In-Klinik-Workshops

Direkten Austausch zwischen Arzt und Ingenieur verbessern

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Dr. Thorsten Prinz ist Senior Manager Medical Software beim VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. in Frankfurt. Er hat die In-Klinik-Workshops ins Leben gerufen Bild: VDE
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Einblicke in den Krankenhaus-Alltag bieten die In-Klinik-Workshops, die der VDE zusammen mit Medizinern anbietet. Dr. Thorsten Prinz erläutert, warum es für Ingenieure in der Medizintechnik wichtig ist, das Arbeitsumfeld der Anwender aus eigener Anschauung kennenzulernen – und was das für die Produktentwicklung bedeutet.

Dr. Birgit Oppermann
birgit.oppermann@konradin.de

Herr Dr. Prinz, wie kam es zu der Idee, bei In-Klinik-Workshops Ärzte und Ingenieure in Kontakt zu bringen?

Die Idee entstand bei Diskussionen im VDE darüber, wie man zu guten Medizinprodukten kommt, die zugleich sicher sind und ihren medizinischen Zweck erfüllen. Es war schnell klar, dass die Gebrauchstauglichkeit der Medizinprodukte hier eine entscheidende Rolle spielt und dazu unbedingt Fachleuten aus der Ärzteschaft eingebunden werden müssen. Nur professionelle Anwender wissen im Detail, wie ein Produkt beschaffen sein muss, damit sie es im Alltag gut nutzen können. Über diesen Alltag in der Klinik wissen die Entwickler aber in der Regel zu wenig – und das wollen wir mit den In-Klinik-Workshops ändern.

Warum ist das medizinische Wissen so wichtig?

Es ist eine Sache zu wissen, dass man ein Medizinprodukt entwickelt, das Leben retten helfen soll. Aber es ist ein viel nachhaltigerer Eindruck, auch mal eine Notaufnahme gesehen zu haben, in der gerade ein Schwerverletzer eingeliefert wird, wo Enge und Hektik herrschen und die Behandlungsschritte nach einem festen Plan ablaufen müssen. Dann versteht man viel besser, warum die dort arbeitenden Ärzte vielleicht lieber ein robustes, wenn auch veraltetes Gerät benutzen wollen als die Nachfolgegeneration mit einem schicken Touchscreen, in dessen Bedienung sie sich erst einarbeiten müssten.

Wie gut kennen sich die Ingenieure üblicherweise mit medizinischen Arbeitsweisen aus?

Da gibt es große Unterschiede, und wir haben in den bisherigen Workshops schon einige Aha-Erlebnisse gesehen. Solides medizinisches Basiswissen für das jeweilige Fachgebiet, in dem die eigenen Produkte eingesetzt werden, ist meist vorhanden. Wenn es um den Kontext geht, mit welchen anderen Geräten zusammen die Produkte eingesetzt werden, worauf es den Ärzten dabei ankommt oder welche Abteilungen zusammenarbeiten und Daten brauchen, wird es meist schon dünner. Genau da setzen wir mit den Workshops an, stellen direkten Kontakt her und ermöglichen Einblicke in die Krankenhaus-Realität. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen, in denen es zum Thema Usability in der Regel keine eigene Abteilung gibt, ist dieser direkte Draht wichtig.

Wie gut wird das Wissen um den medizinischen Alltag im Studium der Ingenieure abgedeckt?

Ich kenne natürlich nicht jedes Curriculum für die vielen relevanten Studiengänge, aber ich meine, es wäre gut, wenn man diesen Aspekt auch in der Studienphase schon stärker berücksichtigen würde. Dann würde vielleicht auch manch ein Hinweis, den der Außendienstler nach dem Gespräch mit einem Anwender mitbringt, besser verstanden und beachtet, statt im Alltagsgeschäft unterzugehen.

Wie schwierig war es, Mediziner und Kliniken von dem Workshop-Konzept zu überzeugen?

Wir haben gezielt Mediziner angesprochen, die mit einzelnen Vorträgen zu Fragen der Gebrauchstauglichkeit schon den Kontakt mit Ingenieuren gesucht hatten, und konnten sie für unsere Idee der Workshops begeistern. Eines darf man dabei nicht vergessen: auch die Mediziner lernen ja von den Ingenieuren. Wir versuchen natürlich, den Ablauf in der Klinik möglichst gar nicht zu stören, der VDE übernimmt die Vorbereitung und Organisation – Kapazitäten für diese Dinge sind in einer Klinik üblicherweise nicht vorgesehen. Und es ist von Vorteil, wenn wir als gemeinnütziger Verband mit so einem Vorschlag an ein Krankenhaus herantreten. Sobald das ein kommerzieller Anbieter tut, spielen sofort Überlegungen zur Compliance eine wichtige Rolle.

Seit wann gibt es die In-Klinik-Workshops, und wie oft im Jahr bieten Sie solche Workshops an?

Wir haben vor etwa drei Jahren damit begonnen und bieten derzeit Termine in Frankfurt und Bochum zu den beiden Themen Notfallmedizin und Neurochirurgie an, in diesem Jahr beide im Herbst, und zwar im September und im November.

Wie viele Teilnehmer können sich für einen Workshop anmelden?

Wir haben die Zahl der Teilnehmer auf zwölf pro Workshop begrenzt. Diese hören die Vorträge gemeinsam und teilen sich dann in zwei Gruppen auf, um die verschiedenen Stationen in der Klinik zu besuchen. Die Versorgung der Patienten hat aber immer die höchste Priorität! Im Falle eines Notfalls müssen sich die Teilnehmer auch mal flach an die Wand drücken, wenn sie dem medizinischen Personal nicht im Weg stehen wollen.

Gehören auch Studierende zu Ihrer Zielgruppe?

Wir bieten die Workshops als Service für unsere Mitglieder zu besonders günstigen Bedingungen an. Studierende können sich selbstverständlich als Teilnehmer anmelden. Wenn sie für einen geringen Jahresbeitrag VDE-Mitglied werden, profitieren sie auch von den ermäßigten Teilnahmekosten.

Welche Perspektive haben Sie für die Veranstaltungsreihe im Blick?

Es gibt einen großen Bedarf für diese Art von Veranstaltungen, das ist deutlich an der starken Nachfrage zu erkennen. Für das kommende Jahr haben wir aus Kapazitätsgründen allerdings noch keine zusätzlichen Themen oder Workshops in der Pipeline.


Weitere Informationen

Der VDE organisiert für den Herbst 2019 zwei In-Klinik-Workshops.

Am 24. September 2019 geht es in Frankfurt um das Thema Notfallmedizin. Grundlagen der Notfallmedizin, deren Einbindung in den Klinikalltag und die Beschaffung von Medizingeräten sowie die Leistungserstattung werden in Vorträgen vorgestellt. Im Praxisteil bekommen die Teilnehmer Einblicke in die Zentrale Notaufnahme und die Radiologie.

https://meso.vde.com/workshop-emergency-medicine/?utm_source=mt

Ein Workshop zum Thema Neurochirurgie findet am 6. November 2019 in Bochum statt. Das Programm besteht aus ärztlichen Vorträgen zu den Erfahrungen mit Medizintechnik in der Neurochirurgie. Im Praxisteil besuchen die Teilnehmer verschiedene Klinikbereiche wie den OP und die Station und werden in das sichere Arbeiten im OP eingeführt.

https://meso.vde.com/neurosurgery-engineers-2/?utm_source=mt


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