Festival der Zukunftsmedizin

Weniger Festival bei der Xpomet, aber viel Digitalisierung in der Medizin

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Xpomet in Berlin | Zum zweiten Mal luden die Veranstalter der Xpomet zum „Festival der Zukunftsmedizin“, wie sie es selbst beschrieben. Im Wesentlichen allerdings war die Xpomet in Berlin dieses Jahr ein klassischer Kongress mit Ausstellermesse.

Susanne Donner
Wissenschaftsjournalistin in Berlin

Die Aufbruchstimmung der ersten Xpomet ist etwas verflogen, gut 3100 Besucher kamen nach Angaben der Veranstalter an den drei Tagen zum Festival der Zukunftsmedizin nach Berlin. Als Besonderheit und echte Attraktion sind die „Showcases“ geblieben, die auch bei der Veranstaltung 2018 herausstachen. Die durchinszenierten und -moderierten Vorführungen neuer Medizintechnik- und Digital-Health-Produkte waren wieder ein Publikumsmagnet.

Die Themen der diesjährigen Xpomet, die von der Berliner Xpomet Innovation in Medicine GmbH veranstaltet wurde, waren ansonsten so vielfältig wie der Fortschritt dieser Tage. Im weitesten Sinne ging es um Digitalisierung und Technisierung der Medizin. Beide erreichen nicht nur den OP, sondern, wie Beispiele zeigen, auch die Pflege.

Showcases bleiben die Highlights bei der Xpomet

Besonders eindrucksvoll erzählte davon ein spacig anmutendes Pflegebett mit integriertem Roboter namens Vemo. Darin liegt der Patient, während seine Beine – umschlossen von kräftigen Manschetten – durch einen am Bett befestigten Roboter bewegt in einer Art mechanischer Physiotherapie werden. Das Bett kann dabei fast senkrecht aufgestellt werden. Dem Hersteller zufolge, der Reactive Robotics GmbH aus München, soll das Roboterbett in der Frühmobilisierung von Intensivpatienten etwa nach einem Schlaganfall zum Einsatz kommen. Ein Physiotherapeut muss das Training aber begleiten.

Auch eine intelligente Windel mit zugehöriger App Assistme von der Assistr Digital Health Systems GmbH aus Berlin soll Pflegekräften die Arbeit erleichtern. Sensoren melden, wenn der Schutz gewechselt werden muss. Künftig soll die Windel auch die Bewegung der Patienten im Bett erfassen und warnen, bevor sich ein gefährlicher Dekubitus entwickelt.

Sprechendes Krankenzimmer als Modellversuch

Erstmals präsentierte sich Hospimatix von der Düsseldorfer Futurego GmbH auf der Messe mit seiner Vision vom sprechenden Krankenzimmer. Dieses wird in einem Klinikum bei Hamburg getestet. Dort können Patienten durch bloßes Ansagen das Licht löschen, Rollos schließen, ein Wasser verlangen oder melden, wenn der Urinbeutel voll ist. Ein Spezialmikrofon an der Decke erfasst die Wünsche, und eine Spracherkennung setzt sie um.

Technisierung im OP ist schon ein paar Jahre alt, kam jedoch in Deutschland verglichen mit den USA langsamer voran. Noch immer bevorzugen viele Chirurgen, selbst Hand anzulegen. Doch der vom Deutschen Luft- und Raumfahrzentrum entwickelte OP-Roboterarm Miro ist besonders handlich und leicht, basierend auf Innovationen in der Luft- und Raumfahrttechnik, erläutert Julian Klodmann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Weßling. Ein Roboterarm kann um weitere Arme desselben Bautyps ergänzt werden. Der Medizintechnikunternehmen Medtronic werde das System künftig vermarkten.

Auf nach Dänemark, dort lockt die digitale Gesundheitsakte

Aber nicht nur bei OP-Robotern ist Deutschland vergleichsweise zögerlich, sondern auch bei der Digitalisierung. Cornelius Glismann übersiedelte mit seinem Unternehmen Corporate Health sogar von Deutschland nach Dänemark, weil dort die elektronische Patientenakte für alle schon seit fünf Jahren existiert. Diese lückenlose IT-Gesundheitsinfrastruktur braucht er für seine Innovation: eine Videokamera in Tablettenform – für die Darmspiegelung allein zuhause.

Im Rahmen der Darmkrebsvorsorge bekommen Patienten mit auffälligem Stuhltest in Dänemark eine Darmspiegelung angeboten, wie auch in Deutschland. Mühsam sei es aber in Dänemark, aus einer der entlegenen Regionen in eines von fünf Krankenhäusern zu fahren, so Glismann. Sein Unternehmen bietet für die Landbewohner deshalb eine Videokamera in Pillenform, die der Patient zuhause einfach schluckt. So wird der Darm während der sechs- bis achtstündigen Passage der Kapsel gefilmt.

Ohne elektronische Gesundheitsakte keine Darmspiegelung Zuhause

Bei sechshundert Patienten habe das gut funktioniert, sagt Glismann. Die Aufnahmen würden digital überspielt und von Experten ausgewertet. Das Homevideo hätte, weil mehr Bilder je Zeiteinheit vorhanden seien, oft eine bessere Qualität als herkömmliche Aufnahmen. Das Ergebnis wird, so die Idee, in die elektronische Patientenakte eingespielt und vom Hausarzt in Dänemark erklärt. Nach Ablauf einer klinischen Studie mit 2000 Probanden möchte Glismann künftig in die dänische Regelversorgung aufgenommen werden. In Deutschland kann man mit dem Produkt bis dato nichts anfangen, da eine flächendeckende einheitliche Gesundheitsakte noch fehlt.

Vertrauter Standard ist das digitale Gesundheitswesen auch schon in Estland, wo sich alle Bürger über einen Code auf dem Personalausweis in ein elektronisches Gesundheitssystem einloggen und ihre Diagnosen und Rezepte sehen können. Die Daten seien anonym auf nicht internetfähigen Rechnern gespeichert, berichtete Jaanus Pikani, Generalsekretär des estnischen Sozialministeriums auf der Xpomet.

Mehr Vertrauen in kontrollierte Daten als in Akten aus Papier

Die deutschen Kollegen staunten und fragten nach dem Vertrauen der Bürger in dieses staatliche System. Das Vertrauen sei größer als das in Papierakten über einen Patienten, von denen man nicht weiß, was damit geschehe, entgegnete Pikani. Denn in den digitalen Daten könnten die Bürger sehen, wer diese angeschaut habe, und wenn jemand unbefugt einen Blick darauf geworfen hätte, könne diese Person ihre Stelle verlieren. Einziger Nachteil: Der Forschung sind die Gesundheitsdaten bisher nicht zugänglich. Das solle sich laut Pikani künftig ändern.

Estland, Schweden und Dänemark sind also weiter in puncto Digitalisierung im Gesundheitswesen, aber auch viel kleiner als Deutschland. Was man wirklich von den Nachbarn lernen kann, blieb daher bei den Xpomet-Vorträgen offen: zu verschieden sind die Gesundheitssysteme, die Mentalität und die Bevölkerungsstruktur.

https://xpomet.com


Kontakt zum Veranstalter:

Xpomet Innovation in Medicine GmbH
Tucholsky Str. 13
10117 Berlin
Tel. +49 (0)30-22479304
E-Mail: info@xpomet.com

Über die Xpomet-Premiere

Neue Art von Veranstaltung soll entstehen

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