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Mund-Nasen-Schutz und Maske: Ursprünge und Empfehlungen

Coronavirus: Wissenswertes über Masken
Mund-Nasen-Schutz und Masken aller Art gegen Erreger aus der Luft

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften awmf Mund-Nasen-Schutz Maske
Eine Maske vor Mund und Nase: Was sie in welcher Ausprägung in der Corona-Krise nützt, wird heiß diskutiert (Bild:Emoji Smileys People / stock.adobe.com)
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Durch die vom Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöste Pandemie sind Atemmasken wie auch Mund-Nasen-Schutz schnell zum kostbaren Gut geworden. Dabei ist Maske nicht gleich Maske und es gibt lebenswichtige Unterschiede.

Anke Biester
Wissenschaftsjournalistin aus Aichstetten

Zur Not tut es auch ein Tuch vor Mund und Nase? Das war zumindest eine der ersten Maßnahmen, die Ärzte Ende des 19. Jahrhunderts ergriffen, um die Übertragung von Keimen zu verhindern: Sie banden sich Mullbinden vor Mund und Nase. Damit schützten sie jedoch nicht etwa sich, sondern die Patienten, die sie operierten.

Damals setzte sich langsam die Erkenntnis durch, dass Krankheiten über Tröpfchen übertragen werden können. Auch heute spricht man noch von Tröpfcheninfektion – im Wissen, dass es aber noch viel kleiner geht: Denn bestimmte Keime können an winzige Schwebstoffe, die kleiner als fünf Mikrometer sind, anhaften und über die Luft, beziehungsweise in ihr schwebend, weitergegeben werden. Man spricht dann von aerogener Übertragung. Ein Nieser bringt übrigens rund 40.000 Partikel auf den Weg. Pro 100 gesprochene Worte sind es etwa 36 Partikel.

Inhaltsverzeichnis

1. Mund-Nasen-Schutz: Keime sollen nicht zum Patienten gelangen
2. Von Mund-Nasen-Schutz bis FFP-3-Maske
3. Was aus dem Atem hinter der Maske wird
4. Bart und Maske: Nicht immer eine ideale Kombination
5. Maske – zur Not auch selbstgenäht

Mund-Nasen-Schutz: Keime sollen nicht zum Patienten gelangen

Die einfache OP-Maske, auch Mund-Nasen-Schutz (MNS) genannt, die jeder aus Arztserien kennt, reicht als Schutz vor Infektionen nicht aus. Sie dient auch heute noch in erster Linie dazu, andere vor den eigenen Keimen zu bewahren – nicht mehr und nicht weniger. Sie sollte aber auch entsprechend sitzen, und zwar überall dicht an der Haut. Sonst bläst man über die undichten Stellen doch die Keime in die Luft.

Einen nicht zu unterschätzenden Effekt haben auch diese Masken aber auf jeden Fall bei drohenden Infektionen: Sie verhindern, dass man sich mit kontaminierten Händen ins Gesicht fasst.

Von Mund-Nasen-Schutz bis FFP-3-Maske

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) hat einen Leitfaden zur Klassifizierung und Verwendung von Atemschutzmasken herausgegeben. Sie ordnet den herkömmlichen chirurgischer Mund-Nasen-Schutz nicht als Atemschutzmaske ein, aufgrund seiner „Leckage“. Als echte Atemschutzmasken gelten erst Masken der FFP-Klasse 1 und höher. FFP steht hier für „Filtering Face Pieces“. Sie verfügen über einen speziellen, meist runden Atemluftfilter. Laut AWMF dürfen Masken der FFP-Klasse 1 eine Gesamtleckage von höchstens 25 Prozent aufweisen, Masken der FFP-Klasse 2 von höchstens elf Prozent und Masken der FFP-Klasse 3 von höchstens fünf Prozent, bei einem mittleren Partikeldurchmesser von 0,6 Mikrometer.

Dem Krankenhauspersonal wird für das Pflegen eines normalen Grippepatienten das Tragen einer Atemmaske der Klasse FFP2 empfohlen. Bei einem mit einem Coronavirus infizierten Patienten sollte es neben einem Schutzkittel eine Atemmaske der Klasse FFP 3 sein. Die Patienten selbst sollten übrigens spätestens beim Verlassen des Zimmers einen chirurgischen Mund-Nasen-Schutz tragen, zum Schutz anderer.

Was aus dem Atem hinter der Maske wird

In einer Doktorarbeit aus dem Jahr 2004 untersuchte die Ärztin Ulrike Butz, inwieweit das Tragen von Atemmasken zu schlechter Atemluft für den Träger führt. Denn die ausgeatmete Luft wird durch die geringe Durchlässigkeit der Masken zurückgehalten, wodurch die Träger vermehrt Kohlendioxid (CO2) rückeinatmen. Ulrike Butz testete herkömmliche OP-Masken von zwei Herstellern und stellte bei beiden nach 30 Minuten Tragedauer einen signifikanten Anstieg der CO2-Werte im Blut der Probanden fest. Die Atemfrequenz und der Sauerstoffgehalt im Blut blieben jedoch konstant. Offen bleibt, was nach mehreren Stunden Tragezeit, wie im OP-Alltag häufig üblich, geschehen würde. Die so genannte Hyperkapnie, ein erhöhter Kohlenstoffdioxidgehalt im Blut, kann verschiedene Hirnfunktionen einschränken.

Es gibt diverse Studien über die Wirksamkeit der verschiedenen Maskentypen. Je nach Studie kommt die einfache OP-Maske mal besser, mal schlechter weg in ihrem Schutz vor Viren. Was alle Studien eindeutig zeigen: Sitzt die Maske nicht richtig, schützt sie schlecht. Richtig sitzen heißt, überall dicht zu sein.

Bart und Maske: Nicht immer eine ideale Kombination

Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) Druid Hills, eine Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums, Druid Hills (Georgia), haben bereits vor einigen Jahren eine Grafik herausgegeben, bei welchen Barttypen ein guter Sitz von Atemmasken möglich ist und bei welchen nicht. Die Grafik geht zurzeit viral.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, empfahl den Bürgern am 26. März 2020 in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung das Tragen einer selbstgenähten Maske. Wohl wissend, dass diese keinen Ansteckungsschutz garantierten. „Aber sie können ein wenig helfen, das Risiko zu verringern, andere anzustecken oder selbst angesteckt zu werden. Das Tragen auch von einfachen Masken kann bei der Eindämmung des Virus sinnvoll sein“, so Reinhardt.

Maske – zur Not auch selbstgenäht

Die Stadt Essen bietet auf ihrer Homepage eine Nähanleitung für einen Behelfs-Mund-Nasen-Schutz. In einer Studie von Anna Davies und Katy-Ann Thompson aus dem Jahr 2013 wird dazu als Stoffart ein ausrangiertes Geschirrtuch empfohlen.

Smartphone-Nutzer, die ihr Gerät per Gesichtserkennung entsperren möchten, haben mit Gesichtsmasken ein Problem: Die Entsperrung funktioniert nicht. Eine Designerin aus den USA bietet dafür jetzt eine Lösung an. Auf ihrer Webseite „Faceidmasks.com“ kann man sein Porträtfoto hochladen. Mit Hilfe von Computerkarten werden die Gesichtszüge so angepasst, dass sie, auf die Oberfläche von N95-Masken (amerikanischer Sicherheitsstandard) gedruckt, wie echt aussehen. Selbst das Gummiband wird dem Hautton angepasst.

Japaner haben eine offene Einstellung zu Atemmasken. Andere vor den eigenen Keimen zu schützen, gehört hier zur Höflichkeit. Die Schutzmaßnahme wurde bereits bei der Spanischen Grippe eingesetzt, die sich 1919 auch in Japan verbreitete. Mit jeder schweren Grippewelle, wie zum Beispiel der so genannten „Schweinegrippe“, stieg die Popularität der Masken. In keinem Land werden inzwischen mehr Atemschutzmasken verkauft als in Japan, alljährlich knapp 3 Milliarden Masken – das Jahr 2020 ist in dieser Rechnung nicht enthalten. Inzwischen tragen Japaner die Masken auch einfach so, wie berichtet wird – zum Beispiel, um ihre Schleimhäute feucht zu halten oder ihr ungeschminktes Gesicht oder einen Pickel zu verstecken.

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