Startseite » Markt » Auslandsmärkte » Mitteleuropa »

Trotz Hürden ist die Schweizer Medtech-Branche erfolgreich

Medizintechnik-Standort Schweiz
Coronavirus, Export und MDR beschäftigen die Unternehmen der Medizintechnik-Branche

Anzeige
Die Schweiz ist einer der weltweit attraktivsten und innovativsten Medizintechnik-Standorte und wichtiger Handelspartner in der EU. Doch auf dem Weg in die ausländischen Märkte und zur MDR gibt es einiges zu beachten.

Susanne Schwab
susanne.schwab@konradin.de

Das Coronavirus hat auch die Schweiz im Frühjahr hart getroffen. Zur Eindämmung der Pandemie standen – wie in anderen Ländern Europas – für eine Zeit das wirtschaftliche und das gesellschaftliche Leben still. Schutzausrüstungen, Desinfektionsmittel und Zulieferteile für Beatmungsgeräte wurden auch in der Schweiz dringend benötigt. Inzwischen ist die Ansteckungsrate deutlich gesunken, die Maßnahmen wurden gelockert oder aufgehoben und Forschungseinrichtungen und Unternehmen entwickeln Lösungen zur Bekämpfung des Coronavirus.

Zu ihnen gehört auch das Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik CSEM. Gemeinsam mit dem Start-up Adamant Innotech arbeiten die CSEM-Wissenschaftler an einen serologischen Schnelltest, der innerhalb von ein bis zwei Stunden ermitteln soll, ob eine Person bereits mit Sars-CoV-2 oder auch anderen Viren infiziert war. Bis zu 20 verschiedene Antikörpertypen soll der Test erkennen, der auf optischen Mikroarrays basiert. Ein erstes Produkt könnte bald verfügbar sein. Um mögliche Abnehmer muss sich Adamant Innotech keine Sorgen machen.

Fachgruppe Außenhandel hilft nicht nur beim Markteinstieg

Produkte der Schweizer Medizintechnik-Unternehmen sind auf der ganzen Welt gefragt. Wichtigste Handelspartner sind Europa, die USA und Asien. Der Zugang zu den internationalen Märkten ist daher überlebenswichtig. Die Herausforderungen sind groß, nicht zuletzt wegen der Sonderrolle der Schweiz gegenüber der EU. Hinzu kommt, dass sich das internationale Markt- und Wettbewerbsumfeld dynamisch ändert. Im Juni 2020 wurde deshalb im Branchenverband Swiss Medtech die Fachgruppe Außenhandel gegründet. Das Ziel der Fachgruppenmitglieder ist es, sich beim Einführen von Waren in ausländische Märkte gegenseitig zu unterstützen, die damit verbundenen Risiken zu minimieren und die jeweiligen rechtlichen Bestimmungen erfolgreich zu meistern, heißt es. Dabei behandelt die Fachgruppe alle Themen, die für die exportierende Schweizer Medizintechnik-Industrie von Bedeutung sind.

Rund 1400 Medizintechnik-Unternehmen erwirtschaften rund 15,8 Mrd. Schweizer Franken

Nach Angaben von Swiss Medtech tragen die Medizintechnik-Branche und ihre 58 500 Mitarbeitenden in rund 1400 Unternehmen mit einem Umsatz von 15,8 Mrd. Schweizer Franken etwa 2,3 % zur Schweizer Wirtschaftsleistung bei. Exportiert werden Waren im Wert von rund 11,3 Mrd. Schweizer Franken, was einem Anteil von etwa 5,1 % am Gesamtexport ausmacht und dem Land seinen Platz als viertgrößter Exporteur von Medizinprodukten in Europa sichert. 5,5 % aller Patente der europaweiten Medizintechnik stammen nach Verbandsangaben aus der Schweiz – gemessen an der Einwohnerzahl belegt das Alpenland damit den Spitzenplatz: Vorteilhafte Rahmenbedingungen machen die Schweiz zu einem anziehenden Standort für Forschung und Entwicklung und einem attraktiven Absatzmarkt. Der Schweizer Medizintechnikverband fördert die Innovationslandschaft mit dem Swiss Medtech Award, der jährlich am Swiss Medtech Day vergeben wird.

Nominierte des Swiss Medtech Award stehen fest

Die Nominierten der diesjähren Auslobung stehen bereits fest: Die Unternehmen Aleva Neurotherapeutics, Rheon Medical und Virtamed setzten sich gegen 24 Konkurrenten durch und ziehen ins Finale ein. Die Aleva Neurotherapeutics S.A., Lausanne, kandidiert mit einer neuen Generation von Systemen zur Tiefenhirnstimulation, die zum Ziel hat, den Therapieerfolg beispielsweise bei Parkinsonpatienten zu verbessern. Die Rheon Medical S.A., Préverenges, tritt mit der Eye Watch an, dem weltweit ersten nicht-invasiven Druckausgleichsystem für Glaukome zur Behandlung des grünen Stars. Die Virtamed AG aus Schlieren schaffte die Nomination mit Chirurgiesimulatoren, die es Ärztinnen und Ärzten ermöglichen, ihre Operationsfertigkeiten mittels Virtual Reality in einer sicheren Umgebung zu trainieren. „Ich bin immer wieder aufs Neue beeindruckt über die Innovationskraft der Schweizer Medizintechnik-Branche. Hinter jeder dieser technischen Entwicklungen steckt viel Arbeit, Beharrlichkeit und Leidenschaft. Alle drei nominierten Unternehmen haben mit ihren Produkten bereits Erfolg am Markt“, kommentiert Peter Biedermann, Geschäftsleiter Swiss Medtech, den Juryentscheid. Der Innovationspreis ist mit 50 000 Schweizer Franken dotiert.

Schweizer Hersteller müssen MDR-Aufschub nutzen

Eine coronabedingte Entwicklung kommt aktuell der Schweizer Medizintechnikbranche entgegen: Die Entscheidung des EU-Parlaments, den Geltungsbeginn der Medical Device Regulation (MDR) um ein Jahr zu verschieben. Diese Verschiebung schließt mit ein, dass Schweizer Medizinprodukte bis am 26. Mai 2021 wie bisher – also ohne die Anforderungen eines Drittstaates erfüllen zu müssen – im EU-Binnenmarkt in Verkehr kommen dürfen. Eine Umfrage des Medizintechnik-Verbands Swiss Medtech zeigt, wie entscheidend das gewonnene Jahr für die Bereitschaft der Branche bezüglich Drittstaatanforderungen ist: Im Mai 2020, dem ursprünglichen Geltungsbeginn der MDR, wären 28 % der Schweizer Hersteller noch nicht bereit gewesen. Zusammen hätten sie einen Umsatzverlust von schätzungsweise 0,8 Mrd. Schweizer Franken im ersten Jahr erlitten, so Peter Biedermann. Dieser Anteil reduziere sich laut Umfrage per Mai 2021 auf 9 % oder 0,4 Mrd. Schweizer Franken.

Mutual  Recognition Agreement: Auf alles vorbereitet sein

Die gewonnene Zeit sollten die Unternehmen nun nutzen, um sich auf die Eventualität vorzubereiten, dass das Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Konformitätsbewertungen (Mutual Recognition Agreement, MRA) auch in einem Jahr nicht aktualisiert ist, so Medtech-Experte Biedermann: „Will die Branche den Warenexport in die EU lückenlos und unabhängig von der politischen Situation EU – Schweiz sicherstellen, muss sie auf diese Eventualität vorbereitet sein.“


Branchentreff Swiss Medtech Day

Wie wird die Pandemie die Welt verändern, welchen langfristigen Effekt hat sie auf die Schweiz? In seiner Keynote zur Eröffnung des diesjährigen Swiss Medtech Day am 21. September 2020 präsentiert Dr. Peter Grünenfelder, Direktor von Avenir Suisse, dazu die Analysen und Prognosen der Denkfabrik.

Der Swiss Medtech Day wird vom Verband Swiss Medtech im Kursaal Bern durchgeführt. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde er vom Juni in den September geschoben.

Im Zentrum des jährlich stattfindenden Schweizer Medizintechnik-Events mit über 650 Teilnehmern steht neben Fachvorträgen, den Breakout-Sessions, einer Poster-Ausstellung sowie dem Science Slam auch eine Ausstellung mit über 50 Unternehmen. Themen der Breakout-Session sind unter anderem KI, Innovationsförderung, Start-up-Förderung, aktuelle Forschungstrends und die Herausforderungen digitaler Therapielösungen. Ein Highlight ist die Verleihung des Swiss Medtech Award während der Veranstaltung.

www.swissmedtechday.ch


Kontakt zum Schweizer Medizintechnikverband:

Swiss Medtech
Freiburgstr. 3
CH-3010 Bern

www.swiss-medtech.ch


Mehr zum Thema Auslandsmärkte
Anzeige
Aktuelle Ausgabe
Titelbild medizin technik 4
Ausgabe
4.2020
LESEN
ABO
Titelthema: Superkrankenhäuser in Skandinavien

Warum Skandinavien bei der Patientenversorgung auf Superkrankenhäuser setzt

Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Alle Webinare & Webcasts

Webinare aller unserer Industrieseiten

Aktuelles Webinar

Multiphysik-Simulation

Medizintechnik: Multiphysik-Simulation

Whitepaper

Whitepaper aller unserer Industrieseiten

Kalender

Termine für die Medizintechnik-Branche

Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de