Startseite » Markt » Aus der Branche »

Textile Medtech-Lösungen auf der Techtextil

Messe Techtextil
Textiler Ersatz für Trommelfell und Hüftgelenk

REM_-_Quelle_Hohenstein.jpg
Im neuen Geschäftsbereich Hohenstein Medical werden Medizinprodukte unter anderem auf ihre Biokompatibilität geprüft nach DIN EN ISO 10993-18, -5 und -23 (Bild: Hohenstein)
Ein Trommelfellimplantat aus Fasern und eine textilverstärkte Hüftendoprothese, die besser in den Kochen einwachsen soll: Textilforscher aus Dresden und Aachen zeigen auf der Techtextil 2022 in Frankfurt ihre neusten Entwicklungen.

Vom 21. bis 24. Juni werden auf der Techtextil, Internationale Leitmesse für Technische Textilien und Vliesstoffe in Frankfurt/Main, zahlreiche Aussteller mit neuen Produkten, Materialien und Technologien für die Bereiche Medizin, Gesundheit und Hygiene erwartet. Mit einer Neuentwicklung präsentieren sich Forscher des Instituts für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik (ITM) und der Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Medizinischen Fakultät, beide TU Dresden: Sie haben ein textiles Ersatz-Trommelfell für Menschen mit einer Trommelfellverletzung entwickelt.

Naturgetreue Schallleitung dank Fasern

„Die textile Membran ermöglicht eine komplette, dauerhafte und naturgetreue Rekonstruktion des Trommelfells“, sagt Dr.-Ing. Dilbar Aibibu, Forschungsgruppenleiterin Bio- und Medizintextilien am ITM. Vergleichende Schwingungstests mit einem natürlichen Trommelfell und einem Implantat aus Knorpel hätten gezeigt: Das textile Ersatz-Trommelfell besitzt die gleichen Schwingungseigenschaften wie ein echtes Trommelfell. „Das ist bisher einmalig“, sagt Aibibu.

Textile Lösung für Hüftimplantate auf der Techtextil

Auch im Bereich der Hüftimplantate können sich die Besucher der Techtextil über neueste Forschungsergebnisse informieren. Die Implantation einer Hüftendoprothese gehört in Deutschland zu den häufigsten Operationen. In der Regel werden dabei zementfreie oder zementierte künstliche Ersatzhüftgelenke im Oberschenkelknochen verankert. „Gerade bei zementfreien Prothesen kann es bei der Verbindung von Endoprothese und umliegendem Gewebe mitunter zu Defiziten beim Einwachsen in den Knochen kommen“, sagt Caroline Emonts, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Textiltechnik (ITA) an der RWTH Aachen.

Keramikoberfläche mit dreidimensionaler Textilstruktur

Sollte sich eine Hüftendoprothese lockern, erklärt Emonts, seien Revisionsoperationen unvermeidbar. Genau das wollten sie und ihre Kollegen künftig verhindern. Gemeinsam mit Partnern aus der Medizintechnik entwickeln sie deshalb im Rahmen eines Forschungsprojekts eine textilverstärkte Prothese, die besser einwachsen soll. „Neu an unserem Ansatz ist die Composite-Struktur der textilen Endoprothese“, sagt Projektleiterin Emonts. Ihre spezielle das Einwachsen der Composite-Struktur in den Kochen erleichtern. Das verwendete Material ähnele außerdem dem Mineral Hydroxylapatit, dem Hauptbestandteil von Knochen. Erste „vielversprechende Zwischenergebnisse“ wollen die Textilforscher auf der bevorstehenden Techtextil präsentieren.

Medizinprodukteprüfungen: Hohenstein Medical unterstützt Hersteller

Die Hohenstein Institute aus dem baden-württembergischen Bönnigheim präsentieren auf der Techtextil ebenfalls eine Neuheit: Das auf Prüfung und Zertifizierung textiler Produkte spezialisierte Labor will in Frankfurt/Main seinen neuen Geschäftsbereich „Hohenstein Medical“ vorstellen. „Wir wollen damit Medizinproduktehersteller beim Nachweis der Wirksamkeit und Sicherheit auch nicht-textiler Medizinprodukte unterstützen“, sagt Dr. Anja Gerhardts, Leiterin des Bereichs Hygiene & Medical Devices der Hohenstein Institute. In dem 2021 gegründeten Geschäftsbereich prüfen derzeit 15 Personen Medizinprodukte wie Kanülen, Schläuche und Implantate auf Sicherheit, Biokompatibilität und Wirksamkeit.

Seit Corona größerer Bedarf an Prüfungen

Die Idee zu Hohenstein Medical sei, so Gerhardts, eine direkte Folge aus den Erfahrungen in der Corona-Pandemie: „Vor Corona war die Prüfung von Medizinprodukten ein eher kleines Geschäftsfeld, doch mit dem während der Pandemie verschärften Versorgungsnotstand ist die Nachfrage nach zertifizierten Mehrwegprodukten und Qualitätsprüfungen von Medizinprodukten sprunghaft angestiegen.“ Laut Gerhardts sei Hohenstein Medical für Medizinproduktehersteller auch vor dem Hintergrund der neuen EU-Medizinprodukteverordnung MDR (Medical Device Regulation) interessant.

Kontakt zur Messe:
Messe Frankfurt GmbH

Ludwig-Erhard-Anlage 1

60327 Frankfurt am Main

www.techtextil.messefrankfurt.com

Aktuelle Ausgabe
Titelbild medizin technik 3
Ausgabe
3.2022
LESEN
ABO
Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Titelthema: Theranostik in der Medizin

Wie theranostische Implantate und Systeme die Medizin verändern

Alle Webinare & Webcasts

Webinare aller unserer Industrieseiten

Aktuelles Webinar

Multiphysik-Simulation

Medizintechnik: Multiphysik-Simulation

Whitepaper

Whitepaper aller unserer Industrieseiten

Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de