Monitoring: Software SmartPilot View führt sicher durch die Narkose

„Sehen, wohin die Reise geht“

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Bei der Entwicklung einer neuen Software für Anästhesisten hat sich Dräger die Erfahrungen aus der Luftfahrt zum Beispiel genommen. Am Universitätsklinikum Erlangen setzt Prof. Jürgen Schüttler den SmartPilot View bereits erfolgreich ein.

Prof. Schüttler, der SmartPilot View bringt erstmals eine zweidimensionale Darstellung des Narkoseverlaufs in den OP. Wie kommt er bei Ihnen zum Einsatz?

Für uns ist der SmartPilot View ein Monitoringsystem, das zum einen zur Verbesserung der Medikamenten-Dosierung eingesetzt wird. Im Verlauf einer Anästhesie zeigt es an, ob ein Patient unter- oder überdosiert wird und wohin die Reise im Narkoseverlauf geht. Zum anderen sind wir eine Ausbildungsklinik. Das neue System wollen wir zur Unterstützung des Lernprozesses für künftige Anästhesistinnen und Anästhesisten nutzen.
Wo steht das Projekt derzeit?
Wir sind jetzt in der Roll-out-Phase des Systems. In Zukunft werden wir den SmartPilot View in unseren rund 30 Operationssäalen hier in Erlangen einsetzen. Abhängig davon, wie viele Systeme Dräger bis Ende des Jahres liefern kann, wollen wir 20 Geräte installieren, im kommenden Jahr sollen dann noch einmal 10 bis 15 Stück hinzu kommen.
Was ändert sich für Sie und Ihre Mitarbeiter durch den Einsatz von SmartPilot View?
Nun, wir beschäftigen uns wissenschaftlich intensiv mit den Themen Narkosetiefe, Narkosetiefenüberwachung und optimale Dosierung. Mit dem SmartPilot View haben wir ein weiteres Überwachungs- und Beratungssystem, das uns an unserem Arbeitsplatz unterstützt. Einerseit können wir damit sicherer dosieren, andererseits lassen sich damit auch die theoretischen Hintergründe unseres Handelns als Narkoseärzte besser vermitteln.
Wie kam dieses Projekt zustande?
Die Kooperation unserer Klinik mit Dräger als Anbieter von Narkosegeräten und Anästhesiearbeitsplätzen hat eine lange Tradition. Die Idee kam über eine wissenschaftliche Arbeit von Kollegen der Anästhesie aus Bern. Wir haben diesen Ansatz zu einem anwenderorientierten Projekt ausgebaut, um eine klinische Einführung des Systems zu ermöglichen.
Welchen Zeitraum muss man für solch ein Projekt veranschlagen?
Das darf nicht länger als zwei Jahre dauern, da man sonst nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Während früher der Austausch mit Universitäten eher zäh war, hat sich heute sehr viel geändert. Wir haben in Erlangen beispielsweise ein Exzellenzzentrum für Medizintechnik (Medical Valley EMN e.V.) Diese Plattform hat beim Spitzenclusterwettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Fördermittel in Höhe von 40 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre bekommen, um medizintechnische Entwicklungen voran zu bringen. Wir haben einen Kooperationsvertrag mit Dräger in bestimmten Entwicklungsfeldern, für die Anästhesie – und innerhalb dieses Vertrages wird es natürlich auch noch weiterführende Projekte geben.
Welche besonderen Merkmale zeichnen das Überwachungsgerät aus?
Während einer Narkose setzen wir mehrere Medikamentengruppen ein, die sich ergänzen: Medikamente, die das Bewusstsein ausschalten, und Medikamente, die das Schmerzempfinden reduzieren. Zwischen diesen gibt es Wechselwirkungen, die das System erfasst und in ihrer Auswirkung auf dem Display darstellt. Dem Patienten kann jetzt die optimale Medikamentenkombination verabreicht werden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Dosierung. Bislang lernt der Arzt, durch vorsichtige Über- und Unterdosierung sich auf das richtige Narkosestadium einzupendeln. Das bedeutet Stress für den Patienten. Ein intelligentes System wie der SmartPilot View hilft, diese Belastungen zu vermeiden, weil es den Anästhesisten auf drohende Unter- und Überdosierungen hinweist.
Also auch ein Vorteil für den Patienten?
Natürlich. Wir wollen ja in erster Linie, dass es dem Patienten gut geht! Dauert die Aufwachphase nach der Narkose länger, ist der Patient auch weiter gefährdet. Ist er dagegen richtig dosiert, zeigt sich das in einer entsprechend kürzeren Aufwachphase. Und in der Phase nach der Operation kann das System außerdem dabei helfen, eine optimale postoperative Schmerztherapie für den Patienten einzuleiten.
Welchen Nutzen sehen Sie für die Kliniken?
Durch eine intelligente Arzneimitteldosierung lässt sich der Behandlungsablauf optimieren, unnötig lange Zeiten im OP oder im Aufwachraum werden so vermieden. Und: Eine Klinik, die für Diagnostik und Therapie intelligente Technik einsetzt, hat natürlich auch eine bessere Außen- wirkung als eine Klinik, die veraltete Technologien vorhält.
Wie wurde der SmartPilot View von den Anästhesisten in Ihrer Klinik angenommen?
Wir haben mit mehr Zurückhaltung und Widerstand gerechnet – das Gegenteil ist der Fall. Selbst die Skeptiker lassen ihre Narkoseführung inzwischen vom Smart Pilot View überwachen. So können sie am Bildschirm mitverfolgen, wie ihre Dosierungen anschlagen. Bei diesem initialen Lernvorgang wächst mit der Zeit eine Vertrauenshaltung zum System. Schließlich bringt es dem Anästhesisten viele Vorteile bei der Arbeit am Patienten.
Wie aufwendig sind die Schulungen?
Die Einarbeitung in die Bedienung des Gerätes dauert circa einen Tag. Dann kann der Anästhesist damit arbeiten und seine Narkoseführung am Display verfolgen.
Welche weiteren Einsatzbereiche können Sie sich vorstellen?
Interessant ist der SmartPilot View auch für die Intensivstation. Dort führen wir ja häufig eine längere Form der Narkose durch, die Analgosedierung, also den künstlichen Tiefschlaf. Das soll dem Patienten den Aufenthalt auf der Intensiv-station so angenehm wie möglich machen. Vor allem soll er keine Schmerzen haben. Dort kann ich mir den Einsatz sehr gut vorstellen.
Welche Zunkunft prognostizieren Sie innovativen Systemen wie dem SmartPilot View?
Ich denke, die Entwicklung hin zu mehr intelligenten Systemen im Klinikalltag lässt sich nicht aufhalten. Wir werden vor allem in den komplexen Therapiebereichen die Möglichkeiten nutzen müssen, die uns die moderne Technik bietet. Wir tun das bisher vielleicht noch zu wenig. Der SmartPilot View gibt dem Anästhesisten eine wichtige Orientierungshilfe während des Narkoseverlaufs. In diesem Zusammenhang wird die Zukunft des Überwachungsgerätes bei uns sehr positiv aussehen.
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