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Dänemark setzt auf bessere ambulante Versorgung im Krankenhaus

Krankenhauslandschaft Dänemark
Mehr ambulante Versorgung, weniger stationäre Betten

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Carolina Lohfert Praetorius ist im Vorstand der Lohfert-Praetorius A/S, Kopenhagen, tätig (Bild: Lohfert Praetorius / Bertram Solcher)
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Dänemark hat seit der Gesundheitsreform 2007 die Zahl der Versorgungsregionen und seiner Kliniken deutlich reduziert. Welche Vorteile die Zentralisierung bietet und was das Nachbarland Deutschland daraus lernen kann, erläutert Krankenhausplanungsexpertin Carolina Lohfert Praetorius.

Susanne Schwab
susanne.schwab@konradin.de

Frau Lohfert Praetorius, was waren die Kernthemen der Krankenhausreform in Dänemark?

Die Gesundheitsreform von 2007 hat zu einer Modernisierung der Krankenhauslandschaft geführt. Ziel der Reform war es, die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern. Zum einen gelang dies durch das Bündeln von Fachkompetenz an konzentrierten Behandlungszentren, den sogenannten Superkrankenhäusern. Ein anderer Schwerpunkt war die Verbesserung der Patientensteuerung. Dies gelang durch das Etablieren großer interdisziplinäre Notfallaufnahmen, die als erste Anlaufstelle der Patienten dienen und von wo aus die weitere Behandlung individuell gesteuert wird.

Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile der neuen Krankenhausstruktur mit ihren Superkrankenhäusern?

Die Patienten in Dänemark werden heute durch ein gut funktionierendes Leitsystem am „richtigen“ Standort mit einer höheren Qualität versorgt. Die neue Struktur ermöglicht eine bessere Ausstattung mit diagnostischen Untersuchungen. Dies resultiert in einer effizienteren Diagnostik und verbesserten Behandlungsqualität für die Patienten. Dadurch konnte die Verweildauer deutlich reduziert werden und die Anzahl der ambulanten Behandlungen gesteigert werden.

Gibt es auch Kritikpunkte an den neuen Superkrankenhäusern?

Es gab die Kritik, dass die neue Krankenhausstruktur und die größeren Einzugsgebiete zu längeren Anfahrten für die Patienten führen wird. Seit Inbetriebnahme der Superkrankenhäuser führt die verbesserte Behandlungsqualität jedoch zu einer höheren Patientenzufriedenheit. Dadurch werden die längen Anfahrtszeiten nicht mehr kritisiert.

Was kann Deutschland von der dänischen Krankenhausstruktur lernen?

Deutschland könnte lernen, dass eine Zentralisierung tatsächlich zu einer Verbesserung der Patientenversorgung führt. Zwar werden die Einzugsgebiete größer, aber durch die spezialisierten Krankenhäuser und Schwerpunktzentren erhöht sich das entsprechende Fachpersonal im Krankenhaus. Die Patienten werden dort behandelt wo die beste Expertise vorhanden ist, und nicht am Krankenhaus um die Ecke. Die Bettenzahl musste bei uns durch eine Verweildauerreduktion um 20 Prozent verringert werden. Und durch die Modernisierung der Klinken, beispielsweise hin zu mehr Einzelzimmer, erreichen wir eine höhere Patientensicherheit, denn es gibt weniger krankenhausbedingte Infektionen. Grundsätzlich gibt es in Dänemark jeweils ein Akutkrankenhaus mit interdisziplinärer Notaufnahme für 400 000 Einwohner. In dünn besiedelten Gebieten sind es jedoch nur 200 000 Einwohner.

Warum sind die skandinavischen Länder weiter bei Umsetzung moderner Krankenhausstrukturen?

Die Umsetzung in den skandinavischen Ländern wird dadurch begünstigt, dass die nationalen Gesundheitssysteme zentral finanziert werden. Dadurch konnte beispielsweise in Dänemark der Staat 2007 die Modernisierung der Krankenhausstruktur beschließen und die Investitionsmittel bereitstellen. Es wird dabei eine achtprozentige Einsparung der Betriebskosten der Superkrankenhäuser gegenüber den ursprünglichen Kosten erwartet.

Welche Aufgaben hat Lohfert Praetorius in der Krankenhausreform übernommen?

Wir haben bei der Umsetzung der Krankenhausreform für die dänischen Superkrankenhäuser die regionale Strukturplanung mit der Schwerpunktbildung sowie die Ziel- und Gesamtplanung der einzelnen Krankenhäuser übernommen. Dazu gehört auch die baulich-funktionellen Umsetzung. Unter anderem beinhaltet das die Erstellung von Raum- und Funktionsprogrammen und auch das Planen der Betriebsorganisation.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Krankenhausstruktur in den kommenden Jahren in Skandinavien weiter verändern?

Die Reform hat in den letzten Jahren den Fokus auf den Neubau der Superkrankenhäuser gelegt. In den kommenden Jahren wird zudem die Sanierung der weiterhin bestehenden Gebäude erfolgen müssen. Beispielsweise wurde durch die Reform am Rigshospital, Universitätsklinik in Kopenhagen, nur ein Teil der Krankenhausstruktur neu gebaut. Demzufolge ergibt sich ein Bedarf für die Sanierung der Bestandsgebäude, die ja weiter genutzt werden.


Weitere Informationen

Lohfert Praetorius A/S sind Experten im Bereich der Krankenhausplanung. Das Unternehmen entwickelt die Krankenhäuser der Zukunft in einem kontinuierlichen Planungsprozess, mit dem Ziel, die wirtschaftliche Situation von Krankenhäusern durch aktive Veränderung von Strukturen, Organisationen, Prozesse und bauliche Funktionalität zu verbessern. Dabei stehen Patienten, Angehörige und Mitarbeiter in den Krankenhäusern im Vordergrund. In mehr als 50 Jahren wurden nahezu 2000 Projekte an Krankenhäusern und Universitätskliniken durchgeführt. Durch die Tätigkeit im skandinavischen und deutschsprachigen Raum beispielsweise Norwegen, Dänemark, Deutschland, Österreich und in der Schweiz verfügt Lohfert-Praetorius über Erfahrungen aus zahlreichen Projekten mit unterschiedlichen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen.

http://lohfert.as


Kontakt zum Krankenhausplanungsexperten:

Lohfert-Praetorius A/S
Hjorthøj 12
2800 Kgs. Lyngby
Dänemark
http://lohfert.as


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