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Gesundheitsmarkt Nordafrika: Der Schritt auf den Kontinent lohnt sich

Gesundheit in Nordafrika
Wachstumsmärkte Nordafrikas auf gutem Weg zur Besserung

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In großen Städten wie Marrakesch hat Marokko die medizinische Versorgung bereits verbessert. Ländliche Regionen haben noch Nachholbedarf (Bild: Maurizio De Mattei/stock.adobe.com)
Die nordafrikanischen Länder Ägypten, Algerien, Marokko und Tunesien sind auf Reformkurs: Mit einem universellen Krankenversicherungsschutz und der Modernisierung ihrer medizinischen Infrastrukturen wollen sie die Gesundheitssysteme verbessern. Von diesen positiven Signalen können exportorientierte Unternehmen und Investoren aus Europa profitieren.

Susanne Schwab
susanne.schwab@konradin.de

Die Gesundheitssysteme in Ägypten, Algerien, Marokko und Tunesien schneiden im afrikanischen Gesamtvergleich gut ab und gehören zu den besten des Kontinents. Auch das lange Zeit vom Bürgerkrieg geplagte Libyen stabilisiert sich langsam und wird in absehbarer Zeit dringend auf ausländische Importe bei der Modernisierung der Gesundheitsversorgung angewiesen sein. Um die wachsenden Bevölkerungen zu versorgen, müssen jedoch alle Länder ihre Kapazitäten bei der Gesundheitsversorgung ausbauen. Denn Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Diabetes, Krebs oder auch Atemwegserkrankungen nehmen auf dem afrikanischen Kontinent zu und belasten das Gesundheitswesen. Medizintechnik aus Europa ist traditionell gefragt – und neben Frankreich genießt vor allem Deutschland einen hohen Stellenwert.

Im Rahmen einer Studie des Projekts Gesundheitswirtschaft Nordafrika des Wirtschaftsnetzwerks Afrika haben der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft und die Gtai Germany Trade & Invest die Gesundheit in Nordafrika untersucht und sind auf komplexe Märkte mit wachsendem Potenzial gestoßen.

Gesetzliche Krankenversicherung verbessert Gesundheitsversorgung

Um die Gesundheitsversorgung zu verbessern, arbeiten Ägypten und Marokko aktuell daran, eine gesetzliche Krankenversicherung einzuführen. In Algerien und Tunesien ist diese bereits etabliert beziehungsweise soll weiter ausgebaut werden. Laut Gtai treibt auch das Coronavirus in den nordafrikanischen Staaten die Entwicklung neuer Reformen im Gesundheitsbereich an: Neuinvestitionen in die medizinische Infrastruktur sind geplant, und auch den Ausbau eigener Produktionen wollen die Länder vorantreiben.

In Marokko wurden beispielsweise zu Beginn der Covid-19-Pandemie – getrieben von hohen Infektionszahlen und der Lage in den Kliniken – die entsprechenden Expertisen im Land gebündelt und ein Beatmungsgerät aus 100-%iger marokkanischer Herstellung entwickelt. Die Vorstellung des Produkts war im Frühjahr 2020 ein Meilenstein für den Medizintechnik-Sektor des Landes. Neben dem Industrieministerium beteiligte sich an der Entwicklung des Lungen-Beatmungsgeräts Sircos ein Konsortium aus mehreren Unternehmen, Ingenieuren und Medizinern.

Digitale Technologien für eine bessere Gesundheitsversorgung

Ein weiteres wichtiges Ziel in den Ländern Nordafrikas ist es, die Synergien zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor im Gesundheitsbereich stärker zu fördern und zu nutzen. In Algerien und Tunesien wurden beispielsweise neue Ministerien und Behörden für spezifische Teilbereiche des Gesundheitssektors gegründet. Sie sollen eine schnellere und bessere Versorgung der Bevölkerung ermöglichen und den heimischen Medizintechnikmarkt stärken. „Algerien ist aktuell besonders für Zulieferer und Maschinenhersteller interessant, da eine lokale Industrie entstehen soll“, erklärt Matthias Brandt, der als Projektmanager beim Kölner Dienstleistungsunternehmen Traide Health GmbH Unternehmen beim Markteintritt in die nordafrikanischen Länder begleitet. Ziel sei es, möglichst viel im Land zu produzieren und die Importquote für Medizintechnik und Arzneimittel zu verringern. „An den Markt angepasste, innovative Medizintechnikprodukte, die absehbar nicht vor Ort hergestellt werden können, haben jedoch ebenso hohes Vermarktungspotenzial“, so Brandt.

Und auch die Digitalisierung des Gesundheitswesens gewinnt in Nordafrika an Bedeutung und wird gefördert. Vor allem die Nutzung von E-Health und Telemedizin sehen die Länder als eine große Chance, die medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten zu gewährleisten sowie in städtischen Zentren zu verbessern. Tunesien nimmt bei E-Health eine Vorreiterrolle ein. Das Land setzt aktuell eine umfassende digitale Strategie für den nationalen Gesundheitssektor um.

Nordafrika: Auf Medizintechnik aus dem Ausland angewiesen

Trotz der ambitionierten Pläne sind die nordafrikanischen Staaten bislang noch auf Importe von Medizintechnik und Arzneimitteln aus dem Ausland angewiesen, denn vor allem die öffentlichen Gesundheitssektoren sind reformbedürftig. Laut Angaben des ägyptischen Statistikamtes Capmas hat allein Ägypten mit dem größten Gesundheitsmarkt Nordafrikas in den ersten vier Monaten des Jahres 2020 medizinisch-chirurgische Geräte und Medikamente im Wert von knapp 803 Mio. US-Dollar importiert. Die heimische Fertigung bringt häufig nur einfache medizinische Geräte hervor, daher wird moderne Technologie aus dem Ausland benötigt.

Ganz ähnlich wie Ägypten importiert das Königreich Marokko rund 75 % seines medizintechnischen Bedarfes aus dem Ausland. Besonders Geräte für bildgebende Diagnostik und Radiotherapie werden benötigt. Auch Algeriens wachsende Bevölkerung benötigt mehr Gesundheitsdienstleistungen als tatsächlich vorhanden sind. Vor allem die Bekämpfung akut ansteigender nichtübertragbarer Krankheiten ist zur nationalen Priorität geworden. Dabei ist der algerische Gesundheitsmarkt stark von medizintechnischen Importen abhängig. Laut Angaben der französischen Außenwirtschaftsagentur Business France werden über 90 % der benötigten Medizintechnik aus dem Ausland eingeführt. Den größten Anteil hat Frankreich mit rund 24 %. Etwa 20 % stammten aus Deutschland, rund 10 % aus den Niederlanden. Importiert werden unter anderem Laborausstattung, medizinische und chirurgische Instrumente, orthopädische Produkte, Prothesen, Beatmungsgeräte und bildgebende Technik.

Rahmenbedingungen in Nordafrika erschweren oft den Markteinstieg

Die Schwierigkeiten bei der Erschließung der afrikanischen Märkte, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, liegen oft in den Rahmenbedingungen, wie fehlenden oder unzureichenden Infrastrukturen und politischer Instabilität, aber auch in mangelnden Angeboten zur Finanzierung, so ein Ergebnis der Studie. Der Tipp von Nordafrika-Experte Brandt: „Eine gute Beratung zu den jeweiligen Marktgegebenheiten hilft, ebenso der Austausch mit Unternehmen, die bereits den Markteinstieg gemeistert haben.“ Zudem hat in den letzten Jahren jedes Land seine individuelle Roadmap für den Ausbau seiner Gesundheitsversorgung entwickelt. Die Erfüllung internationaler Standards haben sich aber alle Länder auf die Fahnen geschrieben.

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Die Länder Nordafrikas

Nordafrika bezeichnet im geographischen Sinne das Gebiet des Kontinents Afrika, das die Sahara und den nördlich, westlich und östlich davon liegenden Küstenstreifen zum Mittelmeer, zum Atlantik und zum Roten Meer umfasst. Es hat eine Fläche von 4,75 Millionen Quadratkilometern. Vier Fünftel davon sind Wüste. Die Definition des US-amerikanischen Volkszählungsbüro von Nordafrika umfasst die Länder Ägypten, Algerien, Libyen, Marokko und Tunesien.

Ägypten:

  • Bevölkerung:
    rund 100 Millionen Einwohner
  • Bevölkerungszuwachs:
    2 % jährlich
  • Bruttoinlandsprodukt (2019):
    303,1 Mrd. US-Dollar
  • Gesundheitsausgaben (2020/21):
    14 Mrd. US-Dollar
  • Besonderheit: Investitionen von 990 Mio. US-Dollar ins Gesundheitssystem im Rahmen der „Vision 2030“

Algerien:

  • Bevölkerung:
    rund 43,5 Millionen Einwohner
  • Bevölkerungszuwachs:
    1,9 % jährlich
  • Bruttoinlandsprodukt (2019):
    rund 171,1 Mrd. US-Dollar
  • Gesundheitsausgaben (2017):
    rund 11,1 Mrd. US-Dollar
  • Besonderheit: Gut strukturiertes Gesundheitssystem und universeller Krankenversicherungsschutz

Libyen:

  • Bevölkerung:
    rund 7 Millionen Einwohner
  • Bevölkerungszuwachs:
    1,4 %
  • Bruttoinlandsprodukt (2020):
    21,8 Mrd. US-Dollar
  • Gesundheitsausgaben:
    keine Angaben
  • Besonderheit: Hohe Erdölreserven, aber marodes Gesundheitssystem durch andauernde Bürgerkriege

Marokko:

  • Bevölkerung:
    rund 36 Millionen Einwohner
  • Bevölkerungszuwachs:
    1,2 % jährlich
  • Bruttoninlandsprodukt (2019):
    rund 119,7 Mrd. US-Dollar
  • Gesundheitsausgaben (2019):
    rund 7,2 Mrd. US-Dollar
  • Besonderheit: geografisch günstige Lage und moderne Infrastruktur

Tunesien:

  • Bevölkerung:
    rund 11,7 Millionen Einwohner
  • Bevölkerungszuwachs:
    1,1 % jährlich
  • Bruttoinlandsprodukt (2019):
    rund 38,8 Mrd. US-Dollar
  • Gesundheitsausgaben (2019):
    1,9 Mrd. US-Dollar
  • Besonderheit: Vorreiterrolle bei Digitalisierung und E-Health

(Quelle: Gtai)


Kontakt zu den Nordafrika-Spezialisten:

Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH
Friedrichstr. 60
10117 Berlin
www.gtai.de

Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft e.V.
Bleichenbrücke 9
20354 Hamburg
www.afrikaverein.de

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