Digitale Transformation bei Ottobock

Digitalisierung schafft mehr Zeit für den Patienten

Digitalisierung Ottobock
Sarik Weber ist seit Mai Chief Digital Officer (CDO) bei Ottobock und arbeitet mit seinem Team an einer Strategie für die digitale Transformation des Duderstädter Medizintechnikherstellers Bild: Ottobock
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Ottobock entwickelt sich immer mehr zu einem umfassenden Anbieter von Gesamtlösungen für den Bereich Orthetik und Prothetik. Welche Chancen die Digitalisierung dabei bietet, erläutert Chief Digital Officer Sarik Weber.

Susanne Schwab
susanne.schwab@konradin.de

Herr Weber, Sie sind Digitalisierungsexperte und haben unter anderem den Start-up-Inkubator Hanse Ventures gegründet und das Karriereportal Xing mit aufgebaut. Wo beeinflusst die Digitalisierung heute schon die Medizintechnik?

Wenn wir von Digitalisierung sprechen, meinen wir häufig die digitale Transformation. Dieser tiefgreifende Veränderungsprozess erfasst aus meiner Sicht immer stärker auch die Gesundheitsbranche. Dazu gehören heute beispielsweise die Telemedizin, Big Data und Cloud Computing, aber auch die Möglichkeiten der digitalen Fertigung.

Sie sind am 1. Mai angetreten, um in der neu geschaffenen Position als Chief Digital Officer die digitale Transformation bei Ottobock voranzutreiben – wie lautet Ihr Fazit nach 100 Tagen? Sind Sie auf dem richtigen Weg?

Das kann ich ganz klar mit Ja beantworten. Wir sind zum heutigen Zeitpunkt gut aufgestellt und arbeiten intensiv an einer digitalen Strategie – inklusive ganz konkreter Implementierungspläne und messbarer Leistungskennzahlen. Im Kern geht es dabei um digitale Geschäftsmodelle. Meine Rolle als CDO besteht darin, diese digitalen Geschäftsmodelle zu identifizieren und erfolgreich im Markt zu platzieren.

Was haben Sie an digitalem Wissen bei Ihrem neuen Arbeitgeber vorgefunden?

In der gesamten Unternehmensgruppe arbeiteten bereits über 100 Mitarbeiter an ganz unterschiedlichen digitalen Themen. Parallel dazu bauen wir nun eine eigene digitale Abteilung auf, die all diese Aktivitäten sinnvoll miteinander verzahnt und vernetzt.

Welche Aufgaben hat denn ein Chief Digital Officer überhaupt?

Die Position des Chief Digital Officer ist relativ neu. Aber allein im letzten Jahr hat sich die Anzahl der CDOs in Deutschland verdoppelt. Und sie sind auch bei den Hidden Champions und im gehobenen Mittelstand angekommen, was den hohen Stellenwert der Digitalisierung für die Unternehmen verdeutlicht. Das hat unser neuer CEO Dr. Oliver Scheel ebenfalls erkannt und sie zur Chefsache gemacht. Für mich persönlich hat der CDO eine starke Integrationsaufgabe. Er muss die digitalen Initiativen – auch die, die im Unternehmen bereits vorhanden sind – bündeln, fokussieren und im Markt umsetzen.

Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Die Digitale Transformation bei einem Global Player wie Ottobock mitgestalten und prägen zu können, ist eine enorm spannende Aufgabe. Sie umfasst sehr unterschiedliche Aspekte wie die digitale Fertigung und E-Commerce, aber auch ganz konkrete Anwendungen, die dem Patienten nutzen wie beispielsweise Patienten-Apps. Neben diesen Gestaltungsmöglichkeiten finde ich es auch spannend, dass sowohl unsere Kunden, also die Orthopädietechniker, als auch die Patienten selbst inzwischen eine gewisse Erwartung haben, dass wir in diesem Bereich etwas bieten müssen. Und unabhängig davon ist die Arbeit bei Ottobock eine sinnvolle Tätigkeit, die mich sehr reizt.

Wie digital ist Ihrer Meinung nach die Orthopädietechnik-Branche?

Traditionell ist diese Branche sehr handwerklich orientiert. Und das hat sich über Jahre auch sehr gut bewährt. Auf der anderen Seite gibt es nun diese neuen Möglichkeiten mit hochmodernen Scannern und additiven Fertigungstechniken. Das macht auch vor Ottobock nicht halt und wir müssen uns aktiv damit auseinandersetzen. Ich sehe in der gesamten Branche durchaus noch Aufholbedarf, denn die Digitalisierung wird auf die Fertigung ähnliche Auswirkungen haben wie das Iphone auf die Kommunikationsbranche. Schon heute werden beispielsweise immer mehr Orthesen digital gefertigt, was natürlich auch Auswirkungen auf die Versorgung hat – und dann wird es für den Gesundheitsmarkt interessant.

Wo steht Deutschland im Vergleich?

Die USA und andere Länder sind beim Thema Digitalisierung schon etwas weiter. In Deutschland besteht noch Aufklärungsbedarf, wenn es darum geht, die traditionell eher handwerklichen Orthopädietechniker zu überzeugen. Aber es gibt viele Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind: Beispielsweise gewinnt er mehr Zeit für die Beratung und Betreuung des Patienten, denn es muss kein aufwendiges Gipsmodell erstellt werden. Nach dem Einscannen können die Bilddaten direkt an einen 3D-Drucker gesendet werden, der die Orthese additiv fertigt.

Sie sollen bei Ottobock eine Digitale Agenda gestalten. Gibt es bereits konkrete Projekte?

Ich darf nicht allzu viel verraten, aber wir sind mittendrin. Ein wichtiges Thema ist die digitale Fertigung. Damit wollen wir uns auseinandersetzen. Chancen, die wir hier sehen, ist eine stärkere Personalisierung und Individualisierung in der Produktion – mit dem Ziel die Versorgung zu verbessern. Ein zweiter wichtiger Bereich ist das Thema E-Commerce. Hier wollen wir die bereits bestehenden Bestellplattformen verbessern, mehr Service bieten und den Bestellprozess insgesamt vereinfachen. An weiteren Punkten arbeiten wir, aber die Agenda ist ein langfristiger Prozess, der über Jahre läuft.

Welche digitalen Technologien setzt Ottobock bereits ein und was ist hier noch geplant?

Ehrlicher Weise war ich überrascht, dass ich bereits so viel vorgefunden habe. Es gibt heute schon Apps bei Ottobock, mit denen sich Prothesen einstellen lassen, oder Trainings-Apps, mit denen sich Bewegungsabläufe verbessern lassen. Außerdem ist Ottobock seit kurzem mehrheitlich an der Düsseldorfer Plus Medica OT beteiligt, die sich mit dem Thema Digitale Fertigung und 3D-Druck von Orthesen beschäftigt. Wir haben also ganz viel, auf dem wir aufbauen können.

Gibt es auch Digitalisierungsskeptiker im Team?

Es wäre überraschend, wenn es nicht so wäre. Aber ich muss sagen, bei Ottobock herrscht eine große Offenheit und Bereitschaft, Neues auszuprobieren.

Wo kann Künstliche Intelligenz bei den Aufgaben helfen?

Künstliche Intelligenz ist für die Medizintechnik und Gesundheitsbranche ein relativ neues Feld. Wir hätten beispielsweise die Möglichkeit, Bewegungsdaten zu erfassen, mittels Künstlicher Intelligenz und Deep Learning auszuwerten und daraus Muster für eine bessere Versorgung abzuleiten. Doch da kommen Aspekte wie Datenschutz und Produkthaftung ins Spiel, die wir berücksichtigen müssen. Im schlimmsten Fall könnten ja aus fehlerhaften Daten falsche Diagnosen abgeleitet werden – das gilt es zu vermeiden. Aber wir sind immer aufgeschlossen dafür, neue Dinge auszuprobieren.

Welchen Einfluss wird der digitale Wandel in den nächsten Jahren auf Ottobock haben?

Wir entwickeln uns immer mehr zu einem Anbieter von Gesamtlösungen für den Bereich Orthetik und Prothetik. Neben den Anforderungen an die hohe Qualität unserer Produkte erwarteten Kunden- und Patienten verstärkt auch immer intelligentere Services. Für beides bietet uns die Digitalisierung in den nächsten Jahren enorme Chancen.

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