5G im internationalen Vergleich

Beim Netz für 5G ist Deutschland hintendran

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Der 5G-Länderindex von Arthur D. Little zeigt, dass Deutschland bei 5G im weltweiten Vergleich nicht zu den führenden Nationen gehört Grafik: Arthur D. Little
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Südkorea und die USA haben beim Ausbau der 5G-Nezt-Infrastruktur die Nase vorn, wie der aktuelle 5G-Länderindex Arthur D. Little zeigt. Doch auch Finnland und die Schweiz gehören für die Unternehmensberatung zu den führenden 5G-Nationen. Deutschland fällt hingegen deutlich ab.

Sabine Koll
Journalistin in Böblingen

Der 5G-Länderindex von Arthur D. Little vergleicht den Fortschritt des Netzstandards in 40 Ländern weltweit. Der Index basiert auf einer detaillierten Analyse der technischen Infrastruktur sowie der Vermarktung von 5G. Dazu wurden zwölf Kriterien (etwa die Abdeckung mit Masten, LTE-Nutzung, Stand der Frequenzen-Zuteilung und so weiter) in jedem der Länder analysiert.

Im Februar konstatierte das Center for Global Studies (CGS) der Universität Bonn, dass Deutschland im Vergleich zu den amerikanischen und asiatischen Vorreitern beim 5G-Netzausbau hinterherhinkt. Denn der neue Standard werde partiell auf bestehender Technik und Infrastruktur aufbauen. „Nun liegt Deutschland laut einer Studie von Opensignal bereits beim 4G-Ausbau und damit der LTE-Durchschnittsgeschwindigkeit im europäischen Vergleich auf den untersten Rängen. Eine langsamere Downloadgeschwindigkeit als Deutschland haben nur Georgien, Polen, Russland und Weißrussland“, so die Autoren der Analyse „Wo steht Deutschland? 5G-Netzaufbau“. Darin heißt es weiter: „Die Daten der Studie bescheinigen Deutschland nur eine 4G-Erreichbarkeitsquote von knapp 66 Prozent. Zum Vergleich: Südkorea, Japan, Norwegen und die USA haben eine Quote von über 90 Prozent. Die deutschen Netzbetreiber erachten die Studie als statistisch fragwürdig und postulieren gemessen an der Bevölkerung eine deutlich höhere 4G-Netzabdeckung: die Selbstauskunft von Telekom liegt bei 93 Prozent, Vodafone spricht von über 90 Prozent und Telefónica nennt eine 4G-Abdeckung von etwa 80 Prozent.“

Deutschland verschläft beim Netz für 5G den Start

Die CGS-Experten mahnen: „Der Übergang ins Gigabit-Zeitalter ist für Deutschland nicht nur essenziell, um weiterhin als Innovationsstandort zu gelten und somit wirtschaftliche Machtkapazitäten zu erhalten oder sogar auszubauen, sondern hat zudem eine klare sicherheitspolitische Relevanz. Der 5G-Ausbau bedeutet mehr als flüssiges Surfen zuhause. Er tangiert einen Komplex politischer, technischer sowie wirtschaftlicher Aspekte, in denen Deutschland bislang durch eine relativ schwache Performance auffällt, obgleich es eigentlich über alle notwendigen Fähigkeiten für eine erfolgreiche vierte Revolution verfügt.“

Nach dem 5G-Länderindex von Arthur D. Little haben die führenden Länder alle gemeinsam, dass bereits 5G-Lizenzen vergeben wurden, und die Betreiber ehrgeizige Ziele für die Einführung von 5G angekündigt haben. Die ersten Netzwerke sind implementiert und erste Anwendungsfälle erfolgreich getestet. Darüber hinaus zeigen die führenden Märkte eine hohe Bereitschaft zur Einführung neuer Dienste, die durch eine hohe 4G-Nutzung unterstützt werden. Zudem gibt es dort mehrere Wettbewerber, die eine schnelle 5G-Einführung fördern. Insgesamt sind diese nicht mit größeren Einschränkungen konfrontiert, sei es in Bezug auf Infrastruktur, Regulierung, Marktnachfrage für 5G-Anwendungen, Wirtschaftskraft oder Wettbewerbsdynamik.

Wettbewerbsfähigkeit wird vom 5G Netz abhängen

„Die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wird sich auf 5G-Netzwerke stützen, sodass ihre schnelle Implementierung unabdingbar ist“, sagt Karim Taga, Partner von Arthur D. Little. „Während Südkorea derzeit eindeutig führend ist, gehen viele andere auch über den Start von 5G-Netzwerken hinaus. Nach der Markteinführung von 5G-Geräten auf dem Mobile World Congress im März in Barcelona erwarten wir für das dritte und vierte Quartal 2019 eine beschleunigte Einführung. Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2019 Dutzende von Betreibern 5G-Dienste kommerziell einführen werden, was letztlich das Ranking ihrer Länder verbessern wird. Das Rennen hat begonnen.“

Nach Einschätzung des CGS der Universität Bonn wird der Prozess der Standardisierung zu einem wichtigen Schauplatz für die geopolitischen Aspekte von 5G. In der im Mai vom CGS veröffentlichten Studie „Geopolitics and the Global Race for 5G“ fungieren die Normungsgremien 3GPP und ITU als wichtige politische Arenen im Kampf um die 5G-Normen. „Der aktuelle Stand der Normung ist das Ergebnis des Kampfs der Länder und Unternehmen um Macht, Kontrolle und Einfluss in diesen Gremien“, so die Autoren der Studie. Darin heißt es weiter: „China ist zu einem wichtigen Akteur in den Normungsgremien geworden, ist aber noch weit davon entfernt, den internationalen 5G-Normungsprozess zu dominieren. Qualcomm, als amerikanischer Technologieriese, hat seit Jahrzehnten die Dominanz bei globalen Telekommunikationsstandards. Huawei zeigt jedoch die Tendenz, Qualcomm zu ersetzen und das Unternehmen mit dem stärksten Einfluss auf die 5G-Standardsetzung zu werden.“

Beim Thema 5G hat China großes Gewicht

Auf Seiten der Anbieter wird der Markt für Funkzugangsnetze (RAN) nach Einschätzung der CGS-Studie von dem chinesischen Unternehmen Huawei und den skandinavischen Unternehmen Nokia und Ericsson dominiert. Diese drei machen fast 80 % des Marktumsatzes aus. Aktuell sei unklar, ob „Huaweis Kampf um Glaubwürdigkeit seinen Konkurrenten Nokia und Ericsson zugutekommen wird oder ob sie negativ beeinflusst werden, da diese mit Forschung, Entwicklung und Produktion auch in China stark involviert sind“. Das CGS geht davon aus, dass Ostasien, mit China im Mittelpunkt, „für die Größe der Märkte und das Tempo der Implementierung von 5G entscheidend sein“ wird.


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