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Sensor-Daten aus dem Autoklaven

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Sensor-Daten aus dem Autoklaven

Elektronik, Batterie und Sensoren sollen das Sterilisieren im Autoklaven nicht nur überstehen, sondern auch noch während des gesamten Prozesses Daten liefern Bild: Micro-Sensys, Nadin Jurisch
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RFID-Technik | Mit Hilfe der RFID-Technik lassen sich nicht nur objektbezogene Daten auf autoklavierbaren Instrumenten hinterlegen. Datenlogger können auch Messdaten erfassen und versenden. Beide Eigenschaften sollen nun in einem autoklavierbaren Logger zusammengeführt werden.

RFID-Technologie bietet heute schon gute Möglichkeiten, um das Prozessmanagement für OP-Bestecke oder Sterilisationscontainer zu verbessern. Direkt am Objekt lassen sich mit passiven miniaturisierten RFID-Transpondern Informationen zur Identifikation des Teiles ablegen. Die Transponder verfügen über ein robustes, sterilisationsfestes Gehäuse und können an filigranen Instrumenten befestigt werden. Ihre Daten geben sie nur preis, wenn ein Reader mit Antenne in der Nähe ist – zum Beispiel direkt an der Reinigungsmaschine.

Die Erfurter Micro-Sensys GmbH bietet solche Transponder bereits unter dem Namen Steri-Tag an. Besondere RFID-Transponderbauformen sind für Steril-Container verfügbar und liefern mit Hilfe integrierter Sensoren Daten über die Bedingungen bei der Reinigung. Sie erlauben das kontaktlose Messen und Überwachen physikalischer Größen wie Temperatur, Feuchte, Druck oder Schwingung. „Die Lebensdauer solcher Geräte, die rein passiv arbeiten und daher auch keine Energie verbrauchen, ist quasi unbegrenzt“, erläutert Micro-Sensys-Geschäftsführer Reinhard Jurisch.
Einen Schritt weiter gehen die Erfurter mit ihren Telid-Datenloggern: Diese verfügen über einen integrierten Sensor, eine Real-Time-Clock sowie eine Batterie und Speicherkapazität für Messdaten. Damit lassen sich Zustandsverläufe darstellen. Nützlich ist das, um überwachungspflichtige und empfindliche Objekte zu beobachten. So ist die Temperaturüberwachung von Pharmaka, Blut- oder Blutplasmabeuteln genauso vorstellbar wie der Einsatz im Qualitätsmanagement von Reinigungsprozessen. Denn der Logger sammelt Daten und kann mehr als 8 000 Datenpakete aus Sensorwert plus Zeitstempel auch über längere Zeiträume aufzeichnen. Mittels der zugehörigen Software Telid Soft ist so exakt nachvollziehbar, ob und wann definierte Temperaturbereiche über- oder unterschritten wurden beziehungsweise ob die vorgegebenen Korridore für bestimmte Werte eingehalten werden.
Schon heute arbeiten die Logger bis 100 °C zuverlässig
„Im Bereich der Reinigung können wir heute schon Produkte anbieten, die bis zu einer Temperatur von 100 Grad Celsius zuverlässig arbeiten“, berichtet Reinhard Jurisch. Aber die Erfurter entwickeln bereits an Produkten mit zusätzlichen Fähigkeiten. „Wir wollen im Herbst zur Medica Logger vorstellen, die auch unter den Bedingungen im Autoklaven Daten sammeln können.“
Ausgangsbasis sind die Telid-Datenlogger, die bisher in den Reinigungsmaschinen ihren Dienst tun. Sie haben einen Durchmesser von etwa 25 mm und sind 10 mm hoch. Für die geplanten Anwendungen ist das laut Jurisch „schon eine ganz geeignete Größe“. Kleinere Teile könnten bei der Reinigung gegebenenfalls verlorengehen.
Die Beständigkeit der Produkte, die Sensoren, Elektronik und Batterie enthalten müssen, bis auf Temperaturen von 136 °C und einen Druck von bis zu 2 bar zu steigern, sei aber keine Kleinigkeit. Edelstahl wäre dafür grundsätzlich ideal. Aber Metallgehäuse sind tabu, da sie nicht von Radiowellen durchdrungen werden können. „Für unsere RFID-Logger benutzen wir daher spezielle Kunststoffgehäuse, zum Beispiel auf der Basis von PEEK“, sagt Jurisch.
Mit diesen Datenloggern sei eine effizientere Prozessüberwachung bei der Heißdampfsterilisation möglich. Während bisher die Reader im Umfeld der Reinigungsmaschine oder des Autoklaven angebracht sein müssen, um die Sensordaten der Transponder während der Reinigung zu erfassen, könnten mit einem Logger die Daten fortlaufend erfasst, gespeichert und an einem beliebigen Ort wieder ausgelesen werden. „Für Krankenhäuser ist diese Erleichterung sehr interessant“, betont der Geschäftsführer.
Die Ideen für weitere Einsatzmöglichkeiten der RFID-Technik reichen aber über die Reinigungsprozesse hinaus. Denkbar wären laut Jurisch auch günstige Transponder mit Drucksensor, die beim Eingipsen von Gliedmaßen körpernah untergebracht werden. Ihre Messwerte könnten ausgelesen werden, um auf mögliche Schwellungen zu schließen. Auch Beschleunigungssensoren könnten integriert werden, um Bewegungen zu erfassen. „Und ein ganz visionärer Ansatz wäre ein Transponder-tragendes Implantat, das unter die Haut gebracht wird und Messdaten zum Blutzucker ans Telefon mit integrierter NFC-Schnittstelle liefert – diese könnten jederzeit unauffällig ohne den Einsatz von Verbrauchsmitteln und schmerzfrei ausgelesen werden.“ (op) ■


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