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Wechseloperationen vermeiden

Endoprothesenregister: TUHH-Professor fordert verpflichtende Teilnahme
Wechseloperationen vermeiden

Der Biomechaniker Professor Michael Morlock hat sich der Gesundheitsforschung verpflichtet und entwickelt präklinische Testverfahren von Gelenkersatz für die großen Gelenke des Menschen Bild: Kirsten Eggers
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Ein verpflichtendes Register für Gelenk-Prothesen soll helfen, unnötige Operationen zu vermeiden, indem es Probleme bei der klinischen Anwendung mit bestimmten Prothesendesigns frühzeitig erkennt und Prothesenwechsel systematisch erfasst.

Jahr für Jahr steigt die Zahl der Operationen in deutschen Krankenhäusern. Allein 400 000 Menschen erhalten jährlich ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk, eine so genannte Endoprothese. Deutschland führt bei der Menge der Hüft- und Knieendoprothesen die OECD-Statistik deutlich an. Um Probleme bei der klinischen Anwendung mit bestimmten Prothesendesigns frühzeitig erkennen zu können, fordert Professor Dr. Michael M. Morlock, Leiter des Instituts für Biomechanik an der Technischen Universität Hamburg (TUHH), ein Endoprothesenregister: „Obwohl Deutschland Weltmeister im Implantieren von Hüft- und Kniegelenken ist, gibt es hierzulande kein verpflichtendes Register für Medizinprodukte, die in den Körper eingesetzt werden. Ich halte die Einrichtung eines solchen Endoprothesenregisters für zwingend notwendig. Damit lassen sich Gründe eines Prothesenwechsels systematisch erfassen wie auch Vergleiche innerhalb der Gütekategorien sowie über die Dauerhaftigkeit verschiedener Implantate anstellen, um eventuell gehäuft notwendige Wechseloperationen (Revisionsoperation) aufzuzeigen“, so Michael Morlock. Auch könne durch ein derartiges Register eine objektive Rückmeldung an die Leistungserbringer: Krankenhaus und Operateur sowie Implantathersteller, Kostenträger und auch Patienten gewährleistet werden.

Der Professor verweist darauf, dass ein verpflichtendes Register bereits seit Jahrzehnten in den skandinavischen Ländern üblich sei. Schweden und Finnland gründeten bereits 1979 das weltweit erste Endoprothesenregister. Das Resultat: In Schweden sank die Zahl der jährlichen Wechseloperationen auf die Hälfte. Ein „Endoprothesenregister Deutschland“ (EPRD) zur Erfassung der Hüft- und Knieproblematik in Deutschland ist seit April im Aufbau. Kassen und Kliniken entscheiden freiwillig, ob sie mitmachen oder nicht. Morlock dazu: „Dies ist ein sehr wichtiger erster Schritt zur Einrichtung eines verpflichtenden Registers. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass sich die Politik schnellstmöglich des Registers annimmt und dieses gesetzlich verankert. Nur beim Einschluss von deutlich über 90 Prozent der Eingriffe kann das Ziel des Registers zeitnah erreicht werden.“
TUHH-Wissenschaftler Morlock kennt das Geschäft. Als Biomechaniker hat er sich der Gesundheitsforschung verpflichtet und entwickelt präklinische Testverfahren von Gelenkersatz für die großen Gelenke des Menschen. „Wenn heute beim Patienten mit Implantaten Probleme auftreten, so sind diese in der Mehrzahl der Fälle nicht auf das Design oder das Material des Implantats, sondern auf den Operateur oder den Patienten zurückzuführen. Heute ist die gesamte Medizintechnik – und speziell Implantate und Endoprothesen – soweit entwickelt, dass die Produkte selbst kaum noch versagen. Was versagt, das ist das Interface zum Menschen. Dazu muss man wissen, dass die Verankerung des Produkts an der Knochengrenzfläche präklinisch nicht standardisiert getestet wird. Getestet wird immer nur das Produkt an sich und nie, wie es dann hinterher wirklich verwendet wird“, so Morlock (Quelle: Bundesverband Medizintechnologie e.V. in Med.Tech. 04/13)
Weitere Informationen: www.tuhh.de/bim/
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