Fahrzeug mit Autopilot: Strecke der Bertha Benz nachgefahren

Vollautomatisch durch Stadt und Land

Mit Hilfe einer detaillierten digitalen Karte können auch Kreisverkehre automatisch durchfahren werden Bild: Julius Ziegler
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Ein Mercedes-Benz S 500 Intelligent Drive hat per Autopilot die historische Strecke der legendären Fahrt von Bertha Benz über mehr als 100 Kilometer durch 24 Städte und Ortschaften zurückgelegt.

Fahrzeuge, die mitdenken und für mehr Sicherheit im Verkehr sorgen: Das ist Ziel eines gemeinsamen Projektes von Karlsruher Forschern und der Daimler AG. Mit videobasierter Ortung und Navigation sowie intelligenten Sensoren kann sich der Mercedes-Benz S 500 Intelligent Drive selbstständig in den fließenden Verkehr einfädeln, Kreuzungen sicher überqueren und Hindernisse erkennen. Dass das System funktioniert, haben die Partner nun auf einer besonderen Route demonstriert: Das autonome Fahrzeug fuhr die Strecke nach, die Bertha Benz vor 125 Jahren für die historische erste Langstrecken-Autofahrt wählte.

Das Fahrzeug legt dabei autonom die Route zurück, die auf über rund 100 Kilometern auf Bundes- und Landstraßen durch insgesamt 24 Städte und Ortschaften von Mannheim nach Pforzheim führt. Dafür wurde die Mercedes-Benz-S-Klasse unter Federführung der Daimler AG in einer Forschungspartnerschaft mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und dem FZI Forschungszentrum Informatik am KIT mit der entsprechenden Technologie ausgestattet.
Die Sensorik, über die das Fahrzeug seine Umgebung wahrnimmt, hat Daimler entwickelt. Sie ist in ähnlicher Weise bereits heute in der neuen E- und S-Klasse verfügbar. Dafür, dass das Fahrzeug auf die von seinen Sensoren gelieferten Daten auch reagieren kann, sorgen Verfahren, die Daimler gemeinsam mit dem Team um Professor Christoph Stiller am Institut für Mess- und Regelungstechnik des KIT und am FZI erarbeitet hat.
Bei der Entwicklung dieser Verfahren ging es vor allem darum, berechnen zu können, wie sich das Fahrzeug im Verkehr verhalten soll (Verhaltensgenerierung), um dann den optimalen Weg zu wählen (Trajektorienplanung). „Aus den Sensordaten bestimmt das System dann Lenkradwinkel, Beschleunigungen und Verzögerungen – kurz: wohin und wie schnell das Fahrzeug fahren soll“, sagt Stiller.
Für die Fahrt haben sich die Forscher auch mit Inhalten für die erforderlichen digitalen Karten beschäftigt. Sie sind mit den Karten, die heutigen Navigationssystemen zugrunde liegen, zwar vergleichbar, jedoch wesentlich detaillierter. „Diese Karten enthalten die Informationen, die das Fahrzeug während der Fahrt nicht oder nur schlecht selbst erfassen kann, etwa die Lage von Fahrkorridoren im Kreuzungsbereich, die Position von Ampeln oder auch Vorfahrtsregeln“, erläutert Julius Ziegler, Projektleiter am FZI, der das Projekt auf Karlsruher Seite gemeinsam mit Christoph Stiller koordinierte. Dafür muss das Fahrzeug in der Lage sein, seine Position jederzeit sehr genau zu bestimmen. „Für handelsübliche Navigationssysteme reicht eine Satellitenortung über GPS mit einer Genauigkeit von einigen Metern aus – für unser Vorhaben war allerdings eine zentimetergenaue Ortung erforderlich“, so Ziegler.
Weitere Informationen: Pressemeldung des KIT
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