder besser. Gesucht werden vor allem Ingenieure (38 %), Medizintechniker (32 %) und Wirtschaftswissenschaftler (24 %).

88 % der Unternehmen geben an, offene Stellen zu haben. Das ist gegenüber dem Vorjahr (85 %) nochmals eine Steigerung. An der Spitze der offenen Stellen stehen Vertriebsmitarbeiter (61 %), gefolgt von Marketing und Kommunikation (36 %), Key Account Management (28 %), Regulatory Affairs (22 %) sowie Produktion (21 %). 76 % der Unternehmen haben dabei Probleme, die offenen Stellen zu besetzen (Vorjahr: 80 %). Das betrifft vor allem den Vertrieb (38 %), Regulatory Affairs (17 %), das Key Account Management (15 %), Führungskräfte im gehobenen Management sowie Marketing und Kommunikation (jeweils 14 %).

Digitalisierung noch kein großes Thema

Nur 39 % der Medtech-Unternehmen sehen sich derzeit von der Digitalisierung betroffen. Große Veränderungen erwarten sie durch elektronische Beschaffungsmaßnahmen, medizinische Apps und elektronische Rechnungen.

Zu den ausführlichen Ergebnisse der BVMed-Herbstumfrage sowie alle Vorträge und Materialien des BVMed-Medienseminars:
www.bvmed.de/medienseminar-2017


Mehr zum Thema Medical Device Regulation
Anzeige

Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Unsere Dosis Wissensvorsprung für Sie. Jetzt kostenlos abonnieren!

Produkttester werden!

Sie möchten Differenzdrucksensoren testen. Jetzt bewerben!

medicine&technology

Die englische Ausgabe, hier als PDF.

Erscheint zwei Mal im Jahr mit europaweiter Verbreitung.

Aktuelles Titelthema: Biologische Transformation

Warum es sich in der Medizintechnik lohnt, gewohnte Ideen hinter sich zu lassen und Neues auszuprobieren

Alle Webinare & Webcasts

Hier finden sie alle Webinare unserer Industrieseiten

Whitepaper

Hier finden Sie aktuelle Whitepaper

Kalender

Aktuelle Termine für die Medizintechnik-Branche

Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de