Industrie 4.0 in der Medizintechnik-Branche

Die Perspektive stimmt

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Industrie 4.0 | Wer in IoT-Technologien investieren will, sollte genau hinschauen, in welchen Bereichen der Fertigung intelligente und vernetzte Systeme tatsächlich Vorteile bringen. Ein Faktor, der dabei nicht außer Acht gelassen werden darf, ist der Mensch. Gerade in der Medizintechnik sind die Herausforderungen komplex.

Jens-Peter Knauer
Fachjournalist in Leipzig

Die Kosten müssen sinken: Für 86 % der Mittelständler ist das das entscheidende Argument, das für die Einführung von Industrie-4.0-Lösungen in der Fertigung spricht. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des italienischen IT-Beratungsunternehmens Reply hervor. Die Studie „Reality-Check für die deutsche Fertigungsindustrie“ ist ein Stimmungsbarometer, das die wichtigsten Vorbehalte und Fehlurteile identifiziert, die im Mittelstand im Zusammenhang mit der Digitalisierung anzutreffen sind – etwa, dass Industrie 4.0 nur etwas für Großunternehmen sei.

Dabei werden immerhin drei von vier Mittelständlern ihre IoT-Investitionen in den kommenden drei Jahren erhöhen, bei Großunternehmen liegt der Wert nur unwesentlich höher. Als wichtigste Gründe nennen sie neben der Betriebseffizienz unter anderem Verbesserungen in der Lieferkette (54 %), neue Geschäftsmodelle und die Erhöhung der Produktqualität (jeweils 52 %). Kommt man auf die Herausforderungen zu sprechen, so steht die Datensicherheit an erster Stelle (69 %). Bemerkenswert ist, dass nur 38 % der Befragten die durch Industrie 4.0 erwarteten Veränderungen in der Unternehmenskultur als Problem erachten. Bei den Großen dagegen sind es zwei Drittel.

Sich neuen Technologien
spielerisch nähern

Perspektivisch ist die intelligent vernetzte Produktion natürlich auch in der mittelständisch geprägten Medizintechnik-Branche ein Thema. Für Dräger beispielsweise muss Industrie 4.0 einen klaren Nutzen bringen. Das bedeutet unter anderem, Prozesse effizienter zu gestalten und neue Fertigungsmöglichkeiten zu realisieren. „Ich sehe uns da eher noch in der Testphase, in der wir genau schauen, wo uns intelligente und vernetzte Systeme tatsächlich Vorteile bringen können“, berichtet Michael Adelhardt, Leiter Global Operations Excellence bei Dräger. „Neuen Technologien für die Produktion wollen wir uns dabei auch spielerisch nähern.“

Ein aktuelles Thema ist der 3D-Druck, mit dem sich zum Beispiel Kunststoffkomponenten eines Beatmungsgeräts herstellen lassen. „Abgesehen davon, dass wir lernen müssen, diese Teile für den 3D-Drucker optimal zu entwickeln, bestehen produktionsbedingte Herausforderungen“, erklärt Adelhardt. So bilden sich durch das verwendete Kunststoffpulver Fertigungsrückstände bei der Verarbeitung des verschmolzenen Granulats. „Bis wir nicht wirklich sicher sind, dass diese vollständig entfernt werden können, würden wir den 3D Drucker nicht zur Herstellung beatmungsluftführender Teile einsetzen.“

Künftig will das Lübecker Unternehmen zudem mit einem kollaborativen Roboter testen, wie die Mensch-Maschine-Kooperation am Arbeitsplatz in der Medizingerätefertigung funktionieren kann. Zusätzlich könnte auch Augmented Reality die Abläufe am Arbeitsplatz optimieren, etwa wenn der Weg der Hand zu den Schrauben und wieder zurück zum Gehäuse noch eindeutiger und sicherer beschrieben werden kann. „In jedem Fall müssen wir stets die hohen Qualitätsmaßstäbe für unsere Produkte im Blick behalten“, betont Michael Adelhardt und unterstreicht: „Der Mensch steht trotz Automation immer im Vordergrund.“

Damit spricht er einen wichtigen Punkt an. Denn bei aller Begeisterung über technologische Fortschritte spielt der Faktor Mensch eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung von Industrie 4.0. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA hat sich der Thematik angenommen und forscht am Arbeitsplatz der Zukunft. „Der Mensch als Dirigent der Produktion“ heißt das Entwicklungsfeld, das sich unter anderem mit der ergonomischen Optimierung des Arbeitsumfelds beschäftigt. So zeigen die Wissenschaftler im Applikationszentrum Industrie 4.0 einen adaptiven Arbeitsplatz, der sich automatisch auf die Körpermaße des Mitarbeiters einstellt. Eine nützliche Zusatzfunktion ist das Bio-Licht. Je nach Tageszeit, Stressbelastung oder Montageaufgabe wird die Lichtzufuhr automatisch reguliert. „Ein hoher Rotlichtanteil aktiviert, Blaulicht beruhigt hingegen“, erläutert Petra Foith-Förster, Leiterin des Applikationszentrums.

Es geht also nicht nur darum, für eine vernetzte, digitalisierte Produktionslinie die unter Kostengesichtspunkten effizienteste Lösung zu finden. Nach den Vorstellungen der Fraunhofer-Forscher sollen Industrie-4.0-Anwendungen auch den Mitarbeiter bestmöglich in seinem Arbeitsumfeld unterstützen. Eine Aufgabe, der sich die Unternehmen stellen müssen.

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