Medizintechnik Studium

Abschlussarbeit an der Hochschule – oder im Medizintechnik-Unternehmen

Die Praxis ruft: In der Abschlussarbeit setzen Studierende das Gelernte um. Zuvor aber müssen sie sich entscheiden, ob sie diese Erfahrung an der Hochschule oder im Unternehmen machen wollen (Bild: nd3000/Fotolia)
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Was bei einer Abschlussarbeit im Unternehmen zu beachten ist | Scheinfrei – und nun? Eine wichtige Entscheidung gegen Ende des Studium betrifft die Abschlussarbeit, die nicht nur an der Hochschule, sondern auch in einem Unternehmen angefertigt werden kann. Beides hat Vorzüge, aber auch Punkte, die es rechtzeitig zu bedenken gilt.

Lena Hegel, Lars B. Fischer
Studierende der Medizintechnik und engagiert in der Konferenz der Medizintechnik-Fachschaften (Komet)

Mindestens einmal steht jeder Student vor der Frage: Wo schreibe ich meine Abschlussarbeit? Interessant sein soll sie und auf das Arbeitsleben nach der Hochschule vorbereiten. Außerdem gilt es, etwa Neues dabei zu lernen – und die meisten haben den Wunsch, eine sinnvolle Aufgabe zu bearbeiten. Wie lässt sich das alles vereinen? In diesem Artikel möchten wir einen Überblick über verschiedene Möglichkeiten geben, wobei der Fokus auf der Möglichkeit liegt, seine Bachelorarbeit in einem Unternehmen anzufertigen.

Die Hochschule – der Klassiker

Die Abschlussarbeit in der Uni oder einem uni-nahen Institut zu schreiben, ist sicherlich der Weg, den die meisten Absolventen wählen. Ein Betreuer und ein Prüfer für die Abschlussarbeit sind leicht zu finden, da die Hochschule verpflichtet ist, den Studierenden das Abfassen ihrer Arbeit zu ermöglichen. Darüber hinaus bringt eine Abschlussarbeit die Forschung im jeweiligen Gebiet voran, so dass die Hochschule davon ebenfalls profitiert.

Die Auswahl an Themen und Bereichen, die gut in das Profil der Studierenden passen, ist sehr groß. Falls das nicht zutrifft, war unter Umständen schon die Wahl des Studiengangs falsch und stand nicht im Einklang mit den eigenen Interessen.

Die Abschlussarbeit an der Hochschule bereitet gut auf eine wissenschaftliche Karriere vor. Daher empfiehlt sich diese Variante für alle, die später im akademischen Bereich weiterarbeiten möchten und beispielsweise eine Promotion anstreben.

Die Arbeit an der Hochschule ist eher theoretisch ausgerichtet und bereitet auf die Promotion vor (Bild: kasto/Fotolia)

Als Nachteil ist die oft fehlende Bezahlung zu nennen. Für eine Beschäftigung als wissenschaftliche oder studentische Hilfskraft am Lehrstuhl ist das Entgelt meist geringer als das, was ein Unternehmen für eine vergleichbare Tätigkeit zahlt. Andererseits bieten HiWi-Verträge die Möglichkeit, auch eine geringere Wochenstundenzahl festzulegen und die Stunden flexibel abzuarbeiten. Das erleichtert es, die Abschlussarbeit mit dem Job zeitlich zu vereinbaren. Nebenjobs außerhalb der Hochschule sind denkbar, bieten aber keine Einblicke in eine wissenschaftliche Thematik und sind häufig zeitlich starrer konzipiert.

Abschlussarbeit im Unternehmen – Vor- und Nachteile

Wer lieber schon während seiner Abschlussarbeit Geld verdienen und Industrieerfahrung sammeln möchte, ist in einem Unternehmen gut aufgehoben. Je nach angestrebtem Abschluss vergüten Unternehmen die erbrachte Leistung mit 500 bis deutlich über 1000 Euro pro Monat. Allerding ist teilweise mit langen Einarbeitungszeiten zu rechnen, bis alle Zugänge im Unternehmen funktionieren, die Schulungen absolviert und vorgeschriebene Prozesse abgearbeitet sind. Dabei lernt man allerdings, Prioritäten zu setzen sowie unter Zeitdruck zu arbeiten und mit fest vorgegebenen Arbeitszeiten umzugehen.

Das eigenverantwortliche Arbeiten wird im Unternehmen mehr gefordert als an der Universität. Der Betreuer im Unternehmen ist hauptsächlich mit den Arbeiten an seinen eigenen Projekten beschäftigt und nicht mit der Betreuung des Absolventen. Der Bachelorand oder Masterand muss also seinen eigenen Weg finden, muss zwischen Hilfstätigkeiten und eigenen Untersuchungen noch Zeit zum Schreiben der Abschlussarbeit finden.

Wer seine Abschlussarbeit im Unternehmen verfasst, muss damit rechnen, dass es Geheimhaltungsvorgaben gibt. Oft darf einem potenziellen neuen Arbeitgeber nicht mehr genannt werden als der Titel der Arbeit. Andererseits bietet die Arbeit im Unternehmen meist die Möglichkeit, durch Engagement zu netzwerken und interne Jobbörsen oder Talentpools des Unternehmens zu nutzen. Das kann den Wechsel in das Angestelltenverhältnis erleichtern.

Unternehmen kennenlernen

Natürlich bietet die Abschlussarbeit im Unternehmen auch die Gelegenheit, einen weiteren Betrieb mit seinen Eigenheiten kennenzulernen – und damit vielleicht die Erfahrungen zu ergänzen, die vorher schon in Praktika gemacht wurden.

Wenn der Betreuer der Abschlussarbeit schon länger in der Industrie tätig ist, kann es vorkommen, dass sein theoretischer Hintergrund nicht mehr so aktuell wie der des Studierenden ist. Ob das zutrifft, hängt aber zu großen Teilen von der Persönlichkeit des Betreuers ab und auch von der Unterstützung bei der Weiterbildung, die das Unternehmen bietet.

Wer seine Abschlussarbeit im Unternehmen schreibt, integriert sich auch in die Routineabläufe (Bild: Jacob Lund/Fotolia)

Ein Vorteil von Abschlussarbeiten, die in Unternehmen geschrieben werden, ist, dass die Arbeiten Themen betreffen, die in naher Zukunft reelle Anwendung in echten Produkten finden – und deren Entwicklung allen Limitierungen und Einschränkungen des industriellen Alltags unterworfen ist. Da spielt die mitunter langwierige Beschaffung ebenso eine Rolle wie der Preis der Materialien – die Randbedingungen unterscheiden sich also mitunter deutlich von denen in der „Seifenblase“ der Hochschulen.

Zusammenspiel mit der Hochschule

Wenn Studierende parallel zu ihrer Abschlussarbeit noch Kurse oder Vorlesungen haben, hängt es vom Betreuer und der Unternehmenskultur an, ob ein Besuch dieser Veranstaltungen oder auch eine Prüfungsvorbereitung einfach möglich sind. Auch kann das Erstellen der Abschlussarbeit in einem Unternehmen einiges an „Papierkram“ erforderlich machen. Je nach Hochschule ist ein externes Schreiben gewollt – dann es ist einfach, einen betreuenden Professor zu finden. Dass die Studierenden bei externen Abschlussarbeiten viele „Softskills” wie die Kommunikation mit anderen Abteilungen, Eigeninitiative und Teamwork lernen, wird dann als Bereicherung gesehen.

Einen Professor oder Gutachter von Seiten der Hochschule zu finden, kann aber auch zur echten Herausforderung werden. Dann spielen meist Überlegungen eine Rolle, die sich darauf beziehen, dass die Lehre nicht gewährleistet sei oder ein Absolvent dem Lehrstuhl als ‚Arbeitskraft‘ verloren gehe. Teilweise betreuen Professoren Abschlussarbeiten auch nur bei bestimmten Unternehmen, von denen sie sich Unterstützung oder Partnerschaften erhoffen oder mit denen sie bereits eine Kooperation haben.

Ein Randaspekt, der aus Sicht der Absolventen von Vorteil sein kann: Wer seine Abschlussarbeit auswärts schreiben darf, steckt zuweilen deutlich tiefer im Thema als der Prüfer und kann darauf hoffen, dass die Fragen zu seiner Arbeit im Kolloquium somit weniger schwierig oder tiefgehend sind.

Eine persönliche Entscheidung

Abschließend lässt sich sagen, dass die Entscheidung für die Abschlussarbeit an der Hochschule oder in einem Unternehmen auch stark von der Persönlichkeit des Absolventen abhängt. Doch beim Bachelor-/Mastersystem gibt es den großen Vorteil, dass die meisten Studierenden zwei Abschlussarbeiten schreiben und somit beides ausprobieren können: Zum Beispiel lässt sich die Bachelorthesis in einem Unternehmen schreiben, wo das Gelernte angewendet wird – worauf dann die Masterarbeit in der Uni folgt, um etwas theoretischer zu werden und sich damit auf eine eventuelle Promotion vorzubereiten.

Wie für die tägliche Arbeit gilt auch für die Abschlussarbeit: Theoretiker sind allgemein gesagt eher an der Uni gut aufgehoben, Praktiker eher im Unternehmen.


Weitere Informationen

www.die-komet.org



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