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Markt der Möglichkeiten

Medizintechnik-Import: Deutschland ist Mexikos wichtigster europäischer Lieferant
Markt der Möglichkeiten

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Siesta, Fiesta und Tequila – auch das ist Mexiko. Doch deutsche Unternehmen denken zunehmend an gute Geschäfte, wenn vom südlichen Nachbarn der USA die Rede ist. Der Markt für Medizintechnik wächst jährlich im zweistelligen Bereich.

Bis zu 90 % des Bedarfs an Medizintechnik werden in Mexiko durch Importe befriedigt. Deutschland ist der zweitwichtigste Lieferant hochwertiger Produkte für den mexikanischen Gesundheitssektor – allerdings mit einem noch vergleichsweise geringen Verkaufsanteil von 6,4 % und weit hinter den USA, die fast zwei Drittel des Marktes beherrschen. 2007 hat Mexiko medizinische Geräte und orthopädische Ausrüstungen „Made in Germany“ im Wert von 97,9 Mio. Euro eingeführt. Dies bedeutet einen Rückgang um 0,1 % im Vergleich zu 2006 – hier zeigt sich die Schwäche des starken Euro. Insgesamt ist die Tendenz jedoch steigend.

Lateinamerikas zweitgrößte Volkswirtschaft investiert in ihr Gesundheitswesen, und zwar kräftig. Die öffentlichen Ausgaben stiegen nach Angaben der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) 2007 um 14 % auf knapp 18 Mrd. Euro an. Davon kamen 3,8 Mrd. Euro aus dem Gesundheitsministerium (Secretaría de Salud), das um satte 31 % aufstockte. Gesundheitsministerium, Sozialversicherung für Angestellte (IMSS) und Kommunen betreiben 60 % der medizinischen Einrichtungen. Weitere 20 % haben andere öffentliche Träger, die restlichen 20 % sind in privater Hand. Und obwohl nur vier von hundert Mexikanern Mitglied einer Privatkasse sind, wird gerade diesem Bereich ein großes Wachstumspotenzial bescheinigt. Jeder Zweite bezahlt die medizinische Betreuung nämlich aus eigener Tasche, nur 46 % der Bevölkerung sind in einer öffentlichen Kasse versichert.
2007 importierte Mexiko Medizintechnik für 1,1 Mrd. Euro. Gefragt sind vor allem Hightech-Produkte. Ende des Jahres wurde nochmals ein umfangreiches Paket an öffentlichen Ausschreibungen geschnürt, die übrigens nur Neutechnik berücksichtigen. Und auch im Lande selbst wird immer mehr produziert und exportiert. Die deutsche Einfuhr an medizinischen Geräten und Ausrüstungen aus Mexiko schnellte 2007 auf 63,2 Mio. Euro – ein Zuwachs um 74 % im Vergleich zum Vorjahr. Nicht allein die günstige Lage als Nachbarland der USA und Tor zu Lateinamerika machen Mexiko zum begehrten Handelspartner. Zahlreiche Wirtschaftsabkommen sichern günstige Konditionen für den Im- und Export. Neben der Nafta-Freihandelszone zwischen Mexiko, den USA und Kanada spielt auch das im Jahr 2000 abgeschlossene Freihandelsabkommen zwischen Mexiko und der Europäischen Union (Meufta) eine wichtige Rolle.
Francisco González, der Leiter der Mexikanischen Handelsdelegation in Frankfurt, spricht von einem regelrechten Boom der deutsch-mexikanischen Wirtschaftsbeziehungen in den vergangenen fünf Jahren. Während Großunternehmen schon länger vor Ort seien, entdeckten jetzt zunehmend auch Mittelständler die Chancen des Marktes. Vertrieb und Kundenservice spielten dabei ebenso eine Rolle wie Kostensenkungen aufgrund günstigerer Standortbedingungen.
Mitte 2007 gab es in Mexiko 1034 Firmen mit deutscher Kapitalbeteiligung. Sie investieren in einem Land, das – die Angaben variieren – zu den zehn, zwölf stärksten Volkswirtschaften der Welt zählt und dem ein Aufstieg unter die ersten fünf vorausgesagt wird. Ein wahrhaft junges Land im Vergleich zu den alten Wirtschaftsmächten: Das Durchschnittsalter der 108 Millionen Mexikaner liegt bei 27 Jahren, jeder Dritte ist unter 14 und nur 5 % sind über 65, das heißt: Der Wirtschaft stehen rund 44 Millionen immer besser ausgebildeter Arbeitskräfte zur Verfügung.
Auch Stabilität spielt eine wichtige Rolle. „Früher hieß es: Wenn die USA niesen, bekommt Mexiko eine Lungenentzündung“, sagte Botschafter Jorge Castro-Valle Kuehne bei einem Seminar zum Thema „Medizintechnik in Mexiko“, das die German Healthcare Export Group (GHE) und die mexikanische Außenhandelsorganisation Pro México im April in Stuttgart veranstalteten. Heute sei es nur noch eine starke Erkältung, aber auch die bedürfe der Vorsorge. Ein Bündel an steuerpolitischen Maßnahmen soll mit dazu beitragen, dass Mexiko auch in einem schwieriger gewordenen Umfeld bestehen kann. Der Diplomat betont die solide Verfassung der mexikanischen Wirtschaft, Reformen sollen die Entwicklung weiter fördern. Schon jetzt sprechen die wirtschaftlichen Eckdaten für sich. Die Inflationsrate liegt relativ stabil bei etwa 4 %, und das Länderrisiko ist seit 1999 von 607 auf unter 100 gesunken. Nachdem das Wirtschaftswachstum 2007 von 4,8 % im Vorjahr auf 2,9 % zurückging, wird für 2008 wieder mit einem Anstieg auf 3,5 % gerechnet.
Im ganzen Land sind mehr als 150 Logistik- und Industrieparks entstanden, in denen sich auch deutsche Medizintechnik-Unternehmen angesiedelt haben. Doch während etwa Carl Zeiss de México bereits seit 1972 Mikroskope herstellt, ist Mexiko für die meisten Firmen in erster Linie ein interessanter Absatzmarkt: Die Produktion vor Ort spielt noch immer eine untergeordnete Rolle. So liefert auch Siemens, seit über hundert Jahren im Lande vertreten, fertige medizinische Lösungen: Die mehr als 160 Mitarbeiter des Bereichs Healthcare in der Landesgesellschaft sind überwiegend im Service tätig. Guenter Wellendorf, Regionaldirektor Lateinamerika der Siemens AG, Healthcare Sector, schätzt die Entwicklungsmöglichkeiten für deutsche Medizintechnik in Mexiko positiv ein – trotz des anhaltenden Preisdrucks, der den Firmen zu schaffen macht. Politische Stabilität und vertrauensbildende Maßnahmen der Regierung Calderón für ausländische Investoren spielen dabei ebenso eine Rolle wie das staatliche und private Engagement im Gesundheitsbereich. So wolle die private Grupo Angeles, die bereits ein Dutzend Großkliniken betreibt, in den kommenden fünf Jahren fünf neue Hospitäler errichten.
Viele Firmen vertreiben ihre Produkte in Mexiko über Handelsvertretungen, auch die KLS Martin Group. Das Tuttlinger Unternehmen mit einem Exportanteil von 80 % tätigt rund 23 % seiner Lateinamerika-Verkäufe über einen Fachhandelspartner in Mexiko. Eine langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit, wie Bereichsleiterin Ulrike Störp betont: „Das ist der Schlüssel unseres Erfolges dort.“ Am besten läuft das Geschäft mit OP-Leuchten, hier sei die Konkurrenz aus den USA relativ klein. Der Handelspartner übernimmt alle Registrierungsformalitäten, das deutsche Unternehmen kümmert sich um die Schulung der Mitarbeiter im Verkauf und des technischen Personals. Fakturiert wird in Euro. In den vergangenen drei Jahren habe sich der Markt sehr gut entwickelt, sagt Ulrike Störp. Die KLS Martin Group setze auch in Zukunft auf faire Partnerschaft mit den Distributionspartnern vor Ort.
Bettina Gonser Freie Journalistin in Stuttgart
Deutscher Mittelstand entdeckt den Standort Mexiko
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