Big Data: Im Gesundheitsbereich müssen Sicherheitschranken beachtet werden

Mehr als gläserne Patienten

In der Gesundheitsbranche müssen täglich große Datenmengen verarbeitet werden. Damit nicht nur der Patient gläsern, sondern die Medizin besser und effizienter wird, gilt es, einige Richtlinien zu beachten Bild: Messe Düsseldorf
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Der Ruf der Verarbeitung großer Datenmengen hat unter dem Schlagwort „Big Data“ gelitten. Damit sind auch die großen Datenmengen im Gesundheitswesen erneut ins Rampenlicht gerückt. Fragen zu Big Data, Cloud Computing und Datensicherheit bieten reichlich Diskussionsstoff – und sind deshalb Thema auf dem Health IT Forum der Medica.
Ohne die Verarbeitung großer Datenmengen sind viele Fortschritte in der Medizin heutzutage kaum vorstellbar. Dies ist zum Beispiel dann wichtig, wenn es darum geht, Behandlungsmöglichkeiten ganz genau auf den einzelnen Patienten zuzuschneiden. Das versucht die Medizin zwar schon seit langem, aber der Fortschritt eröffnet immer mehr und immer neue Möglichkeiten.
Ein Beispiel, mit dem sich Prof. Stefan Wrobel, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS, und sein Wissenschaftlerteam beschäftigen ist die optimale Therapie von Brustkrebs. Hierzu sollen unterschiedliche Daten zusammengeführt werden, die aus Forschungsarbeiten bekannt sind, im Einzelfall vorliegen und aus Erfahrungen bestehen, die Ärzte in ihrer alltäglichen klinischen Arbeit sammeln. Dies soll unter anderem angewandt werden, um klinische Studien besser zu steuern. Klar ist nämlich bereits jetzt, dass es kaum möglich sein wird, das optimale Arzneimittel für die Behandlung eines einzelnen Menschen jedes Mal neu zu erfinden. „Wir suchen nach Gruppen mit großen Gemeinsamkeiten“, erläutert Dr. Dietlind Zühlke, Forscherin am Fraunhofer IAIS. Dazu übernehmen Computerprogramme die Arbeit, alle möglichen Faktoren auszuwerten und zu gewichten. „Der Mensch alleine könnte diese Daten gar nicht mehr zusammenführen“, führt Zühlke aus. Aber wie sieht es beim Datenschutz aus? Dieser hat bei der Forschungsarbeit höchste Priorität.
Wenn die Patientengruppen zusammengestellt werden, dann werden Informationen, die Rückschlüsse auf die einzelne Person ermöglichen könnten, zunächst kaum benötigt. Ausnahmen bilden das Alter und bestimmte Tumoreigenschaften, die ohne besondere Vorkehrungen eine nachträgliche Identifizierung des Patienten unter Umständen zulassen könnten. Möglich wäre dies allerdings nur dem behandelnden Arzt – und dem liegen die Daten ohnehin bereits vor. Im Fraunhofer-Ansatz werden Altersdaten und ähnliches zudem vor der eigentlichen Auswertung im Rahmen einer Daten-Vorverarbeitung so umgruppiert, dass ein Rückschluss auf einzelne Teilnehmer der Studie unmöglich gemacht wird. „Dieses so genannte Privacy-preserving Data Mining ist bei uns ein sehr aktives Forschungsfeld“, schildert Zühlke. So betont sie, dass das Fraunhofer IAIS auch in der Erkennung von Kreditkartenbetrug unter Wahrung der Privatsphäre weltweit führend sei: „Wir haben Algorithmen, die es unmöglich machen, auf die Identität desjenigen, der eine Transaktion macht, zurückzuschließen.“ Manchmal kann ein hoher Aufwand notwendig sein, um Daten auch in der Forschung sicher und dennoch sinnvoll verwertbar zu machen – aber es lohnt sich.
Das Cloud Computing hat dabei die Grenzen der Forschung schon längst überschritten. Mittlerweile setzen auch der Suchmaschinengigant Google und der iTunes-Betreiber Apple zunehmend auf die Gesundheitswirtschaft. Sie haben ein gemeinsames Unternehmen „Calico“ gegründet, dessen Vision es ist, das Altern von Menschen und vor allen Dingen die damit verbundenen Krankheiten zu bremsen. IBM hat in Amerika gerade ein Big-Data-Zentrum eröffnet, um Unternehmen bei der Analyse enormer Datenmengen zu unterstützen und deren Forschung und Produktentwicklung zu beschleunigen. Als Arbeitsfeld erwähnt wird hier auch die Medizin. Und Qualcomm Life hat angekündigt, das Engagement im mHealth-Bereich in wichtigen Märkten in Europa, darunter Deutschland, Großbritannien und Skandinavien, weiter auszubauen. Einen Mittelpunkt soll das cloudbasierte System der „2netTM“-Plattform bilden. Dies soll die Behandlung chronischer Erkrankungen effizient unterstützen. Auch deutsche Firmen arbeiten an Gesundheits-Wolken. Die Deutsche Telekom verkauft Anwendungen für Nutzer ihrer „Consumer Health Cloud“. Jüngstes Beispiel ist ein Tablet-PC, der speziell alten Menschen ein selbstständiges Leben ermöglichen soll.
Besonders hohe Anforderungen an die Datensicherheit müssen jedenfalls dort gestellt werden, wo die Verwendung zur Pflicht für alle gesetzlich Krankenversicherten wird – wie dies im nächsten Jahr für den Versichertenstammdatenabgleich der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und das damit eng zusammenhängende deutsche Großprojekt der sicheren Telematik-Infrastruktur gilt.
Mit Big Data hat die eGK jedenfalls nichts zu tun. Das betont Professor Arno Elmer, Hauptgeschäftsführer der gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH, im Gespräch. Das Konzept, große Mengen an Daten zu sammeln und verarbeiten zu lassen, widerspreche dem Grundansatz der eGK, „wo wir bewusst auf dezentrale Datenspeicherung setzen. Die Daten bleiben dort, wo sie bereits heute sind, nämlich beim Arzt.“ Die eGK sei nur der Schlüssel zur Telematikinfrastruktur in der Hand des Versicherten. Die Telematikinfrastruktur sei lediglich ein Übertragungskanal. Die laufende Diskussion um die Datensicherheit habe sowohl geholfen als auch geschadet. Geholfen habe sie, weil die eGK den Datenschutz erhöhe. Lediglich falsche Vorwürfe von eGK-Gegnern hätten einen Schatten auf das Projekt geworfen. Die eGK soll zudem künftig den Abgleich der Versichertenstammdaten wie den Versichertenstatus oder auch die Adressdaten mit den Krankenkassen ermöglichen.
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