Ausbildung: Ingenieurmangel bleibt auch für Medizintechnikunternehmen ein Thema

Jung, dynamisch und gesucht…

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In der Gesundheitsbranche sichern neue Technologien und Strategien nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit, sondern verbessern auch den medizinischen Behandlungserfolg. Umgesetzt werden sollen sie von gut ausgebildeten Mitarbeitern, die – nicht nur in der Medizintechnik – händeringend gesucht werden.

Seit über zwei Jahren ist Klara Kaczkowska als Ingenieurin bei Abplanalp Consulting beschäftigt, einem Haas Factory Outlet (HFO) mit Sitz in Warschau. Ihr Schwerpunkt: CNC-Werkzeugmaschinen. Schon als kleines Mädchen interessierte sich Klara für Technik, später entschied sie sich für ein Maschinenbau-Studium. Neben ihrer Anstellung bei Abplanalp fand Klara noch die Zeit zu einem weiterführenden Studium, das sie im Juli letzten Jahres mit einem Master in Betriebsverwaltung und Produktionstechnik abschloss. Ihre Tätigkeit beim HFO gliedert sich in zwei Bereiche: Als Dokumentarin wacht sie über die technische Dokumentation von Haas-Maschinen und gibt kompetent Auskunft, während sie sich als technische Fachkraft den praktischeren Aspekten der CNC-Bearbeitung widmet.

Junge, gut ausgebildete Menschen wie Klara Kaczkowska werden zur Zeit überall händeringend gesucht. Aber: Allein in Deutschland werden bis zum Jahr 2014 rund 220 000 Ingenieure, Naturwissenschaftler und Techniker fehlen, warnen Wirtschaftsexperten. Rund 3,5 Mrd. Euro soll der Mangel an Ingenieuren allein im letzten Jahr die deutsche Wirtschaft gekostet haben. Und trotz Krise leidet sie weiter unter dem Fachkräftemangel, was dem Technologiestandort auf Dauer schadet. Zwar ist die Ingenieurlücke zuletzt krisenbedingt etwas kleiner geworden. „Die Krise hat das Problem Fachkräftemangel aber nur verschleiert, nicht gelöst“, sagt Willi Fuchs, Direktor vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Unternehmen haben immer noch Schwierigkeiten mit der Besetzung ihrer offenen Stellen. Die Ingenieurlücke schwanke aufgrund der Wirtschaftskrise, doch sei eine Verschärfung der Fachkräfteproblematik nach dem erwarteten wirtschaftlichen Aufschwung sehr wahrscheinlich, so Fuchs. Um künftig international konkurrenzfähig zu bleiben, müssen mehr junge Menschen als bisher für den Ingenieurberuf begeistert werden. Geschehe das nicht, setze Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel.
Innovationen sind der Schlüssel zum Erfolg. In der Gesundheitsbranche gilt dieser Grundsatz in mehrfacher Hinsicht. Die deutsche Medizintechnik ist deshalb auch besonders krisenfest, wie der aktuelle Branchenmonitor der Initiative „Vorsprung Medizintechnik“ des Industrieverbands Spectaris zeigt. Die regelmäßige Einführung neuer Technologien und Strategien sichert die internationale Wettbewerbsfähigkeit, verbessert den medizinischen Behandlungserfolg und entlastet nicht zuletzt das Gesundheitssystem durch höhere Kosteneffizienz.
Vor allem die vielen mittelständischen Firmen verleihen dem Industriesektor Stabilität. „Kleine und mittlere Unternehmen machen keine Abstriche in puncto Innovationstätigkeit“, sagt Spectaris-Geschäftsführer Sven Behrens. 84 % der 1250 deutschen Hersteller von Medizintechnik sind kleinere und mittlere Unternehmen. Viele dieser Firmen können in der Krise auf eine solide Eigenkapitalquote bauen und sind nicht von Fremdkapital abhängig. Laut Behrens, eine gute Voraussetzung, um Konjunkturschwächen abzufedern und weiterhin in Innovationen zu investieren. Doch dazu benötigen die Unternehmen geeignete Fach- und Führungskräfte – und der Ingenieurmangel macht sich auch in dieser Vorzeigebranche bemerkbar. Um den gut ausgebildeten Nachwuchs ins Haus zu bekommen – oder den eigenen Mitarbeiter gezielt fördern zu können, pflegen viele Firmen den Austausch mit Hochschulen und technischen Lehrstühlen – denn vor allem im Bereich der Medizintechnik und verwandte Themen hat sich an den bundesweiten Hochschulen in den letzten Jahren einiges getan.
So wird ab dem Sommersemester 2010 auch an der Hochschule Amberg-Weiden der Bachelor-Studiengang Medizintechnik angeboten. Personalkosten und personalbezogenen Sachausgaben der Professur für das neue Lehrgebiet werden fünf Jahre lang von Gerresheimer Wilden und der IMA Automation Amberg GmbH getragen. „Mit dieser Stiftungsprofessur investieren wir in unsere Zukunft“, erläutert Manfred Baumann, Geschäftsführer der Gerresheimer Wilden GmbH in Regensburg, die Entscheidung des Unternehmens. „Wir dürfen den bevorstehenden Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften nicht einfach hinnehmen – wir wollen fit für die Zukunft sein und dazu gehören gut ausgebildete Ingenieure für den Bereich Medizintechnik“, so Baumann. Auch die Definition der Studieninhalte hat Gerresheimer Wilden gemeinsam mit der HAW Amber Weiden übernommen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Themen Fertigungstechnologie, Entwicklungstechnologie und Zulassungsverfahren. Die Auswahl der Ausbildungsinhalte war Baumann besonders wichtig: „Wir brauchen schließlich kompetente Ingenieure, die speziell für unsere Bedürfnisse ausgebildet wurden. Sie müssen die Sprache unserer Kunden sprechen – das ist zum Teil eine medizinische Fachsprache – zum anderen müssen sie ebenso präzise über die Entwicklung und Fertigung von Medical Devices sprechen können wie über die Regeln der Good Manufacturing Practice und die Vorgehensweise der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA.“
Mit der Gründung des Hochschulcampus Tuttlingen begann im vergangenen Herbst auch an der International Business School Tuttlingen (IBST) eine neue Ära. Erstmals sind die Studenten nun in das E-Learning-System der Hochschule Furtwangen University (HFU) integriert. Hochschul-Rektor Prof. Rolf Schofer sieht einen großen Vorteil für den Studiengang im Hochschulumfeld und will auch weiter eine zügige Integration der IBST in die HFU vorantreiben. Für das neue Studienjahr haben sich zwölf Studierende angemeldet. Als Nachwuchsführungskräfte verschiedener Unternehmen werden sie während der kommenden zwei Jahre berufsbegleitend an der IBST zum Master of Business Administration (MBA) weiter gebildet. Neben den Studiengängen Industrial Manufacturing und Industrial System Design wird in Tuttlingen der Studiengang Industrial MedTec angeboten.
Die Arbeitsfelder der Absolventen umfassen die Entwicklung medizinischer Geräte und Systeme, die medizingerechte Konstruktion und das Fertigen sowie Planen medizinischer Einrichtungen. Die Studienschwerpunkte des Vertiefungsstudiums liegen dabei in den Bereichen Chirurgische Instrumente, Implantate, minimalinvasive Verfahren und medizinische Gerätetechnik, zählt Studiendekan Prof. Dr. Peter Anders auf. Die Wertigkeit des Studiengangs Industrial MedTec unterstreicht Aesculap-Vorstandsvorsitzender Priv.-Doz. Dr. Hans-Peter Knaebel: „Wir sind von der hohen Qualität der Tuttlinger MBA-Ausbildung überzeugt. Deshalb unterstützen wir den Studiengang,und deshalb haben in diesem Jahr wieder fünf unserer Mitarbeiter dieses Studium aufgenommen“. Über sechzig weitere Medizintechnikhersteller, darunter auch die Weber Instrumente GmbH & Co. KG in Emmingen-Liptingen, und die Henke-Sass, Wolf GmbH in Tuttlingen, sind ebenfalls als Fördermitglieder im Hochschulbetrieb engagiert.
Medizintechnikhersteller unterstützen den HFU-Studiengang Industrial MedTec
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