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Investitionen in Medizintechnik für den Wachstumsmarkt Vietnam

Wachstumsmarkt Vietnam
Investitionen in Medizintechnik sollen das Land stärken

Als sozialistisches Land hat Vietnam sein Gesundheitssystem auf eine Verfügbarkeit für breite Bevölkerungsschichten ausgerichtet. In seiner Leistungsfähigkeit hinkt es zwar deutlich hinter anderen Ländern der Asean-Region her, als Abnehmer deutscher Medizintechnik gehört Vietnam aber zu den Top 3.

Susanne Schwab
susanne.schwab@konradin.de

Das Pulslesen ist eine der wichtigsten diagnostischen Methoden in der traditionellen vietnamesische Medizin. Es erfordert nicht nur eine angeborene Begabung, sondern auch ein intensives Studium: Mit nur drei Fingern am Handgelenk des Patienten lassen sich nach dem ayurvedischen Prinzip Organe und deren Störungen im Körper erfühlen – und dann die entsprechenden Behandlungen einleiten.

Noch heute hat die traditionelle Medizin in Vietnam einen hohen Stellenwert im Gesundheitswesen und wird staatlich unterstützt. Vietnamesische Krankenhäuser verfügen über Abteilungen für traditionelle Heilverfahren und staatlich geförderte Initiativen und Forschungsprojekte sind darauf ausgerichtet, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu verbessern und gleichzeitig traditionelle Heilmethoden zu erhalten.

90 % der Medizinprodukte kommt aus dem Ausland

„Die Medizintechnik hat großes Wachstumspotenzial in Vietnam mit seinen 96 Millionen Einwohnern“, sagt Le Nhu Hung, der als Projektmanager bei der AHK Vietnam den Medtech-Markt betreut. Komplexe medizinische Ausrüstungen müssen in der Regel jedoch im Ausland eingekauft werden. „Aktuell importieren wir etwa 90 Prozent der Medizinprodukte, die wir benötigen“, erklärt Le Nhu Hung. Dabei profitieren deutsche Firmen vom guten Ruf ihrer Produkte.

Neben der demografischen Entwicklung lässt auch die 2015 eingeführte staatliche und verpflichtende Krankenversicherung in Vietnam, in der bis Ende des Jahres fast 92 % der Bevölkerung erfasst sein sollen, den Bedarf an medizinischen Dienstleistungen ansteigen. Etwa 45 % der gesamten medizinischen Ausgaben werden nach Angaben des vietnamesischen Gesundheitsministeriums jedoch privat getragen, was die hohe Bereitschaft der Bevölkerung zeigt, für gute medizinische Versorgungen zu zahlen. Bis 2020 machte der private Gesundheitssektor lediglich 20 % der Klinikbetten aus, so Le Nhu Hung. Er sieht darin viel Entwicklungs- und Ausbaupotenzial, „damit die reichere Bevölkerungsschicht nicht in das benachbarte Ausland wie Singapur gehen muss, um sich dort medizinisch behandeln zu lassen“.

Investitionen in den Ausbau der Krankenhauslandschaft

Von den insgesamt 1300 Krankenhäusern des Landes sind 1100 staatlich, in den ländlichen Regionen fehlen Gesundheitsinstitutionen, und die medizintechnische Ausstattung ist meist veraltet: Um auf diese Entwicklung zu reagieren, investiert die vietnamesische Regierung unter anderem in Diagnosegeräte und präventive Maßnahmen. Zudem plant das Gesundheitsministerium den Bau von 46 Hospitälern auf dem Land sowie von weiteren Krankenhäusern für traditionelle Heilkunde. Auch die Errichtung von Satellitenhospitälern ist angedacht.

„Deutsche Zulieferungen bei Bau und Ausstattung sind insbesondere dann gefragt, wenn hochwertige, komplexe Technologie angefordert wird“, erklärt Frauke Schmitz-Bauerdick von der Gtai in Hanoi. „Insbesondere in den Bereichen bildgebende Verfahren stehen deutsche Anbieter oben an.“ Aber auch Orthopädietechnik genieße in Vietnam hohes Ansehen und werde angesichts einer älter und kränker werdenden Bevölkerung zunehmend nachgefragt und wichtiger.

Vision 2030: Ausbau der Medtech-Industrie

Für den Medizintechnikmarkt Vietnam prognostiziert das Marktforschungsinstitut Business Monitor International (BMI) bis 2023 ein durchschnittliches Wachstum von knapp 10 % pro Jahr und eine Steigerung der Marktumsätze auf rund 2 Mrd. US-Dollar. Rein vietnamesische Unternehmen fokussieren sich laut Gtai bislang auf die Produktion von Klein- und Verbrauchsmaterialien wie Einwegspritzen, Kanülen und Handschuhen. Die Strategie der Regierung zur Entwicklung der Medizintechnikindustrie bis 2025 mit einer Vision bis 2030, sieht, laut Gtai, aber neben einer Steigerung der Produktionskapazität in eher einfacheren medizintechnischen Geräten wie Sterilisationsapparaten, auch die Entwicklung technisch anspruchsvoller Technologie wie bildgebender Verfahren vor.

Im Januar 2020 führte die AHK Vietnam eine Umfrage zum Marktentwicklungsprogramm „Vietnam Healthcare 2020“ durch, um die Interessen und Bedürfnisse deutscher Unternehmen, ihre Absichten und Erwartungen bei der Erforschung und Erschließung des vietnamesischen Gesundheitsmarktes zu ermitteln. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass Vietnam ein attraktives Investitionsziel für deutsche Unternehmen im Gesundheitssektor ist, insbesondere seit das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Vietnam im Juli 2020 in Kraft getreten ist.

Freihandelsabkommen sorgt für besseren Marktzugang

Deutsche multinationale Unternehmen und deutsche KMU bestätigten ihr Interesse an Geschäften in Asien (86 %) und an der Gründung von Unternehmen in Vietnam (66 %). Derzeit ist Deutschland wichtigster Handelspartner in der EU und hinter den USA und vor Japan und China zweitwichtigster Lieferant von Medizintechnik mit einem Gesamteinfuhrwert von 153 Mio. US-Dollar im Jahr 2018.

Auch der Verband Spectaris begrüßte das Freihandelsabkommen und die neuen Möglichkeiten für das Vietnam-Geschäft. „Die Unternehmen profitieren sowohl von einem verbesserten Zugang zum öffentlichen Beschaffungsmarkt in Vietnam als auch vom Abbau von nicht-tarifären Handelshemmnissen und Vereinfachungen bei den Handelsregeln“, so Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer. Durch das Freihandelsabkommen haben europäische Unternehmen künftig die Möglichkeit, bei öffentlichen Ausschreibungen mitzubieten und an den vielversprechenden Geschäftsmöglichkeiten teilzuhaben, die der Wachstumsmarkt Vietnam bietet.


Weitere Informationen

Zur Außenhandelskammer:

www.vietnam.ahk.de

Zur Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing:

www.gtai.de

Zum Industrieverband:

www.spectaris.de


Zugang zum Gesundheitsmarkt

Ausländische Hersteller, die Geräte nach Vietnam liefern wollen, müssen einschlägige Klassifizierungs- und Registrierungsvorschriften beachten:

Seit dem 1. Januar 2019 wird eine im Ausland vorgenommene Klassifizierung von Medizingeräten in Vietnam nicht mehr akzeptiert. Stattdessen ist eine Klassifizierung durch lokale Institutionen vorgeschrieben. Ebenfalls seit 2019 ist jedem Registrierungsantrag für Geräte in der niedrigsten Risikokategorie A ein sogenanntes Certificate of Free Sale (CFS) beizufügen, das vorher nicht erforderlich war. Bei Geräten aus Deutschland ist in diesem Fall eine gesonderte Bescheinigung über die Verkehrsfähigkeit des Medizinprodukts in Deutschland zu beantragen, da das CE-Kennzeichen nur den Vertrieb innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums ermöglicht.

Umgekehrt gibt es aber auch Erleichterungen: Für Geräte in den Kategorien B, C und D 3 I ist eine neue „Fast-Track-Zulassung“ vorgesehen, wenn das betreffende Produkt bereits in zwei Ländern aus einer Referenzgruppe (Japan, Kanada, Australien, USA oder EU) im Umlauf war. Ausländische Hersteller können in Vietnam Repräsentanzbüros gründen, die als Antragsteller für die lokale Zulassung der importierten Geräte auftreten.


Vietnam – Mitglied im ASEAN-Verbund

Die zehn Länder des ASEAN-Staatenbundes – Brunei Darussalam, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam – bilden zusammen einen der dynamischsten Wirtschaftsräume der Welt. Die realen Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beliefen sich in den letzten Jahren vor Ausbruch der Corona-Pandemie auf rund 5 %. Die Wirtschaftsleistung lag 2019 bei gut 3 Bio. US-Dollar und damit deutlich über der Frankreichs oder des Vereinigten Königreichs.

Der Staatenbund erstreckt sich über eine Fläche von rund 4,5 Mio. km2 und ist damit größer als die EU. Entsprechend heterogen ist die Struktur der Region: Die Mitgliedsstaaten weisen große Unterschiede in ihren Kulturen, politischen Systemen sowie in ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung auf. Die höchsten Wachstumsraten der Region verzeichnen Vietnam, Kambodscha oder Myanmar.

Der gesamte Markt für Medizintechnik in der ASEAN-Region soll laut Business Monitor International bis 2021 eine Größe von 8,5 Mrd. US-Dollar erreichen. Die größte Nachfrage kommt dabei von den öffentlichen Einrichtungen, die in den meisten Mitgliedsstaaten die Grundversorgung sicherstellen Insgesamt zählt der Staatenbund rund 660 Mio. Einwohner – anderthalb Mal so viele wie die EU.

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