Workshop Einschnitte - Einblicke: Medizin für Ingenieure Neue Instrumente für alte Knochen entwickeln - medizin&technik - Ingenieurwissen für die Medizintechnik

Workshop Einschnitte - Einblicke: Medizin für Ingenieure

Neue Instrumente für alte Knochen entwickeln

Workshop_„Einschnitte_–_Einblicke:_Medizintechniker_und_Ärzte_im_Dialog“_am_Institut_für_Klinische_Anatomie_und_Zellanalytik_an_der_Universität_Tübingen,_Tübingen,_06.02.2019__Foto:_Michael_Latz
Die Workshop-Reihe „Einschnitte – Einblicke greift unterschiedlichste Themen auf. Dieses Mal standen Extremitäten und der Bewegungsapparat im Fokus des Workshops Bild: Michael Latz/BioRegio STERN
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Die Workshop-Reihe „Einschnitte – Einblicke“ wurde im Februar mit dem Thema „Extremitäten, Bewegungsapparat“ fortgesetzt. In Live-OP-Übertragungen sowie praktischen Übungen erhielten Medizintechniker die Gelegenheit, mit Ärzten zu diskutieren und gemeinsam neue Ideen für Instrumente und Verfahren zu entwickeln.

Beim fünften Workshop stand das Thema „Extremitäten, Bewegungsapparat“ auf der Agenda. Dabei widmeten sich die teilnehmenden Ärzte unter anderem der Herausforderung, Gelenk- und Knochendefekte bei älteren Menschen zu operieren. An den OP-Tischen im Institut für Klinische Anatomie und Zellanalytik waren mehrere typische Fälle aus der Praxis vorbereitet: Arthrose im Knie, Riss des Handgelenkbandes (SL-Band) sowie Endoprothesen (Implantat) für das Knie. Während die Chirurgen aus den verschiedenen Fachrichtungen am OP-Tisch die Eingriffe – und die damit verbundenen Schwierigkeiten – vorführten, diskutierten die Ärztlichen Direktoren live mit den Teilnehmern vor Ort sowie mit den via Live-Stream Zugeschalteten.

Individualisierung und Miniaturisierung sind gefragt

Beispielsweise demonstrierten die Chirurgen live, wie – im Falle einer Knie-Arthrose durch Fehlstellung der Gelenkwinkel oder durch eine übermäßige Belastung der Gelenke – die Achse im Knie verändert werden kann, um den Knorpel zu entlasten. Dabei bestand unter anderem Konsens in der Teilnehmer-Runde, dass einerseits die verwendeten Instrumente, die teilweise schon vor Jahrzehnten entwickelt wurden, gut etabliert und funktional sind, andererseits aber die individuelle Anpassung von Knochenhebeln und Platten an den Patienten höchst wünschenswert wäre. Zudem zeigte die Behandlung einer Läsion des SL-Bandes im Handgelenk die Notwendigkeit der Miniaturisierung und Flexibilisierung von Instrumenten. Die Chirurgen müssen sich bei der Arthroskopie mit Instrumenten und Kamera in einem winzigen, sehr unübersichtlichen Bereich der Hand orientieren. Intensives Training der Operateure mit den Instrumenten ist daher wichtig.

Breitere Instrument-Auflagefläche schützt poröse Knochen

Als besondere Herausforderung gilt das Alter der Patienten: Je älter ein Patient ist, desto dünner ist die Haut, die sich nach einer Operation entsprechend schwer über der Wunde vernähen lässt. Bei der Osteosynthese, also dem Zusammenfügen der Knochen beispielsweise nach einer Sprunggelenksverletzung, erweisen sich die Knochen hoch betagter Patienten häufig als morsch und brüchig. Zangen anzusetzen oder Schrauben und Platten zu fixieren, gelingt dann nicht immer zufriedenstellend. Instrumente, die für junge und gesunde Knochen entwickelt wurden, sollten daher beispielsweise mit breiteren Auflageflächen produziert werden, damit der punktuelle Druck nicht zu hoch wird.

Grenzen der Technik mit Prävention vorbeugen

Neben solchen Anforderungen an die Medizintechnik-Entwickler, zeigten die Ärzte in der Diskussion auch die Grenzen der Technik auf: Letztlich müssen Lösungen gefunden werden, um die Gelenke und Knochen vor den Auswirkungen von Arthrose und Osteoporose bereits im Vorfeld zu schützen, damit sie operabel bleiben. Dies gilt auch für Endoprothesen in Knie oder Hüfte, die sich im Laufe der Jahre im Körper weniger abnutzen als sich lockern, weil die Knochen nicht mehr ausreichend Halt bieten.

Internationale Ausgabe der Workshop-Reihe geplant

Die Bioregio Stern Management GmbH veranstaltete diesen Workshop gemeinsam mit dem Institut für Klinische Anatomie und Zellanalytik in Kooperation mit dem Interuniversitären Zentrum für Medizinische Technologien Stuttgart – Tübingen (IZST) und dem Verein zur Förderung der Biotechnologie und Medizintechnik e. V. „Extremitäten, Bewegungsapparat“ war bereits die fünfte Veranstaltung der Workshop-Reihe, die inzwischen für viele Medizintechnikunternehmen aus der Region zum Pflichttermin geworden ist. Neben den regulären Workshopterminen soll im September zudem im Rahmen des EU-Förderprojektes S3martMed eine internationale Ausgabe des Formats veranstaltet werden.

Die nächsten Workshop-Termine von Einschnitte – Einblicke:
Intelligente Dauerimplantate: 3. Juli 2019
S3martMed: Einschnitte – Einblicke International: 19. September 2019
Endoskopie, Robotik in Diagnostik, Chirurgie: 5. Februar 2020
Rumpf, Wirbelsäule, Spinales Segment: 1. Juli 2020

www.bioregio-stern.de/de/projekte/einschnitte-einblicke

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