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Was Wearables für die Medizin zu bieten haben

Tragbare Elektronik im Gesundheitsbereich
Was mit Wearables alles geht

Wearables Medizin
Eine Spielart der Wearables ist eine Box, die den Gang analysiert und am Schuh getragen werden kann Bild: Messe Düsseldorf
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Tragbare Elektronik | Einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen bei Wearables, die in der Medizin eingesetzt werden können, bietet die Messe Medica in Halle 15. Ausstellung, Vorträge und die Präsentation von Start-ups bilden den Rahmen dafür.

Dr. Lutz Retzlaff
Medizinjournalist in Neuss

Wearables: das sind nicht nur „Gadgets“, die im privaten Bereich die Gesundheit fördern sollen. Sie werden seit einigen Jahren auch im medizinischen Kontext eingesetzt und sind Teil der digitalen Revolution. Was man darunter versteht, ist eine Frage der Definition: „Für uns ist jede elektronische Komponente, die am Körper, in Körpernähe oder im Körper getragen wird, ein Wearable-Produkt“, konstatiert Christian Stammel, Gründer und CEO der WT Wearable Technologies AG, Herrsching. Demnach gehörten auch Herzschrittmacher und Hörgeräte sowie smarte Implantate zur Familie der Wearables dazu. Und Stammel kommt zu dem Schluss, dass „Wearables einer der wesentlichen Enabler für die Digitalisierung im Gesundheitswesen“ sind.

In allen Phasen der medizinischen Versorgung von der Prävention über die stationäre und ambulante Behandlung bis hin zur Reha beeinflussen solche Wearables im weiteren Sinn bereits heute Behandlungsmethoden und eröffnen neue Wege in der Diagnose, dem Monitoring und der Medikation. Die Palette reicht vom intelligenten Pflaster, das den Blutzuckerspiegel misst, wie es Abbott bereits umsetzt, über Patches, die Medikamente in der individuell benötigten Menge verabreichen, bis hin zu intelligenten Pillen, die die korrekte Medikation überwachen können. Mit einem Sensor in Tablettenform von Proteus Medical können Ärzte verfolgen, wann Patienten ihre Arzneimittel nehmen.

Ein weiteres Beispiel für Wearables ist ein Trainingshandschuh für Schlaganfallpatienten der schwedischen Bioservo Technologies AB, den das Unternehmen im Rahmen der Wearable Technologies Show vorstellt. Dieser verstärkt über Bewegungssensorik und robotische Unterstützung die Bewegungsimpulse, die der Patient selbst setzt. Durch regelmäßige Anwendung soll sich nicht nur die Wahrnehmung von Berührungsreizen verbessern, sondern auch die Willkürmotorik.

Wearables: für Sonderfälle und für Volkskrankheiten

Zentral für chronische und akute Krankheiten ist das Monitoring von Vitaldaten. Das Start-up Biovotion AG aus Zürich beispielsweise hat eine Arm-Manschette im Programm, die kontinuierlich medizinisch relevante Daten erfasst und über eine Cloud-Lösung behandelnden Ärzten zur Verfügung stellt. Darüber hinaus gibt es Wearables, deren Anwendung auf bestimmte Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, Asthma, Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes ausgerichtet ist, oder die neue Möglichkeiten für das Monitoring von Neugeborenen und Schwangeren schaffen.

„Der Markt für Wearables wächst rasant“, sagt Stammel. „Bereits im vergangenen Jahr wurden mehr als 150 Millionen Wearable-Produkte weltweit verkauft.“ Im Jahr 2020 werde sich dieser Markt mehr als verdoppeln. Erste Prognosen gingen von 400 Millionen Wearables aus, die 2020 abgesetzt werden sollen. Gut 50 % davon entfielen auf medizinische Lösungen. Insbesondere der Markt für intelligente Pflaster (Smart Patches) dürfte weltweit einen sehr hohen Anteil erreichen. Einen Einblick in dieses Thema gibt Gerd Bueschel, OEM Manager der Covestro AG, Leverkusen, im Rahmen des Medica Connected Healthcare Forum am 14. November 2017 in Halle 15.

Die fortschreitende Miniaturisierung werde zu immer kleineren und für den Patienten angenehmeren medizinischen Monitoring-Lösungen führen. „Medizinische Wearables werden zunehmend als intelligente Pflaster entwickelt und werden es dem Patienten ermöglichen, Langzeit-Monitorings oder auch die Medikation nahezu unsichtbar für den Außenstehenden anzuwenden“, gibt Christian Stammel einen Ausblick.

Neben den vielversprechenden Perspektiven stellen Wearabels aber auch mannigfaltige Anforderungen. Dazu zählen die medizinische Zulassung, Schnittstellen und Dateninteroperabilität sowie der Datenschutz. „Weltweit sind die medizinischen Regulierungsbehörden mit diesem Thema stark gefordert und passen sich auch sukzessive den neuen Herausforderungen an“, sagt Stammel.

Obwohl es für den stationären Bereich zahlreiche Innovationen aus dem Wearables-Umfeld gebe – für die Überwachung des Wundliegens über Patch-Sensorik bis hin zum Monitoring von Vitaldaten –, würden Wearables im Krankenhaus aber erst einmal eine eher untergeordnete Rolle spielen: „Auf Grund der vorhandenen medizinischen Infrastruktur werden sie hier langsamer Einzug halten.“ Die Einsatzbereiche lägen eher in der ambulanten Nachversorgung.

Bei der Digitalisierung der Medizin wie auch den Wearables spielen kreative Start-ups eine wichtige Rolle. Ihnen wird im Rahmen der Medica 2017 erstmalig eine eigene Bühne geboten: In Halle 15 werden sich bis zu 40 Start-ups auf einer Gesamtfläche von 500 m² präsentieren.


Weitere Informationen

Das internationale Medica Connected Healthcare Forum in Halle 15 bietet mit seinem ganztägigen Programm Einblicke in eine große Bandbreite digitaler Entwicklungen, die das Gesundheitswesen stark verändern werden.

Wearables werden nicht nur ein Bestandteil des Internets der Dinge (Internet of Things, IoT) sein, sondern auch und insbesondere der medizinischen Versorgung generell. Bei der Wearable Technologies Show (ebenfalls in Halle 15) werden neben marktreifen Produkten auch Prototypen und Forschungsprojekte präsentiert.

www.medica.de/mchf1


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