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Japan: Gesundheitsmarkt für eine alternde Bevölkerung

Gesundheit in Japan
Big in Japan – Wachstumsmarkt für Medizintechnik mit hohen Ansprüchen

In Japan ist die Medizintechnik eine zentrale Wachstumsbranche. Personalmangel stellt das japanische Gesundheitssystem jedoch vor große Herausforderungen. Die starke Nachfrage nach leistungsstarken Technologien und Lösungen bietet Chancen für ausländische Hersteller.

Susanne Schwab
susanne.schwab@konradin.de

Kultur und Traditionen gehören in Japan ebenso zum Leben wie Hightech in der Industrie und Verkehrschaos auf der Shibuya-Kreuzung in Tokyo. Rund 126 Millionen Menschen bevölkern den Inselstaat vor der Ostküste Asiens. Über 79 000 davon sind nach UN-Schätzungen 100 Jahre oder älter. Damit hat das Land den größten „Club der Hundertjährigen“ der Welt. Dass viele Japaner so alt werden, führt die Wissenschaft auch auf die traditionelle Küche, den medizinischen Fortschritt und ein höheres Gesundheitsbewusstsein zurück – ergänzt durch eine kostengünstige, allgemeine Gesundheitsversorgung für alle Einwohner. Im japanischen Gesundheitssystem, das darauf abzielt, allen Menschen den gleichen Zugang zu erschwinglicher medizinischer Versorgung zu ermöglichen, übernimmt die Regierung 70 % der Kosten. Die restlichen 30 % tragen die Patienten.

Demografischer Wandel erfordert Anpassung des Gesundheitssystems

Weiterhin eine gute und bezahlbare Gesundheitsversorgung in Japan zu gewährleisten, dürfte aufgrund des demografischen Wandels für die Regierung jedoch zu einer Herausforderung werden. Das sagt Shigeru Aoyagi, Chief Portfolio Manager beim Beratungsunternehmen Nikko Asset Management Co., Ltd. mit Hauptsitz in Tokyo. „Die Bevölkerung Japans altert schnell. Entsprechend steigen die Kosten für die Behandlung älterer Menschen stetig an.“ Auch der Ausbruch von Covid-19 habe die Notlage des Systems deutlich gemacht, in dem Personal fehlt. Japans Regierung setzt deshalb auf leistungsstarke Medizintechnik, um das universelle Gesundheitssystem des Landes sichern zu können und das Personal zu entlasten.

Für die Medizinprodukte-Zulassung in Japan den richtigen Partner suchen

Hightech aus Deutschland – mit Service erfolgreich

Nach Angaben der Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH (Gtai) gehört Japan zu den größten Märkten für Medizintechnik weltweit mit einem Volumen, das je nach Quelle und Definition von 30 Mrd. US-Dollar bis zu fast 40 Mrd. US-Dollar reicht. Seine Versorgung sichert das Land mit modernster Medizintechnik überwiegend aus dem Ausland. Wichtigster Importposten sei die Orthopädietechnik, vor anderen Instrumenten, Apparaten und Geräten. USA ist größtes Lieferland, aus Deutschland kommen hauptsächlich Röntgenapparate sowie Orthopädietechnik. Bei Schutzkleidung, Masken und einfacher Medizintechnik ist China der Hauptlieferant. Auf Service und Zuverlässigkeit wird Wert gelegt.

Der Medizintechnikhersteller Richard Wolf GmbH aus Knittlingen ist seit vielen Jahren mit einer Niederlassung in Tokyo auf dem asiatischen Markt tätig. Um eine weitere Basis für den Ausbau der Geschäfte im strategisch wichtigen japanischen Wachstumsmarkt zu legen, übernahm 2019 Tochterunternehmen Riwospine GmbH den lokalen Handelspartner in Japan und gründete eine eigenverantwortliche Geschäftseinheit innerhalb des japanischen Richard-Wolf-Tochterunternehmens Richard Wolf K.K.. „Die Zusammenführung etablierter lokaler Strukturen für Vertrieb und Marketing sowie deren Optimierung, um neue Geschäftsfelder und Märkte profitabel zu entwickeln, war das Ziel der Installation des neuen Japan-Teams“, so Dirk Göthel, General Manager und Prokurist von Riwospine. Das Unternehmen fertigt endoskopische Systeme für die minimal-invasive Chirurgie.

Roboter – in der Fertigung und im OP

Um die Abhängigkeit vom Import zu reduzieren und sich im lukrativen Medizintechnikgeschäft lokal und international besser zu positionieren, setzen japanische Unternehmen auf die Zukunftsfelder Roboter, künstliche Gewebe und Organe, minima-linvasive Behandlung sowie diagnostische Bildgebung. Auf die zukunftsfähige Hightech-Ausrüstung seiner Kliniken und Krankenhäuser mit insgesamt 1,62 Millionen Betten legt das japanische Gesundheitssystem großen Wert.

Zusammen mit Toshiba (jetzt Canon) und dem schwedischen Hersteller Getinge hat beispielsweise das Universitätskrankenhaus Okayama 20 neue Operationssäle eingerichtet – darunter einen Hybrid-OP. Das Großprojekt dauerte von der Planung bis zur Fertigstellung vier Jahre. Getinge war von Anfang an eingebunden und stand bei Raumplanung, Auswahl der Ausrüstung, OP-Integration und Synchronisierung von Tisch und Angiographiesystem zur Seite. Der Hybrid-OP wird vor allem für kardiovaskuläre Operationen und andere Thorax-Eingriffe eingesetzt. Modulare, in die Fenster integrierte Wand- und Deckenelemente zeigen Fotos der japanischen Gärten von Okayama.


Japan auf einen Blick

  • Japan ist der viertgrößte Inselstaat
    der Welt und mit einer Fläche von 378 000 km2 etwas größer als Deutschland. Japan liegt östlich vom asiatischen Festland, etwa auf gleicher Höhe mit Nord- und Südkorea. Weitere Nachbarn sind China, Taiwan und Russland. Japan besteht aus den vier Hauptinseln Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu. Daneben gibt es über 6800 kleinere Inseln. Im Großraum der Hauptstadt Tokio lebt rund ein Viertel der Bevölkerung.
  • Von den rund 126,1 Millionen Einwohnern sind fast 30 % älter als 65 Jahre. Der Bedarf an Lösungen für die Medizin und den Pflege-Bereich ist entsprechend hoch.
  • Die Mitgliedschaft in Japans Nationalem Gesundheitssystem (NHI) ist für alle Menschen – auch für Ausländer –, die länger als ein Jahr in Japan leben, verpflichtend. Die Versicherungsbeiträge variieren je nach Zugehörigkeit zum Versicherungssektor. Sie sind teilweise beitragsfinanziert – ein gewisser Prozentsatz wird vom Gehalt zur Finanzierung des Systems abgezogen.
  • In Japan werden Einrichtungen mit bis zu 20 Betten als Klinik und ab 20 Betten als Krankenhäuser definiert. Dementsprechend gab es 2019 rund 8300 Krankenhäuser und 103  600 Kliniken. Hausarztpraxen wie in Deutschland gibt es nicht. (Quelle: Gtai)

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