Kunstknorpel-Implantat: Weltweit erster Einsatz im Kniegelenk

Wie Gummi im Knie

Professor Dr. Michael Jagodzinski (links) und Professor Dr. Christian Krettek (rechts) mit dem neuen Kunstknorpel-Implantat Bild: MHH/Kaiser
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An der Medizinischen Hochschule Hannover wurde weltweit erstmalig ein neuartiges Kunstknorpel-Implantat in ein Knie eingesetzt. Das aussichtsreiche Verfahren kann vor allem älteren Patienten mit Knorpelschwund helfen.

Etwa 2,5 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einem chronischen Knorpelschaden im Knie. Die Ursache für den degenerativen Knorpelschwund sind meist frühere Verletzungen des Kniegelenks oder altersbedingter Verschleiß. An der Klinik für Unfallchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde jetzt eine neue Art der Therapie durchgeführt: Einem 62-jährigen Patienten wurde ein Stück Kunstknorpel implantiert. Die MHH ist weltweit das erste Klinikum, das das Verfahren am Kniegelenk angewendet hat. Bisher wurde ein solches Ersatzteil nur an der Großzehe des Fußes eingesetzt.

Für den Laien sieht das Implantat des amerikanischen Herstellers Cartiva fast so aus wie ein Fruchtgummi. Es ist etwa zehn mal zehn Millimeter groß, elastisch und hat eine konische Form. „Die Form sorgt für einen festen Halt im Knieknorpel des Patienten“, erklärt Prof. Dr. Michael Jagodzinski. Der Oberarzt an der MHH-Klinik für Unfallchirurgie hatte dem Patienten im Juni 2012 das künstliche Knorpelstück ins rechte Knie eingesetzt. „Dabei wird das Implantat regelrecht in den Knieknorpel des Patienten eingepresst“, erläutert der Chirurg. Der Kunstknorpel wächst nicht ein, optimalerweise bildet sich drumherum aber eine Verhärtung aus Bindegewebe (Sklerose), die zusätzlichen Halt gibt.
Prof. Dr. Christian Krettek, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie, ist zuversichtlich, dass das neuartige Implantat, das zu 80 % aus Wasser und zu 20 % aus Polyvenylalkohol (PVA) besteht, auch nach mehreren Jahren noch fest im Knie sitzt. Denn genau das ist das Problem bei den herkömmlichen Implantaten. „Bei vielen Patienten lockern sie sich. Nur bei etwa 40 Porzent ist der Zustand nach zehn Jahren noch zufriedenstellend“, erläutert Prof. Krettek.
Langzeitergebnisse liegen für das neuartige Implantat im Knie noch nicht vor. Doch ein knappes Jahr nach der ambulanten Operation sind sowohl Prof. Jagodzinski als auch der erste Patient Wolfgang J. mit dem Ergebnis zufrieden. „Ich konnte direkt nach der Operation ohne Gehhilfen die Klinik verlassen“, erinnert sich Wolfgang J. „Aber das Entscheidende war, dass ich keine Schmerzen mehr im Kniegelenk hatte. Lediglich die Wunde tat weh.“ Eine Woche nach dem Eingriff konnte der Mann aus Lindwedel im Heidekreis wieder anfangen, Fahrrad zu fahren.
Trotz des erfolgreichen Verlaufs bei Wolfgang J. betont Professor Jagodzinski, dass sich das neue Implantat nicht für jeden Patienten und nicht für jede Art von Knorpelschaden eignet. „Die Zielgruppe sehen wir vor allem in Patienten, die älter als 50 Jahre sind und einen lokalisierten Knorpelschaden oder eine begrenzte Arthrose haben. Jeder Einzelfall muss sehr genau abgewogen werden.“
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