Startseite » Technik » Forschung »

Herz: selbstauflösende Schrittmacherdrähte aus Molybdän

Werkstoffe für Medizinprodukte
Selbstauflösende Molybdän-Drähte für Herzschrittmacher

20221114_Selbstaufloesend_Schrittmacherdraehte_Fraunhofer_ab.jpg
Schrittmachersonden aus Molybdän: Die Demonstratoren tragen Einzel- (a,b) und Doppelbeschichtungen (c) mit diversen Biopolymeren (Bild: Fraunhofer IFAM Dresden)
Nach einer Operation am Herz treten häufig Herzrhythmusstörungen auf, die mit Schrittmachersonden behandelt werden. Klassische Werkstoffe bergen Risiken. Selbstauflösende Schrittmacherdrähte aus Molybdän sollen diese reduzieren.

Häufig treten nach herzchirurgischen Operationen Herzrhythmusstörungen auf. Diese werden klassisch mit externen Schrittmachern und vorübergehend auf der Herzoberfläche aufgenähten (epikardialen) Schrittmachersonden behandelt. Das birgt per se mehrere Gefahren: Durch das manuelle Herausziehen von modernen Edelstahl-Sonden können Komplikationen auftreten, da die Leitungen mitunter mit dem umliegenden Gewebe verwachsen. Werden die Sonden gekappt und bleiben im Körper, kommt es ebenfalls zu Infektionsrisiken. Auch können die Reste im Körper wandern, was weitere Operationen erforderlich machen kann.

Selbstauflösende Schrittmachersonden: Molybdän fürs Herz

Im Projekt „Resorbable Molybdenum Temporary Cardiac Electrodes“, kurz „Remote Care“ verfolgen die Forschenden deshalb ein völlig neues Konzept. Sie arbeiten an bioresorbierbaren Schrittmachersonden. Diese verbleiben im Körper und lösen sich innerhalb einer bestimmten Zeit auf. Solche Lösunge sollen künftig die herkömmlichen Sonden ersetzen. Das Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Digitale Gesundheit in Dresden fördert das Projekt.

Als Basis dient das Metall Molybdän, das mehrere Vorteile mit sich bringt. „Molybdän degradiert gleichmäßig im Körper, es ist biokompatibel und hat eine hohe mechanische Festigkeit und elektrische Leitfähigkeit“, sagt Dr. Georg Pöhle. Er ist Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Dresden. Um das umgebende Gewebe elektrisch zu isolieren, beschichten die Forscher das Molybdän mit sich ebenfalls zersetzenden Biopolymeren.

Komplikationen nach Herz-Operation vermeiden

Die Experten am Fraunhofer IFAM untersuchen und optimieren die verwendeten Materialien hinsichtlich ihrer mechanischen, elektrischen und Degradationseigenschaften. Hier entstehen die Demonstratoren: Litzen aus feinen Metalldrähten, die mit den Biopolymeren beschichtet werden. Geplant ist, sie noch in diesem Jahr in präklinischen Studien an der medizinischen Fakultät der TU Dresden zu erproben.

Ziel ist es, die Komplikationen, die bislang mit epikardialen Herzdrähten verbunden sind, zu vermeiden. Damit erfahren nicht nur Patienten eine große Erleichterung, sondern auch Gesundheitspersonal und Gesundheitssystem könnten erheblich entlastet werden.

www.ifam.fraunhofer.de

Aktuelle Ausgabe
Titelbild medizin technik 6
Ausgabe
6.2022
LESEN
ABO
Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Titelthema: 3D-Druck in der Medizintechnik

Das Design für den 3D-Druck erstellt künftig die KI

Alle Webinare & Webcasts

Webinare aller unserer Industrieseiten

Aktuelles Webinar

Multiphysik-Simulation

Medizintechnik: Multiphysik-Simulation

Whitepaper

Whitepaper aller unserer Industrieseiten

Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de