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Industrie 4.0: Neue IT zieht ins alte Archiv

Industrie 4.0
Neue IT zieht ins alte Archiv

Industrie 4.0 | Um Ideen aus dem Industrie 4.0-Konzept umzusetzen, muss die IT im Unternehmen auf dem neuesten Stand sein. Ein Standort aus dem B. Braun-Konzern hat seine Infrastruktur mit einem ausfallsicheren und modularen System modernisiert. So greift er nicht auf die Ressourcen der Zentrale in Melsungen zurück.

Bernd Hanstein, Patricia Späth
Rittal, Herborn

In endlosen Reihen bewegen sich die Infusionsbehälter vom Typ Ecoflac durch die Produktionshalle, penibel überwacht durch automatische Sensoren. In seiner voll automatisierten Fertigungsstraße am Standort Glandorf setzt der B. Braun-Konzern die Ideen des Industrie-4.0-Konzeptes in die Tat um. Rund 50 Mio. Euro wurden hier investiert, und die Ecoflac-Produktionsumgebung EP 1000 gilt heute bei Experten als hoch modern. Mussten früher Monteure mit einem Laptop direkt an eine Maschine gehen, dort Daten erfassen oder hochladen, laufen heute alle Prozesse vernetzt ab – vom Rohstoffverbrauch über die SPS-Prozesssteuerung bis hin zur Compliance-konformen Dokumentation.

Die Verantwortlichen bei B. Braun hatten entschieden, dass die IT-Systeme für die Produktionslinie nicht im Rechenzentrum in der Firmenzentrale in Melsungen aufgebaut werden sollen. „Mit Einzug von immer mehr IT in die Produktionsumgebung benötigen wir eine leistungsfähige IT-Umgebung vor Ort“, erläutert Werner Mielenbrink, Leitung Medienversorgung bei B. Braun. Der schnelle Ausbau der IT-Infrastruktur sollte ohne größere Bauarbeiten möglich sein. Die Lösung dafür bot schließlich die Herborner Rittal GmbH & Co. KG mit ihrem Micro Data Center. Dieses schafft auf Rack-Ebene eine speziell gesicherte Umgebung für den ausfallsicheren Betrieb unternehmenskritischer IT-Systeme. Es ist modular aufgebaut und lässt sich an das Wachstum eines Unternehmens anpassen.

Server sind gegenüber Fremdzugriff geschützt

Für die Server wurde ein geeigneter Standort gesucht. Er sollte gegen Fremdzugriff gesichert werden und eine hochverfügbare Lösung unterstützen, denn eine kontinuierliche Produktion ist ohne unterbrechungsfrei arbeitende IT-Systeme nicht denkbar. Die in der Produktion erzeugten Datensätze werden in einer Anwendung für das Electronic Batch Recording (EBR) verarbeitet. Bei dieser papierlosen Chargendokumentation werden die Herstellvorschriften elektronisch abgebildet und die Prozesse und Ergebnisse gemäß der gesetzlichen Vorgaben dokumentiert. Damit gelingt es B. Braun, die Anforderungen in der pharmazeutischen Industrie automatisiert zu erfüllen.

Zwei Netzanbindungen für die Ausfallsicherheit

Schon bei der Planung hatten die IT-Experten ein gutes Gespür dafür, welche Anforderungen an die Netzwerkanbindung künftige IT-Infrastrukturen mit sich bringen würden. Als die Stadtwerke in Glandorf vor einiger Zeit die Gasleitungen erneuerten, organisierten die IT-Mitarbeiter zusammen mit der Telekom, dass in die geöffnete Straße auch gleich ein Glasfaseranschluss verlegt wurde. Davon profitiert die IT heute, denn es sind zwei unabhängige Netzanbindungen vorhanden, wodurch sich die Ausfallsicherheit der gesamten Infrastruktur verbessert.

Die neue IT-Infrastruktur benötigt etwa ein halbes Dutzend Serverschränke. Diese stehen heute dort, wo früher ein Archiv für Papierunterlagen war. Platz gab es, aber nicht die für ein Rechenzentrum notwendige Infrastruktur oder Sicherheitstechnik. Daher wurde der Raum zunächst entkernt und mit einer inneren Hülle versehen. Ursprünglich sollten einfache Serverschränke genutzt werden, diese erfüllten jedoch nicht die Anforderungen an den physikalischen Schutz der IT-Anlage. Das Micro Data Center, ein Datensafe für IT-Systeme, brachte schließlich die Lösung. Es ist an einem anderen Standort von B. Braun bereits im Einsatz.

Zukunftsfähige Lösung für mehr Industrie 4.0

Das Micro Data Center ist in verschiedenen Sicherheitsstufen verfügbar und ermöglicht es, IT-Komponenten wie Server, Storage oder Netzwerk in einem Schutzraum bis zur Widerstandsklasse 4 zu betreiben. Das Umhausungssystem richtet einen vollständigen Sicherheitsbereich um ein 19-Zoll-Rack ein. Darin findet IT-Hardware auf 42 oder 47 Höheneinheiten Platz. Somit bietet das System einen hohen Grundschutz gegen Diebstahl, Feuer, Fremdzugriff, Staub, Vandalismus, korrosive Gase und Löschwasser.

Die Lösung lässt sich zu einem kompakten Rechenzentrum ausbauen: Verfügbar sind Klimasplit-Systeme, Komponenten zur Stromversorgung und -verteilung wie USV und PDU, eine Brandschutzanlage sowie eine Monitoringlösung. Das modulare Konzept erlaubt auch eine Installation an schwer zugänglichen Standorten durch schrittweisen Aufbau. Die nachträgliche Ummantelung bestehender IT-Racks ist möglich.

Für den Standort Glandorf entschied sich B. Braun schließlich für zwei Installationen auf Basis des Micro Data Centers. Eine 3er- und eine 4er-Verkettung enthalten jeweils eine komplette und redundante IT-Umgebung, bestehend aus einmal drei und einmal vier IT-Racks inklusive Kühlung, Stromverteilung, Monitoring und Brandschutz.

www.rittal.de


Sichere IT-Systeme

Die Sicherheitsfunktionen des Micro Data Center sorgen dafür, dass im Fall eines Feuers die garantierten Brandschutzwerte von 90 min nach DIN 4102 (F90) eingehalten werden. So steigt die Innentemperatur innerhalb der ersten 30 min um maximal 50 °C, und die relative Luftfeuchte bleibt unter 85 %. Darüber hinaus dringen weder Staub noch starkes Strahlwasser (IP 56) in den Schrank ein. Auch der Grad des Einbruchschutzes kann gewählt werden. Rauchgase, die etwa beim Löschen eines Brandes rund um das Micro Data Center entstehen, können nicht eindringen.

Für die Überwachung des Gesamtsystems setzt B. Braun auf die Monitoringlösung CMC von Rittal
Bild: Rittal GmbH & Co. KG


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