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Fördermittel für Medizintechnik-Projekte

Produktentwicklung Medizintechnik
Fördermittel fürs nächste Projekt: Gute Aussichten für Medizintechnik

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Bevor es losgeht, lohnt sich der Check: Wo gibt es Möglichkeiten, für das geplante Entwicklungsprojekt Fördermittel zu beantragen? (Bild: Looker_Studio/stock.adobe.com)
Erbe Elektromedizin aus Tübingen stemmt kleine Projekte in der Entwicklung selbst. Die größeren, die die Zukunft des Unternehmens bestimmen können, laufen oft mit Unterstützung aus Fördermaßnahmen. Um die richtigen Töpfe für das jeweilige Vorhaben zu finden, steuern spezialisierte Berater aus Lahr ihr Wissen bei.

Jens Gieseler
Fachjournalist in Tübingen

Für den Chirurgen ist es schwierig zu entscheiden, wieviel Gewebe rund um den Tumor bleiben kann, um zum Beispiel eine Brust möglichst zu erhalten. Ein Therapieassistenzsystem, das in ein Instrument für die Hochfrequenz-Chirurgie integriert ist, soll in dieser Situation unterstützen. Entwickelt wird es bei der Tübinger Erbe Elektromedizin GmbH. Das bildgebende „Assist-Bet“-System ermöglicht bei der OP eine spektroskopische Differenzierung zwischen krankem und gesundem Gewebe und soll ähnlich genau sein wie die Analyse des Pathologen.

„Jetzt haben wir Power“ – 1,2 Milllionen Euro Fördermittel

Um so ein Produkt bis zur Zulassung zu entwickeln, vergeht allerdings viel Zeit – was für das Unternehmen mit Risiken verbunden ist. Im beschriebenen Fall ist zum Beispiel eine Machbarkeitsstudie am Menschen erforderlich, was die Neuerung besonders teuer macht. Allein in der Forschung müssen drei bis fünf Teammitglieder mindestens ein Jahr Arbeit investieren, schätzt PhD Sascha Dammeier, Projektmanager in der Forschung und Grundlagentechnologie bei Erbe. Hinzu kommen weitere zwei Jahre in der Entwicklung mit etwa elf Mitarbeitern. Keine Kleinigkeit. „Aber jetzt haben wir richtig Power“, freut sich der promovierte Biochemiker: Über das Investitionsprogramm des Landes Baden-Württemberg, kurz Invest-BW, erhielt das Unternehmen knapp 1,2 Mio. Euro für das Projekt.

Um solche Mittel zu bekommen, ist es wichtig zu wissen, welche Fördermittel es gibt und welche Voraussetzungen man dafür erfüllen muss. Die auf Fördermittel spezialisierte Agentur Partner für Innovation und Förderung, die Pfif GmbH & Co. KG in Lahr, hat auf diesem Gebiet mit den Tübingern eng zusammengearbeitet. Seit knapp zehn Jahren treffen sich Mitarbeiter beider Mittelständler regelmäßig. Beinahe sieben Jahre ist zum Beispiel Dr. Paul Freyberg bei Pfif an Bord, Dammeier auf Seiten von Erbe seit vier Jahren.

Fördermittel für Zukunftsprojekte sichern

Beim monatlichen Austausch berichtet der Tübinger Projektmanager dann, welche neuen Ideen aktuell in der Forschungszentrale verfolgt werden. Pro Jahr kommen zehn bis zwölf neue Projekte zusammen. Das sind zum Teil kleine, die das Unternehmen selbst stemmen kann. Aber es gibt auch so genannte Z-Projekte, die die Zukunft des Unternehmens sichern sollen und meist einen größeren Umfang haben.

Dann ist der Berater gefragt: Er hat die Fördertöpfe von Land, Bund und EU im Hinterkopf und kann einschätzen, welche neuen Projekte zu welcher Maßnahme passen könnten – oder wie ein Projekt eventuell optimiert werden kann, damit es besser zu den Förderkriterien passt.

Der promovierte Physiker hat sich in die Spezialthemen eingearbeitet: Bei Fragen zu Elektrochirurgie, Plasmaskalpellen, Thermofusion oder Hydro- und Kryochirurgie ist er für die Tübinger ein Ansprechpartner auf Augenhöhe geworden. Dabei geht es um neue Verfahren und Produkte oder erhebliche Verbesserungen an bestehenden. Es geht um deren Nutzen sowie Marktchancen und selbstverständlich um Arbeitsplätze. Er muss genau wissen, was die Vorteile sind, denn er sagt über seine Aufgabe: „Letztlich übersetze ich innovative Ideen für die Gutachter der Förderprogramme.“

Mit einer Erfolgsquote von über 50 % sind wir gut bedient

Erbe-Projektmanager Dammeier wiederum weiß, dass Förderanträge perfekt sein müssen – obwohl inzwischen auch das keine Erfolgsgarantie mehr ist. So hat das Bundesgesundheitsministerium kürzlich einen Antrag der Tübinger nicht bewilligt. Inhaltlich stimmte alles, wie der Projektmanager telefonisch erfuhr, Erbe war sogar in der Spitzengruppe. Allerdings beteiligen sich immer mehr Verbünde an den Ausschreibungen, und damit sinken rein statistisch die Erfolgschancen. „Mit mehr als 50 Prozent erfolgreichen Anträgen sind wir sehr gut bedient“, lautet Dammeiers Einschätzung.

Fördermittel für Projekte mit großem Entwicklungspotenzial

Jede Ablehnung ist ärgerlich, nicht nur wegen der investierten Zeit. Ohne die Fördergelder könnte Erbe die ein oder andere Innovation finanziell nicht stemmen. Denn selbst wenn das Unternehmen Unterstützung für das Therapieassistenzsystem in Assist-Bet erhält, deckt eine Förderung – je nach Programm – lediglich zwischen 30 und 50 % des Gesamtvolumens ab. „Vor allem bei Entwicklungsideen, die nicht unmittelbar unsere Kerntechnologie betreffen, wären wir ohne Fördermittel zurückhaltender“, sagt Dammeier. Doch genau dort liegt für das Unternehmen das größte Entwicklungspotenzial.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich zusätzlich Kompetenz zu einem Projekt hinzu zu holen. Die Berater von Pfif unterstützen das, denn sie haben ein Netzwerk von Mittelständlern aufgebaut, die die Bezeichnung Hidden Champion verdienen. Manchmal gibt es in Europa nur zwei oder drei Unternehmen, die beispielsweise besondere optische Komponenten produzieren, die für den Einsatz in der Medizintechnik nochmals abgewandelt werden müssen. So reifen Ideen oft im Verbund mit anderen, etwa einem KMU, das eine besondere Technik liefert, einem Uni-Institut, das Spitzenforschung betreibt, oder einer Klinik, die Praxiserfahrungen beisteuert. „Dann haben wir die notwendige kritische Kompetenz“, sagt Dammeier.

Für Medizintechnik hält das BMBF viele Fördermittel bereit

Mit der Medizintechnik haben die Lahrer seit der Unternehmensgründung 1998 zu tun gehabt. Derzeit kommt etwa ein Sechstel der Auftraggeber aus dieser Branche. Für diese stehen nicht nur KMU-Förderinstrumente zur Verfügung, es läuft auch viel über konkrete Bekanntmachungen, die meist vom Bundesforschungsministerium (BMBF) kommen. Dabei geht es um eine Menge Geld. Freyberg sagt: „Das Budget des BMBF für Medizintechnik entspricht etwa einer Milliarde Euro, soviel wie alle anderen Forschungsgebiete zusammen.“

Aktuelle Möglichkeiten stellt Pfif auch auf der eigenen Homepage vor: zum Beispiel eine Ausschreibung, die Mittel für Projekte zur KI für die Gesundheitsversorgung bereitstellt – derzeit eines der Themen, für die es viele Förderangebote gibt, wie Freyberg berichtet. Ob ein Unternehmen Chancen hätte, einen Antrag zu einer Fördermaßnahme bewilligt zu bekommen, loten die Lahrer Experten schnell aus. „In der Regel können wir in einem ersten Telefongespräch in weniger als einer halben Stunde klären, ob ein bestimmtes Projekt passt oder an anderer Stelle Aussichten bestehen“, sagt Freyberg. Die Erfolgschancen sind auch für die Pfif-Mitarbeiter ein wichtiges Kriterium: Denn ein Honorar bekommen sie nur, wenn der Antrag durchgeht. Das gelingt allerdings oft. Für BMBF-Bekanntmachungen erreicht Pfif nach eigenen Angaben eine Erfolgsquote von 60 bis 70 % und liegt damit weit über dem Durchschnitt, denn etwa 90 % aller gestellten Anträge werden abgelehnt.


Weitere Informationen

Pfif – Partner für Innovation & Förderung ist ein vom Bundeswirtschaftsministerium BMWi im Förderprogramm „Go-Inno“ autorisiertes Beratungsunternehmen. Hierdurch kann die Beratung von Unternehmen bis 100 Mitarbeitern mit einem Zuschuss gefördert werden.

www.pfif.net


Kontakt zu den Beratern:

Pfif – Partner für Innovation & Förderung GmbH & Co. KG
Europastraße 21
77933 Lahr/Schwarzwald
Tel.: 07821 92389–18

E-Mail: p.freyberg@pfif.net

Internet: www.pfif.net

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