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Mit KI die Wunde besser behandeln

Wundversorgung
Mit KI die Wunde besser behandeln

Mit KI die Wunde besser behandeln
Raphael Brüngel will mit Hilfe von neuronalen Netzwerken die Datengrundlage für KI-gestützte Wundversorgung liefern (Bild: Tilman Abegg, Fachhochschule Dortmund)
Jede Wunde und ihr Heilungsprozess sind einzigartig. Ein Forscher will nun mit Hilfe von neuronalen Netzwerken die Datengrundlage für KI-gestützte Wundversorgung liefern. Mit ihnen sollen im Klinikalltag Wundstadien früh erkannt, Gewebeklassifikation, Verlaufsanalyse und Dokumentation erleichtert werden.

Wunden können sehr komplexe Gebilde werden, insbesondere, wenn sie chronisch geworden sind. Sie bestehen aus bis zu drei Hauptgewebetypen (Granulation, Fibrinbelag und Nekrosen), deren Kombinationsvielfalt vermutlich die der Farben in Renaissancegemälden übertrifft. Jede Wunde ist einzigartig. Ihre sichere Einordnung ist komplex.

Genauso einzigartig ist ihr Heilungsverlauf. Hierbei spielen zahlreiche individuelle und medizinisch relevante Faktoren eine Rolle – Lebensalter, allgemeine Verfassung, Vorerkrankungen wie Diabetes und viele mehr. Eine Wunde, deren Heilung länger als drei Monate dauert, gilt als chronisch. Ihre Behandlung ist besonders anspruchsvoll, es drohen zum Beispiel Infektionen, die mit Gewebeverlust einhergehen können. Gegebenenfalls vorhandene Durchblutungsstörungen können die Selbstheilungsfähigkeiten weiter einschränken. Rückschläge gehören selbst bei guter Versorgung zum Alltag.

Die Wunde der KI: zu wenig Datensätze

In der Praxis haben Pflegende nicht genug Zeit, um jede Wunde regelmäßig bis ins Detail zu untersuchen und den Heilungsprozess zu dokumentieren. Deswegen wird an KI-gestützten Lösungen gearbeitet, die Frühstadienerkennung, Zustands- und Gewebeklassifikation, Verlaufsanalyse und Dokumentation erleichtern.

Doch KI-Lösungen benötigen möglichst viele und vielfältige Fotos von Wunden mit passenden Informationen. Für die Forschung verfügbare Datensätze sind rar und von wechselhafter Güte – und inhaltlich unausgewogen: Bestimmte Ausprägungen wie zum Beispiel Wunden mit abgestorbenem (nekrotischem) Gewebe sind viel zu selten vertreten, als dass die KI ihre volle Leistungsfähigkeit erreichen kann. Zudem mangelt es an dunkleren Hauttypen in medizinischen Datensätzen.

Neuronale Netzwerke für die Daten über Wunden

Hier setzt der Doktorand Raphael Brüngel in seiner kooperativen Promotion an der Fachhochschule Dortmund an. Er will diese schlecht bestückten Bereiche der Datensätze auffüllen, und zwar mithilfe spezieller neuronaler Netze: Diese hochentwickelten Technologien heißen „Generative Adversarial Networks“ (GANs) und sind in der Lage, sich realistisch wirkende Darstellungen „auszudenken“ sowie echte Bilder in andere Darstellungen zu „übersetzen“ – und zwar für den Anwendungsfall von Wundbildern genau jene, die in den Datensätzen Mangelware sind. Solche künstlich erzeugten Bilder werden im Fachjargon als „synthetisch“ bezeichnet. Um sie zu erschaffen, müssen entsprechende GAN-Modelle gelernt und verstanden haben, was das Wesen dieser unterrepräsentierten Wunden ist.

Das ist es, was Raphael Brüngel tut: Er entwickelt einerseits Methoden und Strategien, die GANs dazu befähigen, Wund-Darstellungen zu erschaffen, die den höchsten Ansprüchen genügen. Andererseits erforscht er die Potenziale und Grenzen dieser Technologie im Kontext der Optimierung von Anwendungen.

Kontakt:
Fachhochschule Dortmund
Raphael Brüngel
Fachbereich Informatik
Telefon: +49 (0) 231 9112 6727
E-Mail: raphael.bruengel@fh.dortmund.de
www.fh-dortmund.de

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